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Luk��cs über ��sthetische Erfahrung - Lexikon der Argumente

Gadamer I 100
Ästhetische Erfahrung/Erlebniskunst/Subjekt-Objekt-Problem/Ästhetik/Lukács/Gadamer: Ausgangsproblem: für Valéry(1) hat jede Begegnung mit dem Werk den Rang und das Recht einer neuen Produktion.
Gadamer: Problem: Das scheint mir ein unhaltbarer hermeneutischer Nihilismus. Denn nun überträgt er dem Leser und Ausleger die Vollmacht des absoluten Schaffens, die er selber nicht ausüben will.
Ästhetisches Erlebnis/Gadamer: Die gleiche Aporie ergibt sich, wenn man statt von dem Begriff des Genies von dem Begriff des ästhetischen Erlebnisses ausgeht.
Gadamer I 101
Lukacs(2): spricht der ästhetischen Sphäre eine heraklitische Struktur zu und will damit sagen:
Die Einheit des ästhetischen Gegenstandes ist gar keine wirkliche Gegebenheit. Das Kunstwerk ist nur eine Leerform, der bloße Knotenpunkt in der möglichen Mehrheit von ästhetischen Erlebnissen, in denen allein der ästhetische Gegenstand da ist. Wie man sieht, ist absolute Diskontinuität, d. h. Zerfall der Einheit des ästhetischen Gegenstandes in die Vielheit von Erlebnissen, die notwendige Konsequenz der Erlebnisästhetik.
Oskar Becker: An die Idee von Lukacs anknüpfend hat Oskar Becker geradezu formuliert: »Zeitlich angesehen ist das Werk nur einem Augenblick (d. h. jetzt), es ist „jetzt“ dies Werk und ist es schon jetzt nicht mehr!“(3)
Gadamer: Das ist in der Tat konsequent. Die Grundlegung der Ästhetik im Erlebnis führt zur absoluten Punktualität, die die Einheit des Kunstwerks ebenso aufhebt, wie die Identität des Künstlers mit sich selbst und die Identität des Verstehenden bzw. Genießenden.(4)
KierkegaardVsErlebniskunst/Gadamer: Wie mir scheint, hat schon Kierkegaard die Unhaltbarkeit dieser Position bewiesen, indem er die zerstörerische Konsequenz des Subjektivismus erkannte und als erster die Selbstvernichtung der ästhetischen Unmittelbarkeit beschrieb. Seine Lehre vom ästhetischen Stadium der Existenz ist vom Standpunkte des Ethikers aus entworfen, dem die Heillosigkeit und Unhaltbarkeit einer Existenz in reiner Unmittelbarkeit und Diskontinuität aufgegangen ist. Vgl. >Erlebniskunst.


1. P. Valéry, Variété Ill, Commentaires de Charmes: »Mes vers ont le sens qu'on leur prete«.
2. G. Lukács, „Die Subjekt-Objekt-Beziehung in der Ästhetik“, In: „Logos“, Bd. Vll., 1917/18.
3. Oskar Becker, Die Hinfälligkeit des Schönen und die Abenteuerlichkeit des Künstlers, Husserl-Festschrift, 1928, S. 51. Jetzt in O. Becker, Dasein und Dawesen. Pfullingen 1963, S. 11-401.
4. Schon bei K. Ph. Moritz, Von der bildenden Nachahmung des Schönen, 1788, S. 26
lesen wir: »Das Werk hat seinen höchsten Zweck in seiner Entstehung, in seinem Werden
schon erreicht. «


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Lukács, Georg

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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