Philosophie Lexikon der Argumente

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Sinn, Philosophie: Sinn ist eine Eigenschaft von Aussagen, die die Feststellung des Wahrheitswerts (wahr oder falsch) grundsätzlich ermöglicht, wenn auch nicht garantiert. Auch falsche Aussagen haben Sinn, sonst könnte ihre Falschheit nicht festgestellt werden. Sinnlos ist demnach, was nicht negiert werden kann. Aussagen über die Zukunft erlauben eine Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten, wenn sie sinnvoll sind ohne einen Wahrheitswert zu haben. Wünsche und Befehle sind sinnvoll und verstehbar, wenn sie in negierbare Aussagesätze umformuliert werden können. Siehe auch Verstehen, Negation, Wahrheitswerte, Verifikation, Bestimmtheit, Unbestimmtheit, Wahrscheinlichkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Leopold von Ranke über Sinn – Lexikon der Argumente

Gadamer I 210
Sinn/Geschichte/Wirken/Ranke/Gadamer: Was geworden ist, ist nicht einfach umzustoßen.
Insofern ist es »die Grundlage aller neu emporkommenden Tätigkeit«(1), wie Ranke sagt, und ist doch selbst durch Tätigkeit Gewordenes. Indem das Gewordene als Grundlage beharrt, formt es die neue Tätigkeit in die Einheit eines Zusammenhangs ein. Ranke sagt: »Das Gewordene konstituiert den Zusammenhang mit dem Werdenden«.
Gadamer: Dieser sehr unklare Satz will offenbar ausdrücken, was die geschichtliche Wirklichkeit ausmacht: dass das Werdende zwar frei ist, aber die Freiheit, aus der es wird, jeweils durch das
Gewordene, d. h. die Umstände, in die sie hineinwirkt, ihre Begrenzung findet. Die von den Historikern gebrauchten Begriffe wie Kraft, Macht, bestimmende Tendenz usw. wollen alle das Wesen des geschichtlichen Seins sichtbar machen, indem sie implizieren, dass die Idee in der Geschichte
Gadamer I 211
immer nur eine unvollständige Repräsentation findet. Nicht die Pläne und Ansichten der Handelnden stellen den Sinn des Geschehens dar, sondern die geschichtlichen Wirkungen, die die geschichtlichen Kräfte erkennbar machen. Die geschichtlichen Kräfte, die die eigentlichen Träger der geschichtlichen Entwicklung bilden, sind nicht wie die monadische Subjektivität des Individuums. Alle Individuation ist vielmehr selbst schon durch die entgegenstehende Realität mitgeprägt, und eben deshalb ist Individualität nicht Subjektivität, sondern lebendige Kraft. Auch die Staaten sind für Ranke solche lebendigen Kräfte. Er sagte von ihnen ausdrücklich, sie seien nicht „Abteilungen des Allgemeinen“ sondern Individualitäten, „reale geistige Wesen“.(2) Ranke nennt sie “Gedanken Gottes“ um damit anzuzeigen, dass es die eigene Lebenskraft dieser Gebilde ist, die sie wirklich sein lässt, und nicht irgendein menschliches Setzen und Wollen oder ein von Menschen einsehbarer Plan.


1. Ranke, Weltgeschichte IX, Xlllf.
2. Ranke, Das politische Gespräch (ed. Rothacker), S. 19, 22, 25.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Ranke, Leopold von

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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