Philosophie Lexikon der Argumente

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Unbestimmtheit, Philosophie: Ein Gegenstand ist unbestimmt, wenn seine sprachliche Beschreibung weniger Merkmale angibt als ein Mitglied einer (Sprach-)Gemeinschaft normalerweise benötigt, um den Gegenstand von anderen Gegenständen zu unterscheiden. Siehe auch Übersetzungsunbestimmtheit, Vagheit, Unterbestimmtheit, Unerforschlichkeit, Bestimmtheit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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I 174
Eine theoretische Tatsache besitzt nichts Unbestimmtes, nichts Schwankendes. Der Körper, der studiert wird, ist geometrisch definiert. Seine Kanten sind wirkliche Linien, ohne Dicke, seine Ecken wirkliche Punkte ohne Dimensionen.
Jedem Punkt eines Körpers entspricht eine Temperatur, und diese Temperatur ist für jeden Punkt eine Zahl, die von jeder anderen scharf geschieden ist.
Dieser theoretischen Tatsache stellen wir die praktische Tatsache, deren Übersetzung sie ist, gegenüber. Hier ist nichts mehr von Präzision zu merken.
Der Körper ist kein geometrischer mehr, sondern ein konkreter Block, seine Kanten zackige Grate, sein Punkte mehr oder weniger breitgedrückt, seine Temperatur eine mittlere in einem gewissen Volumen. Sie ist auch nicht jene bestimmte, von jeder anderen Zahl eindeutig abgegrenzte Zahl.
I 175
Wir könnten auch nicht erklären, dass die Temperatur genau 10° sein, sondern nur, dass sie einen gewissen Bruchteil des Grades, der von der Genauigkeit des Instrumentes abhängt, nicht überschreitet.
Eine Unzahl verschiedener theoretischer Tatsachen können als Übersetzung derselben praktischen Tatsache dienen.
I 222
Ein Gesetz des gewöhnlichen Verstandes ist ein einfaches allgemeines Urteil, das richtig oder falsch ist. Bsp Die Sonne steigt jeden Tag im Osten auf. Hier haben wir ein richtiges Gesetz, ohne Bedingung, ohne Einschränkung. Andererseits Bsp Der Mond ist stets voll. Hier haben wir ein falsches Gesetz.

Für physikalische Gesetze gilt so etwas nicht, sie sind stets symbolisch. Ein Symbol ist nicht richtig oder falsch sondern mehr oder weniger gut gewählt. Der Logiker würde nicht begreifen, wenn man fragte, ob ein bestimmtes physikalisches Gesetz richtig oder falsch ist.

I 223
Der Grad der Unbestimmtheit des Symbols ist die Fehlergrenze des in Frage stehenden Gesetzes. >Unbestimmtheit.

Für den Physiker bedeutet die Auffindung des Gesetzes analoger Tatsachen die Auffindung einer Formel, die die symbolische Darstellung einer jeden dieser Tatsachen enthält. Die Unbestimmtheit der Symbole bringt die Unbestimmtheit der Formel mit sich.

Jedes dieser Gesetze muss, um akzeptiert zu werden, einer jeden Tatsache nicht das Symbol, sondern irgendeines der Symbole aus der unendlichen Zahl, die diese Tatsache darstellen können, entsprechen lassen. Das meint man, wenn man erklärt, dass die Gesetze der Physik nur angenähert gelten.

Bsp Stellen wir uns vor, dass wir uns nicht mit dem Gesetz: "Die Sonne steigt im Osten auf" zufrieden geben können: man wird die Sonne trotz ihrer Unebenheiten durch eine riesige Kugel ersetzen.
I 224
Wenn wir das Bewegungsgesetz der Sonne finden wollen, können wir, um eine Änderung der Länge als Funktion der Zeit darzustellen, nicht nur eine einzige Formel sondern eine Unzahl verschiedener Formeln anwenden. Alle diese Gesetze sind für den Physiker gleichermaßen akzeptabel. Die Motive, nach denen er zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählt sind nicht dieselben, die ihn zwingen die Wahrheit dem Irrtum vorzuziehen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Duh I
P. Duhem
Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 19.11.2017