Philosophie Lexikon der Argumente

 
Tatsachen, Philosophie: Das, was einer wahren Aussage entspricht oder - nach Auffassung einiger Autoren - mit einer wahren Aussage identisch ist. Probleme ergeben sich durch mögliche mehrfache Zählung von Gegenständen, wenn z.B. von einer Situation gesprochen wird und zusätzlich von der Tatsache, dass diese Situation besteht. Daher bezeichnen einige Autoren die Annahme von Tatsachen als etwas Überflüssiges. Siehe auch Vernunftwahrheiten, Tatsachenwahrheiten, Sachverhalte. Wahrheit, Aussagen, Wissen, Gewissheit, Gedankenobjekte.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I XII
Tatsache/Duhem: Der Tatsachenbegriff hat seine Selbständigkeit verloren, weil Tatsachen immer schon theoretisch imprägniert sind.
Duhem sucht zwischen Skylla des Induktivismus und der Charybdis des Apriorismus zu steuern. Als Steuer dient ihm dabei der Begriff des Experimental Gesetzes.
Symbole können weder wahr noch falsch genannt werden, bestenfalls angemessen. Das gilt auf für die Theorien als rein symbolische Darstellungen. Den Experimental Gesetzen spricht Duhem jedoch empirischen Gehalt zu, den rein theoretische Gesetze nicht beanspruchen können.
Ein Experimentum crucis (dessen Scheitern die gesamte Theorie widerlegen würde) wird abgelehnt. (>Holismus).
I 180
Durch Erhöhung der Messgenauigkeit haben wir das Bündel der theoretischen Tatsachen verkleinert.
Bsp Geodätische Linien auf einer unendlichen Fläche (I 182) Es gibt solche, die in sich selbst zurückkehren und solche, die das nicht tun, obwohl sie sich nicht unendlich entfernen (Fläche: unendlich ausgedehntes ~ Stierhorn)
Trotzdem kann man theoretisch die Anfangsbedingungen genau bestimmen, ohne Zweideutigkeiten zu erhalten, etwa wenn eine Kugel sich auf einer geodätischen Linie bewegen soll.
I 183
Ganz anders sieht es aber aus, wenn statt der theoretischen, praktische Anfangsbedingungen gegeben sind. Unbegrenzte Menge verschiedener Anfangsbedingungen.
I 184
Wenn die Anfangsbedingungen nicht mathematisch bekannt sind, sondern durch physikalische Methoden bestimmt, und seien sie auch noch so genau, wird die gestellte Frage unbeantwortbar sein und bleiben.
I 199
Tatsachen/Duhem: Konkrete, sehr verschiedene Tatsachen können miteinander vermengt werden, wenn sie durch die Theorie so interpretiert sind, dass sie nur ein einziges Experiment bilden und durch einen einzigen symbolischen Ausdruck dargestellt werden. Ein und derselben theoretischen Tatsache können eine Unzahl praktischer Tatsachen entsprechen.
Aber auch: derselben praktischen Tatsache können eine Unzahl theoretischer Tatsachen entsprechen, die logisch mit einander nicht vereinbar sind. (>Quine, >Quine-Duhem-These)

Ein Experimentator könnte sagen: Bsp Eine Vermehrung des Druckes um 100 Atmosphären erhöht die elektromotorische Kraft um 0,085 Volt. Er hätte mit derselben Berechtigung sagen können: um 0,0844 0der 0,0846 Volt. Für den Mathematiker widersprechen sich die Aussagen,. Für den Physiker, dessen Unterscheidungsmöglichkeit wegen der Messgenauigkeit begrenzt ist, haben sie denselben Sinn.

Unterschied Mathematik/Physik: abweichende Meßergebnisse kein formaler Widerspruch. >Quine, Unterscheidung analytisch/synthetisch.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Duh I
P. Duhem
Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 26.09.2017