Philosophie Lexikon der Argumente

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Zwillingserde: Ausdruck aus einem Gedankenexperiment von H. Putnam (H. Putnam, The meaning of 'meaning'. In Philosophical Papers, Vol. 2 Mind, Language and Reality, Cambridge, 1985). Es wird angenommen, es gäbe eine zweite Erde, die unserer eigenen in allen Einzelheiten gleicht, bis auf die Zusammensetzung des Stoffs Wasser. Allerdings hat das Zwillingserden-Wasser phänomenologisch dieselben Eigenschaften wie unser Wasser und wird dort auch Wasser genannt. Das Beispiel soll zeigen, dass wir die Referenz von Ausdrücken nicht unabhängig von der Umwelt bestimmen können. Siehe auch Referenz, Externalismus, Internalismus, Anti-Individualismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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Frank I 669
Zwillingserde/Burge: weitergehende Gedankenexperimente (ohne Sprache): Bsp Aluminium/ Zwillingserden-Aluminium: jemand, der in einer Umgebung ohne Aluminium aufwächst, kann keine "Aluminium Gedanken" haben.
Die linguistischen Gewohnheiten der sozialen Gemeinschaft sind offensichtlich irrelevant!
Frank I 689
Zwillingserde/Burge: der Wechsel von der Erde zur Zwillingserde zieht nach einer gewissen Zeit (Lernsituation) eine Veränderung des primären Glaubens nach sich und diese wiederum eine Veränderung des reflexiven Glaubens.
Frank I 694
Zwillingserde/Burge: würde man heimlich zwischen Erde und Zwillingserde hin und hergeschoben, bemerkte man sicherlich keinen Unterschied an einem Merkmal der Welt oder im eigenen Bewusstsein.
Pointe: aber das erfasst noch nicht den Gedanken, dass die beiden Leben vom Erleben und Empfinden her gleich wären!
Die Gedanken würden nicht im Moment des Wechselns sich ändern. (Lernsituation "natürliche Lerngeschichte", Putnam dito).
Fra I 695
Heimlicher Wechsel zwischen Erde und Zwillingserde das ist "die klassische kalifornische Phantasiegeschichte".
Ginge der Wechsel ständig hin und her, könnte man keine Angaben über die heimische Erde machen.
Die Person würde keine Unterschiede in ihre Gedanken vorfinden, in der Art wie die Dinge sich "anfühlen".
Burge: ich glaube, dass es für die Wechsel allgemeine Prinzipien gibt, dass sie aber keine trennscharfen Fälle liefern.
Nun ist aber die ursprüngliche Idee, dass wenigstens einige Aspekte des eigenen mentalen Lebens durch die chemische Zusammensetzung des Körpers fixiert werden. ("reine phänomenale Empfindungen").
Wenn man den Begriff nicht mag, kann man ihn ersetzen durch etwas, das sich aus der Abstraktion von der Diskriminationsunfähigkeit ergibt, durch Abstraktion von ihrer Unfähigkeit, mentale Ereignisse unter den Wechselbedingungen zu unterscheiden.
Problem: die Person hat unterschiedliche Gedanken, kann sie aber nicht unterscheiden:
Vs Autorität!

Zwillingserde/Burge: die den Wechseln ausgesetzte Person hätte verschiedene Gedanken, wäre aber nicht in der Lage, die Situationen zu vergleichen und festzustellen, wann und wo die Unterschiede eintraten.
Fehler: daraus zu schließen, dass die Person nicht wissen könnte, welche Gedanken sie hat, es sei den sie führe eine empirische Untersuchung durch.
Fra I 696
Es wäre aber absurd, empirisch verfahren zu müssen, um zu wissen, welche Gedanken wir denken.
Frank I 707
Selbst Wissen/Zwillingserde/Burge: Bsp mein Wissen, dass ich gerade denke, dass Quecksilber ein Metall ist, hängt von der Fähigkeit ab, den Gedanken zu denken - nicht explizieren - zu können.
Ich bin ein kompetenter Benutzer des Worts in meiner Umgebung. Das verlangt nicht, dass ich meine Umgebung von einer Zwillingsumgebung unterscheiden kann!
Bedeutung und Referenz sind in meiner Umgebung verankert anstatt in einer Umgebung, in der die Bedeutung der Wortform eine andere wäre.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Burge I
T. Burge
Origins of Objectivity Oxford 2010

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994

> Gegenargumente gegen Burge



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 21.08.2017