Philosophie Lexikon der Argumente

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Vernunft, Philosophie: Fähigkeit zur Einsicht. Der Vernunftbegriff wird im deutschen Idealismus vom Begriff des Verstands unterschieden, wobei letzterer sich auf die Erkenntnis von Regelmäßigkeiten und Unterschieden bezieht, ersterer auf die Begründung von Prinzipien, die den Regelmäßigkeiten zugrunde liegen. Siehe auch Verstand, Idealismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Thomas Hobbes über Vernunft – Lexikon der Argumente

Höffe I 219
Vernunft/Hobbes/Höffe: Die Friedensleidenschaften allein [die Todesfurcht, das Verlangen nach Dingen, die es zu einem angenehmen Leben braucht, und die Hoffnung, sie durch eigene Anstrengung zu erreichen] genügen freilich zur Überwindung des Kriegszustandes nicht. >Krieg/Hobbes, >Naturzustand/Hobbes.
Vernunft: Als weiterer Faktor ist eine Vernunft vonnöten, die dem dreifachen Friedensantrieb den erforderlichen Weg weist. Sie ist also nicht autonom, sondern steht in fremdem Dienst. Ihr Zweck stammt nicht aus dem Inneren der Vernunft, sondern von außen, dem freien Selbstinteresse. Interesse: Seinetwegen hat Hobbes' Vernunft einen individualpragmatischen, dem Eigenwohl zum Erfolg verhelfenden, dabei aber bloß theoretischen Charakter.
Theoretische Vernunft: Für sich allein ohne Antrieb, mithin handlungsunfähig, ist sie keine praktische, sondern eine theoretische Vernunft, die dem außervernünftigen Antrieb lediglich eine Einsicht beisteuert: Das im Naturzustand herrschende Recht auf alles erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Recht auf nichts. Weil dieser Einsicht für sich genommen jede Antriebskraft fehlt, braucht sie einen anderen, sowohl energetischen als auch zielgerichteten Faktor, eben die drei friedensförderlichen Leidenschaften. >Naturzustand/Hobbes, >Sinn/Hobbes, >Glück/Hobbes.
Dem Friedensräsonnement der Vernunft entspringen Naturgesetze, die hier nicht in naturwissenschaftlichen Gesetzen, sondern in Prinzipien einer allgemeingültigen, insofern quasi-menschenrechtlichen Rechtsmoral bestehen (Leviathan, Kap. 14—15). Hobbes stellt insgesamt 19 Naturgesetze auf. Er beginnt mit dem Gebot, Frieden zu suchen. >Moral/Hobbes.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Hobbes I
Thomas Hobbes
Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

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