Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Gadamer I 58
Genie/Kunst/Kant/Gadamer: Die Irrationalität des Genies macht (...) ein Moment produktiver Regelschöpfung namhaft, das für den Schaffenden wie für den Genießenden gleichartig zur
Ausweisung kommt. Es gibt dem Werk der schönen Kunst gegenüber keine Möglichkeit, seinen Gehalt anders zu ergreifen als in der einmaligen Gestalt des Werks und in dem von keiner Sprache je völlig erreichbaren Geheimnis seines Eindrucks. Der Begriff des Genies entspricht daher dem, was Kant am ästhetischen Geschmack als das Entscheidende ansieht, nämlich das erleichterte
Gadamer I 59
Spiel der Gemütskräfte, die Steigerung des Lebensgefühls, die sich aus der Zusammenstimmung von Einbildungskraft und Verstand erzeugt und angesichts des Schönen zum Verweilen einlädt. Genie ist vollends eine Erscheinungsweise dieses belebenden Geistes. Gegenüber der starren Regelhaftigkeit der Schulmeisterei beweist das Genie freien Schwung der Erfindung und damit musterbildende Originalität.(1)
Gadamer I 59
Geschmack/Genie: zu Verhältnis von Geschmack und Genie: (...) grundsätzlich steht der Geschmack auf demselben Grunde mit dem Genie. Die Kunst des Genies besteht darin, das freie Spiel der Erkenntniskräfte mitteilbar zu machen. Das leisten die ästhetischen Ideen, die es erfindet. Mitteilbarkeit des Gemütszustandes, der Lust, kennzeichnete aber auch das ästhetische Wohlgefallen des Geschmacks. Er ist ein Vermögen der Beurteilung, also ein Reflexionsgeschmack, aber das, worauf er reflektiert, ist nur jener Gemütszustand der Belebung der Erkenntniskräfte, der sich ebenso wohl am Naturschönen wie am Kunstschönen ergibt. Die systematische Bedeutung des Geniebegriffs ist dagegen auf den Sonderfall des Kunstschönen beschränkt, die Reichweite des Geschmacksbegriffs ist universal.
Psychologie/Genie/Kant/Gadamer: Kant macht den Geniebegriff ganz und gar seiner transzendentalen Fragestellung dienstbar und gleitet nicht in die empirische Psychologie ab.
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Genie/Kant/Gadamer: Das Genie ist ein Günstling der Natur - ähnlich wie die Naturschönheit als eine Gunst der Natur angesehen wird. Schöne Kunst muss als Natur anzusehen sein. Durch das Genie gibt die Natur der Kunst die Regel. In all diesen Wendungen(2) ist der Naturbegriff der unangefochtene Maßstab. >Ästhetische Erfahrung/Kant.
Gadamer I 63
Der kantische Satz „Schöne Kunst
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ist Kunst des Genies“ wird (...) zum transzendentalen Grundsatz für die Ästhetik überhaupt. Ästhetik ist am Ende nur als Philosophie der Kunst möglich.
Gadamer I 65
(...) Kants wesentliches Anliegen, eine autonome, vom Maßstab des Begriffs befreite Grundlegung der Ästhetik zu leisten und die Frage nach der Wahrheit im Bereiche der Kunst überhaupt nicht zu stellen, sondern das ästhetische Urteil auf das subjektive Apriori des Lebensgefühls, die Harmonie
unseres Vermögens zur „Erkenntnis überhaupt“zu begründen, die das gemeinsame Wesen von Geschmack und Genie ausmacht, [kam] dem Irrationalismus und dem Geniekult des 19. Jahrhunderts entgegen. Kants Lehre von der „Steigerung des Lebensgefühls“ im ästhetischen Wohlgefallen förderte die Entfaltung des Begriffes „Genie“ zu einem umfassenden Lebensbegriff, insbesondere nachdem Fichte den Standpunkt des Genies und der genialen Produktion zu einem universalen transzendentalen Standpunkt erhoben hatte. So kam es, daß der Neukantianismus, indem er alle gegenständliche Geltung aus der transzendentalen Subjektivität abzuleiten suchte, den Begriff
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des Erlebnisses als die eigentliche Tatsache des Bewusstseins auszeichnete. >Erlebnis/Gadamer.


1. Vgl. Kant, Kritik der Urteilskraft § 46.
2. Ebenda S. 181


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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