Philosophie Lexikon der Argumente

 
Ähnlichkeit: Übereinstimmung einer oder mehrerer - aber nicht aller - Eigenschaften zweier oder mehrerer Gegenstände.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I 17
Ordnung/Ähnlichkeit/Borges, "Die analytische Sprache John Wilkins'" zitiert "eine gewisse chinesische Enzyklopädie": die Tiere gruppieren sich wie folgt:
a) Tiere, die dem Kaiser gehören
b) einbalsamierte Tiere
c) gezähmte
d) Milchschweine
e) Sirenen
f) Fabeltiere
g) herrenlose Hunde
h) in diese Gruppierung gehörige
i) die sich wie Tolle gebärden
k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind
l) und so weiter
m) die den Wasserkrug zerbrochen haben
n) die von weitem wie Fliegen aussehen.
Borges/Foucault: nicht die Fabeltiere sind unmöglich, sondern der geringe Abstand.
Die Monstrosität besteht darin, dass Borges den gemeinsamen Raum des Zusammentreffens zerstört.
Was unmöglich ist, ist nicht die Nachbarschaft der Dinge, sondern der Platz selbst, an dem sie nebeneinandertreten könnten.
Die Kamelhaartiere und die Tollen könnten sich nie treffen, außer in der Ortlosigkeit der Sprache.
Das "Und" der Aufzählung wird ruiniert.
Trocknet die Sprache aus, bestreiten bereits in der Wurzel die Möglichkeit einer Grammatik.
I 21
Ähnlichkeit/Borges/Foucault: reflektierte Klassifizierung: Bsp Hund und Katze ähneln sich weniger als zwei Windhunde, selbst wenn beide einbalsamiert sind, oder gezähmt sind, oder gerade einen Krug zerbrochen haben.
Selbst für die naivste Erfahrung gibt es keine Ähnlichkeit die nicht aus vorher vorhandenen Kriterien resultiert.

Vier Ähnlichkeiten
I 46f
Convenientia: eher Nachbarschaft von Orten als Ähnlichkeit. Orte grenzen aneinander, verfransen sich Doppelte Ähnlichkeit: des Ortes, an den die Natur zwei Dinge gestellt hat, und Ähnlichkeit der Eigenheiten.
a) Seele und Körper berühren sich zweimal.
b) verschiedene Wesen gleichen in der Syntax der Welt sich einander an: Pflanze und Tier kommunizieren, Erde und Meer, Mensch und Umgebung.
convenientia: Konjunktion und Anpassung, gehört enger zu den Dingen selbst als zur Welt, in der sie sich befinden.
Rückt die Welt in eine Kette mit sich selbst in jedem Berührungspunkt beginnt und endet ein Ring von Kreis zu Kreis setzt sich die Ähnlichkeit fort, sie hält die Extreme in Distanz.
I 48 f
2. aemulatio: eine Art Konvenienz, aber vom Gesetz des Ortes frei. Hat unbeweglich in der Entfernung ihr Spiel, als ob Kette gebrochen, Ringe berührungslos in der Entfernung, reproduzieren aber die Ähnlichkeit. Reflex und Spiegel.
Bsp Von fern ist das Gesicht Nacheiferer des Himmels, der Intellekt reflektiert unvollkommen die Weisheit Gottes, die Augen unvollkommen das große Licht der Sonne, der Mund ist Venus, denn durch ihn werden Küsse und Liebesworte ausgetauscht. Quer durchs Universum ohne Verkettung direkte Nachahmung.
Nachahmung eine Art natürlicher Zwillingshaftigkeit der Dinge. Sie entsteht aus einer Falzung des Seins (> Metaphern) I 49 lässt die beiden reflektierten gestalten nicht untätig, eine kann schwächer sein, und Einfluss der anderen aufnehmen.
Bsp Ohne Anstrengung gibt die Helligkeit des Grases die reine Form des Himmels wieder.
Ähnlichkeit kann auch Kampf einer Form gegen die andere sein:
Bsp bei Paracelsus: Der Mensch ist wie das Firmament "eine Konstellation von Sternen" aber es ist nicht mit ihm verbunden, wie "der Dieb mit den Galeeren, der Fisch mit dem Fischer, das Wild mit dem Jäger."
Die Distanz wird bei der aemulatio nicht durch ihre subtile Metapher annulliert. Sie bleibt sichtbar.
Die Ringe der aemulatio bilden keine Kette, sondern eher konzentrische, reflexive, rivalisierende Kreise.
3. Analogie (siehe dort)
I 53 f
4. Sympathie: im Spiel der Sympathien ist kein Weg vorher festgelegt.
Keine Entfernung wird angenommen, keine Verkettung vorgeschrieben. Ihre Kraft ist so groß, dass sie sich nicht damit begnügt, bei einer einigen Berührung auszubrechen und die Räume zu durchlaufen, sie ruft die Bewegung der Dinge in der Welt hervor und bewirkt die Annäherung der entferntesten Dinge. Sie ist der Ursprung der Mobilität zieht die Schweren zur Schwere des Bodens, die Leichten zum gewichtslosen Äther.
Sie treibt die Wurzeln ins Wasser und lässt die Sonnenbahn von der Sonnenblume nachziehen.
Sie hat die gefährliche Kraft, zu assimilieren, die Dinge miteinander identisch zu machen, sie zu mischen, in ihrer Individualität verschwinden zu lassen, sie dem fremd zu machen, was sie waren.
Deshalb wird die Sympathie von ihrer Zwillingsgestalt, der Antipathie kompensiert.
Diese erhält die Dinge in ihrer Isolierung aufrecht und verhindert die Assimilierung.
Bsp Die indische Ratte ist gefährlich für das ägyptische Krokodil, in dessen geöffnetes Maul sie hineinspringt und sich von innen wieder herausfrisst. Die Natur hat sie ihm zum Feind gegeben. Andererseits wird die Ratte von ihren Feinden beobachtet, denn sie lebt in Zwietracht mit der Spinne und stirbt oft im Kampf mit der Natter.
Bsp Das heiße, trockene Feuer hat eine Antipathie zum Wasser, das kalt und feucht ist.
Alle Verkettungen der Analogie, alle Echos der aemulatio werden verdoppelt durch die Raum der Sympathie und Antipathie. Durch dieses Spiel bleibt die Welt identisch.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Fouc I
M. Foucault
The Order of Things: An Archaeology of Human Sciences 1994

Fouc II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 20.09.2017