Philosophie Lexikon der Argumente

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Methode: ein Verfahren, auf das sich Teilnehmer an einer Diskussion oder einem Forschungsvorhaben geeinigt haben. Bei Verstößen gegen eine Methode wird vor allem die Vergleichbarkeit der Ergebnisse angezweifelt, da diese nicht mehr aus einer Menge mit einheitlich definierten Eigenschaften der Elemente stammen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Gadamer I 13
Methode/Geisteswissenschaften/Helmholtz/Gadamer: Es gibt keine eigene Methode der Geisteswissenschaften. Wohl aber kann man mit Helmholtz fragen, wie viel Methode hier bedeutet, und ob die anderen Bedingungen, unter denen die Geisteswissenschaften stehen, für ihre Arbeitsweise nicht vielleicht viel wichtiger sind als die induktive Logik. Helmholtz hatte das richtig angedeutet, wenn er, um den Geisteswissenschaften gerecht zu werden, Gedächtnis und Autorität hervorhob und vom psychologischen Takt sprach, der hier an die Stelle des bewussten Schließens trete. Worauf beruht solcher Takt? Wie wird er erworben? Liegt das Wissenschaftliche der
Geisteswissenschaften am Ende mehr in ihm als in ihrer Methodik?
GadamerVsHelmholtz: Die Antwort, die Helmholtz und sein Jahrhundert auf diese Frage gaben, kann nicht genügen. Sie folgen Kant, indem sie den Begriff der Wissenschaft und der Erkenntnis
am Vorbild der Naturwissenschaften orientieren und die auszeichnende
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Besonderheit der Geisteswissenschaften im künstlerischen Moment (künstlerisches Gefühl, künstlerische Induktion) suchen. Dabei mag das Bild, das Helmholtz von der Arbeit in den Naturwissenschaften gibt, einseitig genug sein, wenn er dort von den »schnellen Geistesblitzen« (also dem, was man Einfälle nennt) nichts hält und nur »die eiserne Arbeit des selbstbewussten
Schließens« in ihnen gewahrt. Er beruft sich auf das Zeugnis John Stuart Mills, wonach »die induktiven Wissenschaften in der neuesten Zeit mehr für die Fortschritte der logischen Methoden getan« hätten, »als alle Philosophen von Fach«(1). Sie sind ihm das Vorbild wissenschaftlicher Methode schlechthin.
Nun weiß Helmholtz, daß für die geschichtliche Erkenntnis eine ganz andersartige Erfahrung bestimmend ist, als diejenige, die der Erforschung der Gesetze der Natur dient. Er sucht daher zu begründen, warum die induktive Methode für die geschichtliche Erkenntnis unter anderen Bedingungen steht als für die Erforschung der Natur. Er bezieht sich zu diesem Zwecke auf die Unterscheidung von Natur und Freiheit, die der kantischen Philosophie zugrunde liegt. Geschichtliche Erkenntnis sei deshalb so andersartig, weil es in ihrem Bereich keine Naturgesetze, sondern freiwillige Unterstellung unter praktische Gesetze, d. h. unter Gebote gebe.
GadamerVsHelmholtz: Dieser Gedankengang ist indessen wenig überzeugend. Weder entspricht
es Kants Intentionen, wenn man eine induktive Erforschung der menschlichen Freiheitswelt auf seine Unterscheidung von Natur und Freiheit gründet, noch entspricht es dem eigenen Gedanken der Logik der Induktion selbst.
Methode/Mill/Gadamer:Da war Mill konsequenter gewesen, indem er das Freiheitsproblem methodisch ausklammerte. Vgl. >Geisteswissenschaften/Mill.


1. H. Helmholtz, Vorträge und Reden, 4. Aufl. I. Bd., Über das Verhältnis der
Naturwissenschaften zur Gesamtheit der Wissenschaften, S. 167 ff.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Helmholtz, Hermann von

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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