Philosophie Lexikon der Argumente

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Selbstbewusstsein, Philosophie: Eine Form des Bewusstseins, die eine Lokalisierung des denkenden Subjekts im logischen Raum ermöglicht. Voraussetzung für das Selbstbewusstsein ist Bewusstsein von äußeren und inneren Vorgängen sowie die Fähigkeit zur Unterscheidung dieser beiden Quellen von Einflüssen. Siehe auch Identifikation, Selbstidentifikation, Selbst, Ich, Bewusstsein, Individuation, Identität, Person.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

G. W. F. Hegel über Selbstbewusstsein – Lexikon der Argumente

Gadamer I 256
Selbstbewusstsein/Hegel/Gadamer: [Hegel hatte schon in der „Phänomenologie“] die strukturelle Entsprechung von Leben und Selbstbewusstsein entwickelt (...).
Gadamer I 257
Der fundamentale Tatbestand des Lebendigseins ist die Assimilation. Die Unterscheidung ist also zugleich eine Nichtunterscheidung. Das Fremde wird angeeignet. Diese Struktur des Lebendigen hat (...) ihre Entsprechung im Wesen des Selbstbewusstseins. Dessen Sein besteht darin, dass es alles und jedes zum Gegenstand seines Wissens zu machen weiß und dennoch in allem und jedem, das es weiß, sich selber weiß. Es ist also als Wissen ein Sich-von-sich-unterscheiden und als Selbstbewusstsein zugleich ein Übergreifen, indem es sich mit sich selbst zusammenschließt.
Gadamer: Offenkundig handelt es sich um mehr als um eine bloße strukturelle Entsprechung von Leben und Selbstbewusstsein. Hegel hat ganz recht, wenn er das Selbstbewusstsein dialektisch aus dem Leben ableitet. Was lebendig ist, ist in der Tat für das gegenständliche Bewusstsein, die Anstrengung des Verstandes, der in das Gesetz der Erscheinungen einzudringen strebt, niemals wirklich erkennbar.
Leben/Hegel: Lebendiges ist nicht von der Art, dass man von außen her je dazu gelangen könnte, es in seiner Lebendigkeit einzusehen. Die einzige Weise, Lebendigkeit zu erfassen, ist vielmehr die, dass man ihrer inne wird. Hegel spielt an die Geschichte von dem verschleierten Bild von Sais
an, wenn er die innere Selbstobjektivation des Lebens und des Selbstbewusstseins beschreibt: „Hier schaut das Innere das Innere“.(1)
Gadamer: Es ist die Weise des Selbstgefühls, das Innesein der eigenen Lebendigkeit, in dem Leben
allein erfahren wird. Hegel zeigt, wie diese Erfahrung in der Form von Begierde und Befriedigung der Begierde aufflammt und erlischt. Dies Selbstgefühl der Vitalität, in dem sich die Lebendigkeit ihrer selbst bewusst wird, ist zwar eine unwahre Vorform, eine niederste Gestalt des
Selbstbewusstseins, sofern die Bewusstwerdung seiner selbst in der Begierde sich zugleich durch die Befriedigung der Begierde vernichtet. So unwahr sie ist, gegenüber der gegenständlichen Wahrheit, dem Bewusstsein von etwas Fremden, ist sie als das Vitalgefühl dennoch die erste Wahrheit des Selbstbewusstseins.


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, ed. Hoffmeister, S. 128

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I Grenz 38
Selbstbewusstsein/Hegel/Gadamer/Grenz: Gadamer macht auf Hegels Betonung der Allgemeinheit des Selbstbewusstseins aufmerksam (Gadamer, Wahrheit und Methode, p. 19, Hegel Phänomenologie, p. 148).
Vergleichbarkeit/Gadamer: der Bewusstseine ist durch die Allgemeinheit der produzierten Dinge gewährleistet.

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Höffe I 329
Selbstbewusstsein/Phänomenologie/Hegel/Höffe: In der Konkurrenz mit seinesgleichen kommt es dem Menschen nicht erst auf Selbstbehauptung, sondern schon auf die Konstitution eines Selbst an. Hegel erweitert die oft bloß sozial-, rechts- oder staatstheoretisch
geführte Debatte um drei weitere Themen: um die
a) Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst, um die
b) Auseinandersetzung mit der Natur und um den zu den drei Dimensionen gehörenden
c) Begriff der Arbeit.
Die Menschen wind zunächst keine fertigen Subjekte, sondern müssen sich das dafür erforderliche Selbstbewusstsein erst in einem dynamischen Prozess erarbeiten. Im vielschichtigen Verlauf (...) eines veritablen «Kampfs um Anerkennung», greifen drei Dimensionen ineinander:
- die persönliche Auseinandersetzung des Menschen mit sich,
- die soziale mit seinesgleichen und
- die wirtschaftliche mit der Natur.
Selbstbewusstsein/Kampf um Anerkennung: Das Selbstbewusstsein tritt dabei zunächst als schlichtes Streben nach Selbsterhaltung auf, stößt jedoch auf das konkurrierende Streben eines anderen (...) und führt, da die eine Selbsterhaltung der anderen widerstreitet, zu einem «Kampf auf Leben und Tod».(1) >Herrschaft/Knechtschaft/Hegel.


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

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> Gegenargumente gegen Hegel

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