Philosophie Lexikon der Argumente

Screenshot Tabelle Begriffe

 
Invertierte Spektren, Philosophie des Geistes: Ausdruck für ein Gedankenexperiment, mit dem gezeigt wird, dass wir nicht sicher sein können, dass Reize (hier Wellenlängen des Lichts) von allen Subjekten in gleiche mentale Zustände übersetzt werden. Insbesondere ist es möglich, dass ein Farberlebnis bei verschiedenen Subjekten nicht an derselben Stelle des Farbspektrums lokalisiert ist. D.h., was jemand als rot wahrnimmt, könnte ein anderer als grün wahrnehmen. Nun wäre der Sprachgebrauch jedoch so, dass aufgrund des Lernens der öffentlichen Sprache beide dasselbe Wort verwenden, während das subjektive Erleben verschieden ist. Siehe auch Wissen wie, Privatsprache, Qualia, Skeptizismus.

_____________
Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
Bücher bei Amazon
I 99
Vertauschte Spektren/Bewusstsein/Chalmers: um die fehlende Erklärbarkeit unseres Bewusstseins nachzuweisen genügt es, die logische Möglichkeit einer physikalisch mit unserer identischen Welt nachzuweisen, wo Tatsachen über unser bewusstes Erleben sich von denen in unserer Welt unterscheiden. Hier geht es um positive Tatsachen, nicht um ein Fehlen von Tatsachen.
I 100
Jemand, der in meiner Welt lebt, könnte etwas, das ich als rot wahrnehme, als blau erleben. Natürlich würde er es aber genau wie ich „rot“ nennen. Der Rest seiner Farbempfindungen wäre so arrangiert, dass keine Unterschiede auffallen.
Erklärung: die einfachste Erklärung wäre dass zwei der Achsen unseres dreidimensionalen Farbraums vertauscht sind die Rot-Grün-Achse und die Gelb-Blau-Achse. (Eine erhellende Diskussion des menschlichen Farbraums findet sich in Hardin 1988). Das ist nicht nur begrifflich widerspruchsfrei, sondern es scheint auch neurophysiologisch nicht ausgeschlossen zu sein.
HarrisonVsVertauschte Spektren/HardinVsVertauschte Spektren/Chalmers: (Harrison 1973, Hardin 1987): These: der menschliche Farbraum ist asymmetrisch, so dass eine solche Umkehrung nicht möglich ist. Bsp warme/kalte Farben, die mit verschiedenen funktionalen Rollen assoziiert sind, („positiv“, „negativ“).
ChalmersVsVs:
1. Dennoch ist nichts begrifflich Widersprüchliches an vertauschten Spektren.
2. Statt einer Vertauschung von Rot und Blau könnte man eine Vertauschung von nur leicht abweichenden Farbtönen annehmen (Levine 1991).
I 101
Es gibt auch keinen Grund, warum eine Vertauschung des Spektrums sich nur natürlicher Farben bedienen muss.
3. (Shoemaker, 1982): Auch wenn unser Farbraum asymmetrisch ist, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass es Kreaturen mit einem symmetrische Farbraum geben könnte, die aber physikalisch identisch mit uns sind.
Vorstellbarkeit/Reduktive Erklärung/Chalmers: wenn solche Annahmen vorstellbar sind, hat das Auswirkungen auf die Frage der Möglichkeit von reduktiven Erklärungen.
Bewusstsein: sowohl die Vorstellbarkeit von Zombies als auch die von vertauschten Spektren zeige, dass Bewusstsein nicht logisch auf physikalischen Tatsachen superveniert. Höchstens die Existenz von bewusstem erleben könnte reduktiv erklärt werden, nicht aber der spezifische Charakter unseres Erlebens.
I 263
Vertauschte Spektren/Chalmers: wir müssen die Möglichkeit von vertauschten Spektren für funktional isomorph strukturierte Systeme ausschließen.
Vertauschte Qualia kommen zuerst bei John > Locke vor.
I 264
VsChalmers: sogar Materialisten wenden ein, dass die Natur von Erlebnissen auf der physiologischen Beschaffenheit beruht, also bei anders aufgebauten Systemen (z.B. Maschinen) anders sein könnte.
Vertauschte Spektren/Schlick (1932): verifikationistisch können sie nicht festgestellt werden. Daher kann es auch keine reale Differenz geben.
ChalmersVsSchlick: das ist nicht hinreichend dafür, den Schluss zu ziehen, dass es hier keine Tatsache gäbe in Bezug auf bewusste Erlebnisse, und zwar, weil die Natur der Qualia begrifflich nicht an Verhalten geknüpft ist. ((s) > Nonfaktualismus).
I 265
Invarianzprinzip/Chalmers: wird von der natürlichen (nicht nur logischen) Möglichkeit vertauschter Spektren nicht erschüttert. Es wird auch nicht erschüttert von Beispielen der Umorganisation, Neuverdrahtung usw. (Gert, 1965, Lycan 1973, Wittgenstein, 1968)
Ebenso nicht durch Entführung auf eine Zwillingserde mit gelbem Himmel. (Block 1990). Hier werden die Repräsentationen nach einer Eingewöhnungszeit über Gelb sein. Das Invarianzprinzip (der Erhalt bewusster Erlebnisse bei geänderter physikalischer Struktur eines funktional gleichbleibenden Systems)) bleibt bestehen.


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Cha I
D.Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014

Send Link
> Gegenargumente gegen Chalmers
> Gegenargumente zu Vertauschte Spektren

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z  



> Eigenen Beitrag vorschlagen | > Haben Sie einen Fehler entdeckt? | > Export als BibTeX Datei
 
Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 19.11.2017