Philosophie Lexikon der Argumente

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Referenz, Philosophie: Mit Referenz wird a) die Relation zwischen einem Ausdruck und einem oder mehreren Gegenständen also die Bezugnahme oder b) der Gegenstand (Bezugsgegenstand) selbst gemeint. Terminologische Verwirrung entsteht leicht dadurch, dass der Autor, auf den dieser Begriff letztlich zurückgeht - G. Frege - von Bedeutung sprach (im Sinn von „auf etwas deuten“). Man nennt Referenz daher manchmal auch Fregesche Bedeutung im Gegensatz zu Fregeschem Sinn, der das bezeichnet, was wir heute Bedeutung nennen. Siehe auch Bedeutung, Sinn, Intension, Extension.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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Colin Allen und Eric Saidel Die Evolution der Referenz in D. Perler/M. Wild (Hg.) Der Geist der Tiere, Frankfurt 2005

Perler I 334
Referenz/Sprache/Allen: These: Referenz ist älter als andere Eigenheiten der Sprache.
I 336
Referenz/Tier/Sprache/Allen/Saidel: die Vertreter der Trennung von Mensch und Tier wollen zeigen, dass die angebliche Referenz von Tiersignalen durch Kriterien bewertet werden, die nicht auf den referentielle Gebrauch der menschlichen Sprache anwendbar sind.
Und zwar ein Kriterium, das auch der homo javaniensis erfüllen würde: aber das wiederum moderne menschliche Sprachen nicht erfüllen: Reizspezifität!
Pointe: tierische Referenz soll durch Anwesenheit des Referenten bestätigt werden, während für menschliche Referenz die Abwesenheit charakteristisch ist!
I 337
I 338
Wenn hinweisende Definition notwendig ist beim Sprachlernen, wiederholt dann die Ontogenese die Phylogenese? Haben Tiere eine Blockweltsprache (Wittgenstein, PU)? Und wäre das ein erster Schritt in der Entwicklung der menschlichen Sprache?
I 339
Tier/Sprache/Referenz/Allen/Saidel: Bsp Seyfarth, Warnrufe von Meerkatzenjungen müssen von den Erwachsenen bestätigt (wiederholt) werden, damit sie von den anderen ernstgenommen werden.
I 341
Referenz/Sprache/Tier/Allen/Saidel: in wieweit kann die Referenz auf abwesende Gegenstände ausgeweitet werden?
Drei Arten:
1. mimetische Referenz: das Signal sieht dem Referenten sehr ähnlich. Dawkins/Krebs: wesentlicher Teil bei Tieren:
I 342
Versuch, die Muskelkraft anderer für die eigenen Ziele zu nutzen!
I 343
2. stellvertretende Referenz: Signale fungieren als Stellvertreter ihrer Referenten. Sie lösen dieselbe Reaktion aus wie dieser, aber mit einem anderen kognitiven Mechanismus. Zahlreich bei Vögeln und Säugetieren. Referenz auf Abwesendes.
I 344
Geht auch bei Einschränkung auf eine Blockweltsprache.
3. begriffliche Referenz: tritt auf, wenn Signale auf äußere Bedingungen referieren können, ohne dass das normalerweise Reaktionen auslöst, die die Referenten selbst auslösen würden. Bsp die Schilderung eines herrlichen Sonnenuntergangs ist nicht informativ, sondern stellt den Sprecher als Romantiker dar.
I 345
Stellvertretende und begriffliche Referenz erfordern die Fähigkeit, eine arbiträre Verbindung herzustellen. Es ist ökologisch oft nicht ratsam, ein solche Verbindung fest zu verdrahten.
I 345
Referenz/Allen/Saidel: These: Referenz auf Verhaltensweisen ist sowohl phylogenetisch als auch ontogenetisch grundlegender als Referenz auf Gegenstände.
I 346
Bewegungen werden schon von Kleinkindern aufmerksamer verfolgt als Statisches.
I 347
Bsp Meerkatzen: hier gibt es einen Warnruf "Grunzer eines Tiers, das sich auf offenes Gelände begibt". Es wäre ein Rätsel, wenn das auf Gegenstände eingeschränkt wäre. Es gibt keinen einzelnen Gegenstand, der damit dargestellt wird.
I 348
Bsp Meerkatzen: Fehler bei Warnrufen treten typischerweise auf, wenn harmlose Vögel rasch vom Himmel herabstoßen. Also Bewegung vor Gegenstand.

Tie I
D. Perler/M. Wild (Hg)
Der Geist der Tiere Frankfurt 2005

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 23.05.2017