Philosophie Lexikon der Argumente

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Schleuderargument, Philosophie: Ausdruck für eine problematische Schlussfolgerung aus der ursprünglich von G. Frege aufgestellten Annahme, dass die Bedeutung von Sätzen ihre Wahrheitswerte sind. D.h. wahre Sätze bedeuten nach Frege das Wahre. Wenn man nun einzelne Ausdrücke einer Aussage durch Ausdrücke ersetzt, die dieselbe Extension (Bezugsgegenstand) haben, ändert sich der Wahrheitswert nicht. Bei stückweiser Ersetzung kann sich nun jedoch die Bedeutung verändern und letztlich auch der Wahrheitswert. Siehe auch Extension, Wahrheitswerte, Referenz, Koextension, Große Tatsache, Erfüllung, Folgen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

John R. Searle über Schleuderargument – Lexikon der Argumente

III 229ff
Schleuderargument/slingshot argument/Searle: Das Schleuderargument stammt ursprünglich von Frege. Es wurde von Quine gegen die modale Logik verwendet und von Davidson gegen die Korrespondenztheorie wiederbelebt.
III 230
Wenn eine wahre Aussage einer Tatsache korrespondiert, dann korrespondiert sie mit jeder beliebigen Tatsache. Daher ist der Begriff der Korrespondenz vollständig leer. »Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert der Tatsache, dass Gras grün ist".
Analyse: Es gibt einen Unterschied zwischen koreferentiellen singulären Termini und äquivalenten ganzen Sätzen, Bsp ... "x ist identisch mit Diogenes und Schnee ist weiß".
III 231
Lösung/Searle: 1. Irrelevanz: "Diogenes". 2. Logische Äquivalenz von Sätzen bedeutet nicht Identität der entsprechenden Tatsachen. Fazit/Searle: Das Schleuderargument widerlegt nicht die Korrespondenztheorie. >Korrespondenztheorie, >Tatsachen.
III 230
Schleuderargument: Wenn eine wahre Aussage einer Tatsache korrespondiert, dann korrespondiert sie jeder beliebigen Tatsache. Daher ist der Begriff der Korrespondenz vollständig leer.
Bsp Endform: "Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert der Tatsache, dass Gras grün ist."

Schritt 1: Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert der Tatsache, dass Schnee weiß ist.
Schritt 2: a) Die gesamte Aussage bleibt bei der Ersetzung ko-referierender singulärer Termini wahr.
b) Die gesamte Aussage bleibt bei der Ersetzung logisch äquivalenter Sätze wahr.
(Def logisch äquivalent: heißt, in jedem Modell denselben Wahrheitswert zu haben).
Schritt 3: Annahme: Der Satz a) "Schnee ist weiß" ist logisch äquivalent mit dem Satz:
b) "Der x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes) ist identisch mit dem x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes und Schnee ist weiß)."
Schritt 4: Annahme: Der Satz: "Gras ist grün« ist logisch äquivalent mit dem Satz:
"Der x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes) ist identisch mit dem x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes und Gras ist grün)."
III 231
Schritt 5: Annahme: Der Ausdruck "der x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes und Schnee ist weiß)" bezieht sich auf dasselbe Objekt wie der Ausdruck "Der x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes und Gras ist grün)".
Schritt 6: (abgeleitet aus Schritt 1): Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert der Tatsache, dass der x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes) identisch ist mit dem x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes und Schnee ist weiß). (Aus 2b)
Schritt 7: (aus 2a zusammen mit der Koreferenz aus 5): Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert der Tatsache, dass der x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes) ist identisch mit dem x derart, dass (x ist identisch mit Diogenes und Gras ist grün).
Schritt 8: (aus 2b): Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert der Tatsache, dass Gras grün ist.

SearleVsSchleuderargument: Ein Argument dieser Art kann höchstens die Falschheit seiner Voraussetzungen zeigen. Daraus folgen kontraintuitive Konsequenzen.
III 232
Irrelevanz: Die Aussage, dass Schnee weiß ist, korrespondiert keiner Tatsache, die Diogenes betrifft. Auch die Identität von Diogenes (oder die Tatsache, dass 2+ 2 = 4) hat nichts mit dem zu tun, was die Aussage, dass Schnee weiß ist, wahr macht.
Korrespondenztheorie: Einige Autoren machen ihr den Vorwurf der petitio principii.
III 233
Der Vorwurf kann zurückgegeben werden. Es ist eine petitio principii, der Korrespondenztheorie zu unterstellen, sie sei Prinzipien wie 2b unterworfen, wenn keinerlei Argument für die Anwendbarkeit dieses Prinzips gegeben ist.
Logische Äquivalenz: Die Ersetzbarkeit logisch äquivalenter Sätze bedeutet nicht Identität der Tatsachen! Bsp "Die Aussage, dass a, korrespondiert der Tatsache, dass b". Hier kann man b nur dann durch c ersetzen, wenn: Die Tatsache, dass b, ist identisch mit der Tatsache, dass c.
Intensionalität/Searle: der Ausdruck: "Die Tatsache, dass ...." ist vollständig nicht-extensional. (Im Gegensatz dazu ist "X korrespondiert Y" vollständig extensional).
"Die Tatsache, dass..." bewahrt nicht die Selbigkeit des Bezugs unter Ersetzung logisch äquivalenter Sätze. Aber warum sollten Sie auch? Warum sollten Tatsachen, die Schnee betreffen, identisch sein mit Tatsachen, die Diogenes oder sonst irgend jemand betreffen?
III 235
Schleuderargument: Searle: Fazit: Das Schleuderargument widerlegt nicht die Korrespondenztheorie.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Searle I
John R. Searle
Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996

Searle II
John R. Searle
Intentionalität Frankfurt 1991

Searle III
John R. Searle
Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997

Searle IV
John R. Searle
Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982

Searle V
John R. Searle
Sprechakte Frankfurt 1983

Searle VII
John R. Searle
Behauptungen und Abweichungen
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Searle VIII
John R. Searle
Chomskys Revolution in der Linguistik
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Searle IX
John R. Searle
"Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

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