Philosophie Lexikon der Argumente

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Sinn, Philosophie: Sinn ist eine Eigenschaft von Aussagen, die die Feststellung des Wahrheitswerts (wahr oder falsch) grundsätzlich ermöglicht, wenn auch nicht garantiert. Auch falsche Aussagen haben Sinn, sonst könnte ihre Falschheit nicht festgestellt werden. Sinnlos ist demnach, was nicht negiert werden kann. Aussagen über die Zukunft erlauben eine Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten, wenn sie sinnvoll sind ohne einen Wahrheitswert zu haben. Wünsche und Befehle sind sinnvoll und verstehbar, wenn sie in negierbare Aussagesätze umformuliert werden können. Siehe auch Verstehen, Negation, Wahrheitswerte, Verifikation, Bestimmtheit, Unbestimmtheit, Wahrscheinlichkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Paul Ricoeur über Sinn – Lexikon der Argumente

I 18
Sinn/Freud/Psychoanalyse/Sprache/Ricoeur: [die] Dynamik – diese Energetik, ja Hydraulik – des Wunsches und der Verdrängung [äußert] sich nur innerhalb einer Semantik: den »Triebschicksalen«, um einen Freudschen Ausdruck aufzugreifen, ist nur durch die »Sinn-Schicksale« beizukommen. Hierin liegt der tiefe Grund aller Analogien zwischen Traum und Witz, Traum und Mythos, Traum und Kunstwerk, Traum und religiöser »Illusion« etc. All diese »psychischen Produktionen« liegen im Umkreis des Sinns und gehören zu einer einzigen Frage: wie kommt das Wort zum Wunsch?
Wie bringt der Wunsch das Wort Zum Scheitern und scheitert selbst am Sprechen? Dieser neue Ausblick auf die Gesamtheit des menschlichen Sprechens, auf das, was der begehrende Mensch sagen möchte, verleiht der Psychoanalyse einen Anspruch darauf, an der großen Debatte über die Sprache teilzunehmen.
I 19
Als begehrender Mensch schreite ich verkappt einher — larvatus prodeo; und damit ist sogleich die Sprache entstellt: sie will anderes sagen, als sie sagt, sie hat einen doppelten Sinn, ist zweideutig. Der Traum und seine Analoga stehen also in einem Bereich der Sprache, der sich als der Ort komplexer Bedeutungen ankündigt, wo in einem unmittelbaren Sinn ein anderer Sinn sich auftut und zugleich verbirgt; diese Region des Doppelsinns wollen wir Symbol nennen, (...). >Traumdeutung/Ricoeur.
Doppelsinn: Das Problem des Doppelsinns aber ist nicht allein der Psychoanalyse eigentümlich: auch die Phänomenologie der Religion kennt es; die großen kosmischen Symbole, wie Erde, Himmel, Wasser, Leben, Bäume, Steine, und die Mythen, jene absonderlichen Erzählungen
über den Ursprung und das Ende der Dinge, sind ihr tägliches Brot.
In dem Maße nun, wie sie phänomenologisch ist und nicht psychoanalytisch, sind die von ihr untersuchten Mythen, Riten und Glaubensinhalte keine Märchen, sondern eine Art und Weise des Menschen, mit der fundamentalen Wirklichkeit, wie immer sie beschaffen sei, in Beziehung zu treten. >Wünsche/Ricoeur, >Deutung/Ricoeur.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976

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