Philosophie Lexikon der Argumente

Suche  
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
Bücher bei Amazon
Metzinger II 65
Gehirn/Bieri: Bsp Angenommen, es gibt einen Fremdenführer durch unser Gehirn, der uns bei einer Besichtigung alles erklärt.
"Es ist eine Gesetzmäßigkeit der Natur, dass dann, wenn hier bestimmte Prozesse ablaufen, der Mensch eben bestimmte Dinge empfindet".
Bieri: das ist gar nicht unser Problem, wir bezweifeln nicht. dass es Gesetzmäßigkeiten und Notwendigkeiten gibt. Was wir nicht verstehen ist, warum es sie gibt. Wir können nicht erkennen, was im Gehirn es notwendig macht, dass der Mensch etwas erlebt.
Der Fremdenführer fragt, was wollen sie wissen? a) warum ein bestimmtes Geschehen hier drin gerade dieses Erleben nach sich zieht, oder b)warum sich überhaupt ein Erlebnis einstellt?
Bieri: bei den beiden Fragen handelt es sich um ein und dasselbe Problem!
II 69
Gehirn/Bewusstsein/Bieri: unser Führer könnte uns einen detaillierten Schaltplan des Gehirns überreichen. "funktionale Architektur"., "Sie könnten auch mit einem anderen Material verwirklicht werden". (Turing Maschine).
Also:
II 70
Zwischen Funktion und Erlebnisqualität gibt es nicht mehr inneren Zusammenhang als
zwischen materieller Struktur und Erlebnisqualität.
Fremdenführer: "man darf das Gehirn nicht isoliert vom Körper betrachten"
Bieri: dann könnte man VsLeibniz sagen:
1. das Geschehen in der "Fabrik" bekommt einen kognitiven Gehalt dadurch, dass es gesetzmäßig mit Geschehnissen draußen verknüpft ist, die es kraft dieser Verknüpfung repräsentiert
2. dadurch, dass das fragliche Geschehen dem ganzen Menschen zu einem situationsangemessenen Verhalten verhilft.
Aber: unser Problem ist ja nicht Bedeutung, nicht kognitiver Gehalt, sondern Erlebnisgehalt!
Metzinger II 71
Gehirn/Bewusstsein/Erleben/Bieri : können wir uns nicht mit dem zufrieden geben, was wir haben: Kovarianz, Abhängigkeit, Determination?
Nein: wenn wir das fragliche Verstehen nicht erreichen, dann verstehen wir auch nicht, wie unser Erleben in unserem Verhalten kausal wirksam werden kann, damit verstehen wir unser eigenes Subjektsein nicht.
Das physiologische Geschehen ist kausal lückenlos. Es gibt in dem Uhrwerk keine Stelle, an der Episoden des Erlebens nötig wären, damit es weiterläuft.
D.h. es gibt eine vollständige komplette Kausalerklärung für alles, was in unserem Gehirn stattfindet, in der wir als Subjekte bzw. Menschen überhaupt nicht vorkommen!
Daher scheint das Bewusstsein ohne Bedeutung für irgendeine Verursachung zu sein. Es könnte ebenso gut fehlen, und wir würden genauso durch die Welt stolpern, wie wir es tun.
((s) Wir müssten das Bewusstsein an irgendetwas anderem erkennen).
Unser gesamtes Verhalten könnte entfremdet sein. Das kann wegen der kausalen Lückenlosigkeit nicht ausgeschlossen werden.
II 72
Kausalität/Bieri: wenn wir sie rein physiologisch aufbauen, wissen wir, wie wir sie fortsetzen können, d.h. immer kleinteiliger werden.
Das geht aber nicht, wenn die Erklärung mit einem Erlebnis beginnt. Dann müssen wir irgendwo auf die physiologische Ebene wechseln. Aber dann haben wir das Thema gewechselt!
II 74
Gehirn/Bieri: das Problem ist nicht, dass wir in der "Fabrik" etwas nicht sehen. Daraus könnte man nun folgern, dass es an irgendetwas anderem liegt...
Vs: es ist aber nichts anderes denkbar! Aber das ist ja gerade die Hypothese, daß wir nichts anderes denken können. Diese Hypothese können wir nicht widerlegen.
Es klänge aber abenteuerlich, daß diejenige Tatsachen, die fürs Erleben relevant sind, nichts zu tun haben mit den Tatsachen, die sonst fürs Funktionieren des Gehirns relevant sind.
Wir haben in Betracht gezogen:
kausales Verstehen,
strukturelles Verstehen,
funktionales Verstehen,
Verstehen des Ganzen aus Teilen.

Bieri I
P. Bieri
Analytische Philosophie des Geistes Weinheim 2007

Metz I
Th. Metzinger (Hrsg.)
Bewusstsein Paderborn 1996



> Eigenen Beitrag vorschlagen | > Haben Sie einen Fehler entdeckt? | > Export als BibTeX Datei
 
Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 27.05.2017