Philosophie Lexikon der Argumente

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Nonfaktualismus: Ausdruck für die Annahme, dass es im Hinblick auf bestimmte Entscheidungsprozesse keine Tatsachen gibt. So gibt es z.B. keine Tatsache die bewirkt, dass die Summe von zwei und zwei vier ergibt. Der Nonfaktualismus wird von verschiedenen Autoren sehr verschieden weit ausgelegt. Daher wird der Ausdruck manchmal polemisch gebraucht. Siehe auch Wahrmacher, Entscheidbarkeit, Tatsachen, Wahrheit, Deflationismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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Wright I 267
Regeln/Wittgenstein/Wright: was immer Wittgensteins Dialektik genau erreicht, sie erzwingt in jedem Fall irgendeine Art von Einschränkung für eine realistische Vorstellung von Regeln und Bedeutung.
I 268
Und daher auch für Wahrheit, da Wahrheit eine Funktion der Bedeutung ist.
I 269
Paul Boghossian: hat nun einen Ansatz vorgelegt, der beide Bedenken aus dem Weg räumen könnte:
I 270
Boghossian: betrachten wir einen ausschließlich auf Bedeutung (nicht auf Wahrheit) bezogenen Non Faktualismus:
Es gibt keine Eigenschaft der Art, dass ein Wort etwas bedeutet, und folglich auch keine derartige Tatsache.
Da nun die Wahrheitsbedingung eines Satzes eine Funktion seiner Bedeutung ist, bedingt der Non Faktualismus bezüglich der Bedeutung notwendig einen Non Faktualismus bezüglich der Wahrheitsbedingungen. dann ergibt sich:

(5) Für alle S,P:"S hat die Wahrheitsbedingung P" ist nicht wahrheitskonditional.

nach Zitattilgung:

(4) Für jeden S:"S" ist nicht wahrheitskonditional.

"Faszinierende Konsequenz"/Boghossian: eines Non Faktualismus der Bedeutung: ein globaler Non-Faktualismus. Und gerade darin unterscheidet sich ein Non-Faktualismus der Bedeutung von einem Non-Faktualismus mit Bezug auf irgendeinen anderen Gegenstand.

I 271
WrightVsBoghossian: viele werden gegen seine implizite Philosophie der Wahrheit protestieren, gegen den Gebrauch des Wortes allein kann man jedoch nichts einwenden.

Boghossian: Globaler Minimalismus, Non-Faktualismus: bezüglich Bedeutung, nicht Wahrheit: es gibt keine Eigenschaft, dass ein Wort etwas bedeutet, folglich auch keine Tatsache - zieht globalen Nonfaktualismus nach sich, im Gegensatz zu allen anderen Nonfaktualismen.

Wright I 271
Realismus/Wright: bisher ging es um die Frage, welche zusätzlichen realismusrelevanten Eigenschaften das Wahrheitsprädikat "gehaltvoll" machen können.
Wir können nun aber für den minimalen Fall "Korrektheit" (>korrekt) einsetzen. (Formale Richtigkeit).
Die These des Non Faktualismus kann man dann so formulieren, dass jeder Diskurs über Bedeutung und verwandte Begriffe höchstens fähig ist, korrekt zu sein, und nicht für gehaltvollere Eigenschaften in Frage kommt.

(i) Es ist nicht der Fall, dass "S hat die Wahrheitsbedingung, dass P" eine Wahrheitsbedingung besitzt.

Das muss man als Minimalist akzeptieren, denn Wahrheitsbedingungen schreiben eine semantische, also gehaltvolle Eigenschaft zu, und das wird mit dem Satz bestritten. Weiter:

(ii) Es ist nicht der Fall, dass "S hat die Wahrheitsbedingung, dass P" wahr ist.

I 272
das folgt aus (i) da nur ein Satz mit einer Wahrheitsbedingung wahr sein kann.. Weiter:

(iii) Es ist nicht der Fall, dass S die Wahrheitsbedingung hat, dass P

das folgt nach Boghossian "aufgrund der Zitattilgungseigenschaften des Wahrheitsprädikats".

I 272ff
Non Faktualismus/Boghossian/Wright: > dann kann jeder Diskurs höchstens korrekt sein (i) ist nicht der Fall, dass "S hat die Wahrheitsbedingung, dass P" eine Wahrheitsbedingung hat" - WrightVs: kann mit Zitattilgung umformuliert werden bis (vi ist n. d. Fall,dass es n.d.F. ist, dass S hat die Wahrheitsbedingung dass P, eine Wahrheitsbedingung hat - aber Leugnung der Wahrheit nicht inkonsistent mit Korrektheit d. Behauptung aber (i) nicht korrekt wenn sowohl Wahrheit als auch Korrektheit im Spiel sind, die Matrix für das Wahrheitsprädikat Def nicht konservativ sein muss: d.h. dass der Wert von ""A" ist wahr" in allen Fällen falsch oder inkorrekt wird, ausgenommen jenen, wo A mit dem Wert wahr belegt wird -((s) Nicht-Konservativität verlangt Wahrheit, nicht bloß Korrektheit, >Wahrheitstransfer.

"korrekt": W-Prädikat für minimal wahrheitsfähige Diskurse

Negation/Logik/Wahrheit/Korrektheit/korrekt: wenn sowohl Wahrheit als auch Korrektheit im Spiel ist, gibt es eine Unterscheidung (> Negation) zwischen der a) eigentlichen, strengen Negation: verwandelt jeden wahren oder korrekten Satz in einen falschen oder inkorrekten eine andere Negationsform gibt: b) Negation: wirkt so, dass ein wahrer (oder korrekter) Satz genau dann konstruiert wird, wenn sein Argument keine Wahrheit erreicht.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Bogh I
Paul Boghossian
Fear of Knowledge: Against Relativism and Constructivism Oxford 2007

Boghe I
Peter Boghossian
A manual for Creating Atheists Charlottesville 2013

Wri I
Cr. Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

> Gegenargumente gegen Boghossian
> Gegenargumente zu Nonfaktualismus



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 21.08.2017