Philosophie Lexikon der Argumente

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Rationalität, Philosophie: die Fähigkeit eines Wesens, sich aufgrund von Verallgemeinerungen seiner Erfahrungen bewusst einer Situation anzupassen. Es kann dann auch rational sein, etwas Neues lernen zu wollen. Siehe auch System, Ordnung, Kreativität, Entdeckungen, Bewertung, Wiederholung.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I Fred Dretske Minimale Rationalität in D.Perler/M. Wild (Hg.)Der Geist der Tiere Frankfurt/M. 2005

I 213
Def minimale Rationalität/Dretske: verlangt, dass Gedanken, an dem Prozess beteiligt sind, daher ist sie anspruchsvoller als: - biologische Rationalität: Bsp blinzeln - minimale Rationalität: verlangt, dass etwas aus Gründen getan wird, aber nicht, daß es aus guten Gründen getan wird.
I 215
Mit diesem Begriff wird das Normative in Schach gehalten. Es ist ausgeklammert und damit untersuchbar.
Rationalität/Dretske: Bsp bei einer plötzlichen Bewegung von etwas in Richtung auf meine Augen blinzle ich. Ich kann gar nicht anders.
Ich glaube, dass eine Möglichkeit, diesen Gegenstand in mein Auge zu bekommen, darin besteht, zu blinzeln (plötzlich die Augen zu schließen).
Pointe: aber obwohl ich dies glaube und obwohl ich mein Auge schließe, schließe ich meine Augen nicht, weil ich dies denke! Meine Gründe, sie zu schließen, sind nicht der Grund, warum ich sie schließe!
Obwohl ich genau das tue, von dem ich denke, dass es mir das Gewünschte bringt, ist mein Verhalten keine zweckgerichtete Handlung. Es stellt nicht die
"minimale Rationalität" dar.
Def Minimale Rationalität/Dretske: verlangt, dass Gedanken, an dem Prozess beteiligt sind, daher ist sie anspruchsvoller als:
biologische Rationalität: Bsp blinzeln.
minimale Rationalität: verlangt, dass etwas aus Gründen getan wird, aber nicht, dass es aus guten Gründen getan wird!
Sie verlangt auch kein Begründen. Obwohl das Verhalten durch einen Gedanken erklärt werden muss, muss es nicht durch diesen Gedanken rationalisiert werden.
I 214
Nicht einmal unter idealen Bedingungen muss das entsprechende Verhalten zur Überlebensfähigkeit beitragen. Es kann sie sogar herabsetzen.
Bsp "Ich suche unter der Laterne, weil es hier heller ist, obwohl ich das Schlüsselbund woanders verloren habe".
Das lässt sich durch das erklären, was man denkt.
I 215
Bsp Terrorist: Selbstmordattentäter: ihm ist das Paradies im Jenseits mit 40 Jungfrauen versprochen worden. Außerdem sei sein Tun der Sache dienlich.
Ist sein Verhalten rational? Es steigert nicht die Überlebensfähigkeit, aber es ist minimal rational, weil sich das Verhalten aus dem erklärt, was der Terrorist glaubt und will.
Mit diesem Begriff wird das Normative in Schach gehalten. Es ist ausgeklammert und damit untersuchbar.
I 216
Rationalität/Dretske: wenn nichts von dem, was Sie tun, durch das, was sie denken, erklärbar ist, dann sind Sie kein rationales Wesen, sondern ein Hochstapler.
Bsp man könnte auch sagen, dass eine Sprinkleranlage gescheit ist, weil sie das Feuer löscht, das sie sonst zerstören würde (Überlebenswert!).
Pointe: wenn ich das täte, wäre ich rational, aber die Sprinkleranlage ist deswegen nicht rational! Denn es ist nicht der Grund, weswegen sie es tut! Sie hat keine minimale Rationalität.
Bsp wenn ich schwitze und mich damit abkühle, habe ich auch keine minimale Rationalität. Das Verhalten ist nicht von Gedanken kontrolliert. Es mag klug sein, das zu tun, aber ich bin nicht klug, weil ich es tue.
Es ist nicht genug, dass mein Verhalten von einer inneren Repräsentation verursacht wird.
Unterschied: a) von einem Ereignis, das B bedeutet (repräsentiert) verursacht zu werden
b) durch die Tatsache, erklärt zu werden, dass es B bedeutet (repräsentiert). ((s) de dicto).
I 217
Bsp Thermostat: wenn wir das täten, was er tut, die Temperatur im Raum konstant halten, gälten wir als rational. Der Thermostat ist es nicht.
Der Bimetallstreifen hat eine Doppelfunktion:
1. er repräsentiert die Raumtemperatur,
2. er ist ein Schalter.
I 218
Sein Verhalten erklärt sich nicht durch Gedanken, die er über Temperatur hat.
Bsp Mikrophon: können wir nicht als folgsam betrachten, bloß, weil es tut, was wir ihm sagen. z.B. "Vibriere schnell!". Nicht, was ich sage, ist für das Verhalten des Mikrophons relevant.
Unterschied:
a) Verursachung durch ein Ereignis,
b) Erklärung durch die Tatsache, dass es die Bedeutung B hat. (s.o.).




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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Dret I
F. Dretske
Naturalizing the Mind Cambridge 1997

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 29.06.2017