Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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Bertrand Russell
Horwich I 4
Wahrheit/Russell: es gibt wohl objektive Wahrheiten als Objekte der Urteile, nicht aber objektive Falschheiten - a) falsch: Urteil als Relation zu einem einfachen Objekt: Bsp dass Charles I auf dem Schafott starb - geht nicht im Fall von falschen Urteilen.
b) zu einem Komplex: (Russell pro):
I 9
Wahrheit/Russell: besteht dann, wenn die Objekten untereinander die Relation haben, die im Urteil behauptet wird - I 11 dass ein Urteil gefällt wird, ändert nichts an den Objekten - so wird Falschheit möglich.
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Russell VII 64
Wahrheit/Russell: kann es nur geben, wenn es auch Meinungen gibt - aber sie hängt nicht von den Meinungen ab.
IV 127
RussellVsHegel: eine Wahrheit über ein Ding ist nicht Teil des Dings selbst, obgleich sie zu seinem "Wesen" gehören muss. - wenn das Wesen eines Dings alle Wahrheiten sein soll, dann können wir das "Wesen" nicht erkennen, bevor wir seine sämtlichen Beziehungen zu allen anderen Dingen im Universum kennen - aber wenn wir das Wort "Wesen" in diesem Sinne brauchen, müssen wir behaupten, dass ein Ding erkannt werden kann, auch wenn sein "Wesen" unbekannt ist - oder unvollständig bekannt ist.
Widerspruch: das bringt Erkenntnis von Dingen und Erkenntnis von Wahrheit durcheinander - Bekanntschaft impliziert nicht Kenntnis des Wesens. - (> Naturalistischer Fehlschluss). - Daher können wir nicht beweisen, dass das Universum ein harmonisches Ganzes ist.
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Tugendhat III 214
Wahrheit/Russell: früh: Sache der Überzeugung und eine Reaktionsdisposition, in der Nähe von B mit "B" zu reagieren. - (Quine, Reizbedeutung).
TugendhatVsRussell: weder Reaktion noch auslösendes Zeichen sind wahr/falsch, weil hier keine Annahme vorliegt, dass etwas so oder so sei - daher ist kein Irrtum möglich.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

R I
B. Russell/A.N. Whitehead
Principia Mathematica Frankfurt 1986

R II
B. Russell
Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989

R IV
B. Russell
Probleme der Philosophie Frankfurt 1967

R VI
B. Russell
Die Philosophie des logischen Atomismus
In
Eigennamen, U. Wolf (Hg), Frankfurt 1993

R VII
B. Russell
Wahrheit und Falschheit
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg), Frankfurt 1996

Hor I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994

R VII
B. Russell
Wahrheit und Falschheit
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg), Frankfurt 1996

Tu I
E. Tugendhat
Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976

Tu II
E. Tugendhat
Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 18.11.2017