Philosophie Lexikon der Argumente

 
Reduktionismus, Philosophie: Sammelbegriff für Versuche, entweder Aussagen in einem Fachgebiet auf Aussagen eines Teilgebiets dieses Fachgebiets zurückzuführen oder Aussagen eines Fachgebiets mit Aussagen eines anderen Fachgebiets gleichzusetzen. Dabei geht es vor allem um die Rechtfertigung solcher Übertragungen. Reduktionismus im engeren Sinn ist die These, dass Reduktion möglich ist. Typische Reduktionismen gibt es im Bereich der Philosophie des Geistes. Siehe auch Holismus, Eliminativismus, Materialismus, Physikalismus, Funktionalismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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Richard Rorty
III 52 ff (wo?)
Rechtfertigung: der traditionelle Rechtfertigungsbegriff in der Erkenntnistheorie ist reduktionistisch und atomistisch.> Reduktion.
Reduktionismus/Freud: er erklärt uns nicht, Kunst seit tatsächlich Sublimierung, philosophische Systembildung nur Paranoia oder Religion bloß fehlgeleitete Erinnerung.
IV 48 ff
"Antireduktionismus": Reduktion sei keine Beziehung zwischen ontologischen Kategorien, sondern nur zwischen sprachlichen Gegebenheiten.
a) Wer (sprachlich) von X redet, muss nicht unbedingt von Y reden.
b) Jede Beschreibung in einer X-Terminologie trifft ausschließlich auf Dinge zu, auf die sich auch eine eine Beschreibung in einer Y-Terminologie bezieht. Doch diese Art Reduktion bedeutet nicht, dass "X-Dinge nichts als Y-Dinge" seien.
Es gibt nichts, was dergleichen zeigen könnte. "Ein X ist, was es ist, und kein ander Ding". (Buttler).
Die einzige Möglichkeit, zu zeigen, dass es keine X-Dinge gibt, wäre zu zeigen, dass es keine solchen Sätze gibt! (X und Y nur stilistische Varianten).
Volkspsychologie: wird auch weiterhin das geeignetste Mittel sein, um über uns zu reden. Wir werden "Überzeugungen" und "Wünsche" in unserem Vokabular behalten. Sie sind bewährte Werkzeuge.
VI 138f
Def Reduktionismus/Rorty: es gibt nicht nur ein einziges Netz, sondern auch eine einzige, privilegierte Beschreibung aller Entitäten in diesem Netz. Der Reduktionist glaubt, wir brauchten nicht nur kausale Einheit, sondern auch Einheit der Erklärung: Ein Verfahren um alle Erklärungsversuche kommensurabel zu machen und wahre nomologische Aussagen zu liefern, durch die alle diese Entitäten (Gedanken, Neuronen, Sunden, Hormone, Handlungen und Bewegungen, Personen und Organismen) miteinander verknüpft werden.
RortyVsReduktionismus: wir haben von Davidson gelernt, mit Token-Token-Identitäten zwischen unterschiedlich beschriebenen Gegenständen zufrieden zu sein.
VI 139
Reduktionismus/Rorty: glaubt, dass es nur eine richtige Beschreibung gibt -" damit alle Erklärungen vergleichbar sind.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Ro I
R. Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Ro II
R. Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Ro III
R. Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Ro IV
R. Rorty
Eine Kultur ohne Zentrum Stuttgart 1993

Ro V
R. Rorty
Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1998

Ro VI
R. Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000

> Gegenargumente gegen Rorty
> Gegenargumente zu Reduktionismus

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 25.09.2017