Philosophie Lexikon der Argumente

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Verifikationismus, Philosophie: Im engeren Sinn die Auffassung, dass die Bedeutung von Aussagen durch die Methode ihrer Verifikation (ihrer Bestätigung) besteht. Daraus folgt, dass Aussagen, die nicht überprüft werden können, letztlich sinnlos sind. Siehe auch Anti-Realismus, Realismus, Empiristisches Sinnkriterium.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

W.V.O. Quine über Verifikationismus – Lexikon der Argumente

VII (b) 37
Verifikationstheorie der Bedeutung/Peirce/Quine: die Methode der empirischen Ermittlung der Bestätigung oder Widerlegung einer Aussage ist ihre Bedeutung.
Dann ist eine analytische Aussage der Grenzfall, der bestätigt ist, egal, was der Fall ist.
Synonymie liegt dann vor, wenn die Methode der empirischen Bestätigung oder Widerlegung gleich ist.
Dabei geht es dann um kognitive Synonymie von Aussagen, nicht allgemein linguistischer Formen. ((s) Terme unterhalb der Satzebene).

Bedeutung/Term/Cl.Lewis/Quine: Bedeutung eines Ausdrucks: "ein Kriterium im Geist" geistiges Kriterium (criterion in mind) in Bezug auf das man in der Lage ist, den Ausdruck angesichts einer Tatsache anzunehmen oder abzulehnen. (Cl. I. Lewis 1948, S.133).
VII (b) 38
Verifikationstheorie/Verifikationismus/Quine: was sind nun aber die Methoden bzw. die Natur der Relation zwischen einer Aussage und den Erfahrungen, die zur Bestätigung oder Widerlegung beitragen sollen?
1. Naivste Sicht: radikale Reduktion: direkter Bericht. Das geht der eigentlichen Verifikationstheorie lange voraus. (Locke und Hume, Tooke).
Tooke: ein Term sollte der Name eines Sinnesdatums sein oder ein Teil davon, oder eine Abkürzung dafür.
Quine: das ist zwiespältig zwischen:

Sinnesdaten/Quine: können so als a) Ereignis
b) Qualität verstanden werden. Das bleibt vage, was den Beitrag zur ganzen Aussage betrifft.

Verifikationstheorie/Quine: wir nehmen besser ganze Aussagen als Einheiten der Bedeutung,
VII (b) 39
um sie in Sinnesdatensprache zu übersetzen, nicht Ausdruck für Ausdruck.
VII (b) 40
Reduktionismus/Two Dogmas/Quine: 2. Raffiniertere Form: jeder Äußerung ist ein einheitlicher Bereich von möglichen Sinneseindrücken assoziiert, so dass jedes Vorkommnis entweder die Wahrscheinlichkeit (likelihood) der Wahrheit der Aussage vergrößert
VII (b) 41
oder schmälert.
Das ist natürlich in der Verifikationstheorie enthalten.
Quine These: (kommt von Carnaps "Aufbau" her): unsere Aussagen stehen vor dem Tribunal der Erfahrung nicht einzeln, sondern als ganzes Korpus. (>Quine-Duhem-These).

Two Dogmas/Quine: die Verifikationstheorie zeigt uns so die innige Verbindung der beiden Dogmen des Empirismus: 1. analytisch/synthetisch und 2. Reduktionismus.
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X 23
Verifikationstheorie/Peirce/Quine: in etwa: „sag mir, welchen Unterschied die Wahrheit/Falschheit eines Satzes für die mögliche Erfahrung machen würde, und du hast alles über seine Bedeutung gesagt.“.
QuineVsPeirce: auch das setzt den Begriff der Proposition mit dem Begriff der objektiven Information gleich.
Grundordnung: ist hier die Gesamtheit der möglichen Unterscheidungen und Kombinationen von Sinneswahrnehmungen.
Introspektion: einige Erkenntnistheoretiker würden diese Alternativen durch Introspektion der Sinnesdaten katalogisieren, andere (Naturalisten) würde die Nervenreizung (an den Nervenenden) beobachten.
Problem: man kann die Sinnesbelege nicht eindeutig einzelnen Sätzen ((s) Formulierungen) zuordnen. (Unterbestimmtheit der Empirie).
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XI 76
Def Synonymie/Verifikationstheorie/Bedeutung/Lauener: nach der Verifikationstheorie sind zwei Aussagen synonym, wenn die Methode ihrer empirischen Überprüfung dieselbe ist.
Def Analytizität: ist dann der Grenzfall, wo es keine Methode zur Bestätigung braucht.
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XII 11
Verifikationismus/Quine: welchen Status hat er? Letztlich muß auch die Bedeutungstheorie empirisch sein.
Weil Analytizität nicht haltbar ist, ist auch die Verifikationstheorie der Bedeutung nicht haltbar.
XII 96
Verifikationstheorie/Quine: der Wiener Kreis trat nicht nachdrücklich genug für die Verifikationstheorie ein.
Problem: viele Sätze sind theoretisch.
Damit hat der Begriff des Sachverhalts keine Bedeutung!
Sachverhalt/QuineVsSachverhalt/QuineVsWittgenstein: der Begriff hat keine Bedeutung, weil die meisten Sätze theoretisch sind (außer den reinen Beobachtungssätzen).
Aber das ist kein Problem für die Verifikationstheorie der Bedeutung.
Verifikationstheorie der Bedeutung/Quine: pro: die Art von Bedeutung, die für Sprachlernen und Übersetzung notwendig ist, ist die empirische Bedeutung und nichts weiter.
XII 105
Erkenntnistheorie/Quine: wird damit zur Semantik. Aber sie dreht sich auch jetzt noch um Beobachtung (wegen der Verifikationstheorie der Bedeutung).
Wenn wir über Beobachtungssätze hinausgehen, verschmilzt die Eerkenntnistheorie mit der Psychologie und der Linguistik.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987

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> Gegenargumente zu Verifikationismus

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