Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I 182ff
Wahrheit/Frege/Brandom: ist undefinierbar! - Die Richtigkeit von Inferenzen wird nicht durch etwas Grundlegenderes erklärt, die Kraft des Urteiles wird nicht dadurch erklärt, dass sie explizit von einem Satz sagen würde, er sei wahr. - Inferenz: es gibt auch Fehlschlüsse aufgrund von Irrelevanz.
I 224
Wahrheit/Brandom: die Einteilung in wahre und falsche Sätze hängt mit den Zielen zusammen, für die man die Sprache gebrauchen möchte - philosophische Semantik: hat mit Praxis zu tun. - "Pferd" bedeutet nur in einer Praxis etwas.
I 226
Grice: Gehalte durch Absicht.
I 410
Wahrheit/Referenz/Brandom: die expressive Funktion von "wahr" und "bezieht sich auf" ist unvereinbar mit der explanatorischen Funktion, die diesen Ausdrücken in den traditionellen Theorien zugewiesen wird.
I 412
Wenn die expressive Rolle richtig verstanden ist, kann man Repräsentation nicht mehr als Grundbegriff akzeptieren
I ~463
Wahrheit/Referenz/Brandom: man kann mit rein linguistischem Ansatz Behauptungen über extralinguistische referentielle Relationen machen - Wahrheit soll nicht eine Relation zwischen Ausführungen und Ggst sein - neu: anaphorisch indirekte Beschreibungen - Wort-Wort-Relation
I 461ff
Wahrheit/Brandom: keine Relation - Wahrheit keine Eigenschaft, grammatische Missverständnisse, philosophische Fiktionen - statt dessen: anaphorische Analyse - "wahr" hat bloß oberflächlich Prädikatform. - BrandomVsFrege: falsche Suche nach "gemeinsamer Eigenschaft" wahrer Sätze - Lösung: expressive Kraft von "wahr" entscheidet, ob Zuschreibung zu recht erfolgt.
I 468
Wahrheit/Brandom: "ist wahr" ist Prosatz-bildender Operator, keine Prädikat, Wahrheit keine Eigenschaft.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Bra I
R. Brandom
Expressive Vernunft Frankfurt 2000

Bra II
R. Brandom
Begründen und Begreifen Frankfurt 2001

> Gegenargumente gegen Brandom
> Gegenargumente zu Wahrheit



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 28.06.2017