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Thomas J. Miceli über Coase-Theorem – Lexikon der Argumente

Parisi I 19
Coase-Theorem/Miceli: Die ursprüngliche Motivation von Coase, seine bahnbrechende Arbeit über Externalitäten(1) zu schreiben, war es, eine Kritik an der Pigou'schen Sichtweise anzubieten, die behauptete, dass irgendeine Form von staatlicher Intervention (Steuern, Bußgelder oder Haftung) erforderlich sei, um externe Schäden zu internalisieren, wie z.B. die, die durch streunendes Vieh oder Eisenbahnfunken verursacht werden.
Verursachung/Pigou: Ohne ein solches Eingreifen, so die Pigou'sche Sichtweise, würde die "Ursache" des Schadens (der Viehzüchter oder die Eisenbahn) die schädliche Aktivität übermäßig ausüben bzw. verursacht werden.
CoaseVsPigou: Coase stellte diese Ansicht in Frage, indem er zunächst feststellte, dass die Verursachung in dem Sinne reziprok ist, dass sowohl der Schädiger als auch das Opfer vorhanden sein müssen, damit ein Unfall eintritt. Die Bezeichnung einer Partei als "Schädiger" ist daher willkürlich und stellt in Wirklichkeit eine implizite Zuerkennung des Rechts auf Schadensfreiheit an die andere Partei (das "Opfer") dar.
Pigou'sche Sichtweise: (...) der Landwirt hat das Recht, frei von Ernteschäden zu sein - sei es durch verirrtes Vieh oder durch Funkenflug - und deshalb sollte der Viehzüchter oder die Eisenbahn gezwungen werden, die Kosten des Landwirts zu tragen.
Problem: (...) Nehmen wir an, der geschädigte Landwirt ist in einer besseren Position, um den Schaden zu vermeiden, z. B. indem er seine Ernte verlagert oder sich gar nicht erst in der Nähe der Bahnlinie oder der Viehfarm ansiedelt. In diesem Fall kann die Benennung des Viehzüchters/der Eisenbahn als Schädiger tatsächlich die Identifizierung effizienterer Wege zur Vermeidung des Schadens ausschließen. Coase ging es bei der Frage nach der Verursachung darum, die Bedingungen zu bewerten, unter denen eine gerichtlich angeordnete Haftung erforderlich ist, um den externen Schaden zu internalisieren. Nehmen wir zum Beispiel an, dass das Gericht im Streit zwischen Viehzüchter und Landwirt nicht eingreift und dem Viehzüchter die Haftung zuweist. Bedeutet das zwangsläufig, dass die Herde des Viehzüchters ineffizient expandieren wird?
Grenznutzen/Marginalkosten: Die Antwort ist natürlich nein, vorausgesetzt, dass die Parteien verhandeln können, denn wenn das Verhandeln möglich ist, könnte der Bauer den Viehzüchter bestechen, um die Herde bis zu dem Punkt zu reduzieren, an dem der Grenznutzen der letzten Kuh den Grenzkosten entspricht. In diesem Fall gehören die Eigentumsrechte an den streunenden Rindern effektiv dem Viehzüchter, und der Farmer muss sie "kaufen", was er bis zu dem Punkt tun wird, an dem die beiden Parteien die letzte Kuh gleich bewerten.
VsPigou'sche Ansicht: Beachten Sie, dass dies das Gegenteil von dem ist, was bei der Pigou'schen Lösung passiert, bei der dem Farmer (implizit) Rechte an den streunenden Rindern zugesprochen werden und der Viehzüchter sie durch Zahlung des gerichtlich auferlegten Schadensersatzes kaufen muss.
Effizienz: In beiden Fällen wird das Ergebnis jedoch effizient sein.
Coase: Diese Schlussfolgerung - dass die anfängliche Zuweisung von Eigentumsrechten keinen Einfluss auf die endgültige Verteilung der Ressourcen hat, die effizient ist - ist das Coase-Theorem.
Externe Kosten: [Schlüsselpunkt]: Wenn die Bedingungen für das Coase-Theorem erfüllt sind - d.h. wenn Verhandlungen möglich sind -, hat die Zuweisung von Haftung für externe Schäden keine Auswirkungen auf die Effizienz, weil die Parteien jede anfängliche Zuweisung von Rechten bis zu dem Punkt umgestalten werden, an dem die Gewinne aus dem Handel erschöpft sind. In diesem Sinne spielt das Recht keine Rolle für die Effizienz (obwohl es die Verteilung des Wohlstands beeinflusst).*
Gesetz: Wenn keine Verhandlungen möglich sind, spielt das Gesetz dagegen eine Rolle, weil die Parteien nicht in der Lage sind, ineffiziente Rechtszuweisungen neu zu regeln. Folglich muss das Recht mit dem expliziten Ziel der Effizienz gestaltet werden. Auf diese Weise definiert das Coase-Theorem den effizienten Spielraum für rechtliche Eingriffe (Demsetz, 1972)(2). >Haftung/Calabresi/Melamed.


* Die Schlussfolgerung, dass die effiziente Allokation von Ressourcen unabhängig von der anfänglichen Zuweisung von Eigentumsrechten erreicht wird, spiegelt den ersten Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie wider, der besagt, dass der Marktaustausch unabhängig von der anfänglichen Zuweisung von Eigentumsrechten effizient sein wird. Das Coase-Theorem zeigt also, dass Externalitäten dieses Ergebnis nicht ausschließen müssen, solange die Verhandlungskosten niedrig sind. Vgl. >Haftung/Calabresi/Melamed.


1. Coase, Ronald (1960). “The Problem of Social Cost.” Journal of Law and Economics 3: 1–44.
2. Demsetz, Harold (1972). “When Does the Rule of Liability Matter?” Journal of Legal Studies 1: 13 - 28.


Miceli, Thomas J. „Economic Models of Law“. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Miceli, Thomas J.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017

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