Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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K.Glüer Davidson zur Einführung Junius Hamburg, 1993 S. 22
Das in der Metasprache (MS) definierte W-Prädikat kann in die Objektsprache zurückübersetzt werden und der Zustand vor Eliminierung des "wahr" wiederhergestellt werden. - Objekt- und Metasprache sollen das Prädikat wahr enthalten! - Davidson kann jedoch dem Dilemma ausweichen, indem er erst gar keine Definition aufstellt. Er nennt das eine "Wahrheitsdefinition im Stile Tarskis" im folgenden "W-Theorie" genannt.
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Rorty IV 22
Wahr/Tarski: die Äquivalenzen zwischen den beiden Seiten der W-Sätze entsprechen keiner Kausalbeziehung! Davidson: es gibt keine Möglichkeit die wahren Sätze der Art zu unterteilen, dass die auf der einen Seite "Faktisches" ausdrücken, während die auf der anderen Seite es nicht tun.
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Berka I 396
Wahrheit/Tarski: wir gehen von der klassischen Korrespondenztheorie aus. - I 399 Wahrheit deuten wir so: wir wollen alle Sätze als gültig ansehen, die dem Tarski-Schema entsprechen - diese sind Teildefinitionen des Wahrheitsbegriffs. - Sachlich zutreffend: ist die W-Def, wenn wir imstande sind, alle erwähnten Teildefinitionen aufgrund der Metasprache zu beweisen.
Berka I 475
W-Def/Wahrheit/Tarski: falsch: anzunehmen, es sei eine wahre Aussage nichts anderes als ein beweisbarer Satz. - Das ist rein strukturell - Problem: keine W-Def darf dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten (SaD) widersprechen - Pointe: dieser hat aber im Gebiet der beweisbaren Sätze keine Geltung! - Bsp es kann zwei sich widersprechende Aussagen geben, die nicht beweisbar sind - alle beweisbaren Aussagen sind zwar inhaltlich wahr-. Die W-Def muss aber auch die nicht-beweisbaren Sätze enthalten!
Berka I 482
Def wahre Aussage/Tarski: x ist eine wahre Aussage (Schreibweise x ε Wr gdw. x ε AS (= sinnvolle Aussage)) und wenn jede unendliche Folge von Klassen x erfüllt. - Das liefert kein Wahrheitskriterium - kein Problem: dennoch wird der Sinn von "x ε Wr" ( x gehört zur Klasse der wahren Aussagen ) verständlich und eindeutig.
I 486
Relative Wahrheit/Richtigkeit im Bereich/Tarski: spielt eine viel größere Rolle als der (Hilbertsche) Begriff der absoluten Wahrheit, von dem bisher die Rede war - dann modifizieren wir Def 22 (rekursive Erfüllung) und 23 (Wahrheit). - Als abgeleitete Begriffe werden wir den Begriff der Aussage, die a) in einem Individuenbereich mit k Elementen richtig ist und - b) der Aussage, die in jedem Individuenbereich richtig ist, einführen.
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Horwich I 111
Wahrheit/Tarski: ist eine Eigenschaft von Sätzen - bei der Erklärung referieren wir aber auf "Tatsachen". - (Anführungszeichen von Tarski).
Horwich I 124
Wahrheit/wahr/Eliminierbarkeit//Tarski: ist nicht eliminierbar bei Allaussagen. - Wenn ausgedrückt werden soll, dass alle wahren Sätze eine bestimmte Eigenschaft haben. - Bsp Alle Konsequenzen aus wahren Sätzen sind wahr. - Auch nicht eliminierbar: in Partikularaussagen der Form "X ist wahr": Bsp der erste Satz den Platon schrieb, ist wahr. - Weil wir nicht genug historisches Wissen haben. - ((s) Die Kennzeichnung "der erste Satz..." ist hier der Name des Satzes. - Dieser kann nicht in den Satz selbst umgewandelt werden. Eliminierbarkeit: aus Definition ist eine ganz andere als aus Redundanz.
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Tarski I 156
Def Wahrheit/Tarski: eine Aussage ist wahr, wenn sie von allen Gegenständen erfüllt wird, sonst falsch.
I 158
Wahrheit/Tarski: mit unserer Definition können wir den (semantischen, nicht logischen) Satz vom Widerspruch und den Satz vom ausgeschlossenen Dritten beweisen. - Die Aussagenlogik beinhaltet den Term wahr überhaupt nicht. - Wahrheit fällt fast nie mit Beweisbarkeit zusammen - Alle beweisbaren Aussagen sind wahr, aber es gibt. wahre A, die nicht beweisbar sind. - Solche Disziplinen sind konsistent aber unvollständig (Gödel). - Es gibt sogar ein Paar kontradiktorischer Aussagen, von denen keine beweisbar ist.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Tarsk I
A. Tarski
Logic, Semantics, Metamathematics: Papers from 1923-38 Indianapolis 1983

Ro I
R. Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Ro II
R. Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Ro III
R. Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Ro IV
R. Rorty
Eine Kultur ohne Zentrum Stuttgart 1993

Ro V
R. Rorty
Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1998

Ro VI
R. Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000

Brk I
K. Berka/L. Kreiser
Logik Texte Berlin 1983

Hor I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994

Tarsk I
A. Tarski
Logic, Semantics, Metamathematics: Papers from 1923-38 Indianapolis 1983

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