Philosophie Lexikon der Argumente

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Existenz, Philosophie, Logik: Das Vorhandensein von etwas, dem Eigenschaften zugeschrieben werden können. Vorhandensein bedeutet hier nicht, dass etwas unmittelbar gegeben sein muss oder sinnlich wahrnehmbar ist. Siehe auch Ontologie, Eigenschaften, Prädikate, Existenzsatz, Realismus, Quantifikation, Zuschreibung.
 
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Holz I 48/49
Existenz/Welt/außen/Grund/Leibniz: ein zureichender Existenzgrund kann nicht in der Reihe der Tatsachen, aber auch nicht im ganzen Zusammengesetzten gefunden werden!
Weil auch die Zusammensetzung, wie die Reihe eines Grundes bedürfen.
Leibniz nennt den Existenzgrund "extramundan" weil er nicht innerhalb der Reihe (series reum") gefunden werden kann.
Holz: das heißt aber nicht "außerhalb der Welt"! Wörtlich heißt es:
Leibniz: "außer der Welt" gibt es ein beherrschendes Eins.
Nicht nur wie die Seele in mir sondern eher wie ich selbst in meinem Körper, aber von viel höherer Vernunft.
Existenzgrund/außerhalb/außen/Leibniz: der Grund der Einheit ist die Formbestimmtheit ihrer allseitigen Verknüpfung, nicht die Linearität einer Folge oder Reihe. Insofern liegt der Existenzgrund der Welt (als der Totalität der Verknüpfungen) nicht in der Welt, sondern bedingt sie als Welt.
Diese "ultima ratio rerum" "stellt die Welt her und macht sie". Sie ist das verbindende Prinzip.
Holz I 70
Existenz/Leibniz: von ihr können wir keine Idee haben, es sei denn durch die Wahrnehmung des Seienden.
Daher ist die Wahrnehmung die formale Einheit und Allgemeinheit aller in sie eingehenden Inhalte.
I 71
"Wir haben keine andere Idee der Existenz als die, dass wir einsehen, dass die Dinge wahrgenommen werden".
Wahrnehmung/Leibniz: liefert uns nun aber als Selbstwahrnehmung die Idee der Kontinuität und Kontiguität der Existenz als solcher (die uns in der Existenz unserer selbst evident ist).
Existenz/Erfahrung/Leibniz: Existenz kann nicht gedacht werden, sie muss erfahren werden, denn der Satz "Das Nichtsein ist" ist widersprüchlich. (Allerdings nur in Bezug auf das Ganze).
Holz I 72
Existenz/Notwendigkeit/Identität/Sein/Leibniz: die Sätze
"Das Sein ist" und
"Nur ein einziges Sein ist notwendig"
stehen in einem ganz bestimmten Folgerungsverhältnis (Folgeverhältnis):
der Satz "das Sein ist" ist ein identischer Satz, d.h. sein Gegenteil ist widersprüchlich.
So fallen hier existentieller und kopulativer (Kopula) Gebrauch von "ist" zusammen.
Man könnte auch sagen "Das Sein ist seiend" um deutlich zu machen, dass das Prädikat dem Subjekt notwendig zukommt. Aber:
Bsp "der Stein ist ein seiender Stein": dieser Satz ist nicht identisch, dem Stein kommt das Sein nicht notwendig zu! Der Stein könnte auch nur gedacht sein. Daher brauchen wir die Wahrnehmung, um von der Existenz überzeugt zu sein.
Aber das gilt nicht ur von Körpern, sondern auch von Allgemeinem, Bsp die Gattung Mensch, sie existiert nicht notwendig!
I 73
Die Notwendigkeit der Existenz gilt einzig und allein von der Welt als ganzer.
Holz I 75
Einheit/Substanz/LeibnizVsSpinoza: die ultima ratio ist notwendig nur ein Grund, nicht eine Vielheit, weil er die Struktur des Ganzen ist.
Leibniz braucht also die Vielheit der Dinge nicht zu opfern, um zur einen und einzigen Welt zu kommen. An die Stelle der Substanz von Spinoza tritt bei ihm die "harmonie universelle".
Existenz/Leibniz: Frage: "Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?".
Diese Frage bleibt auch noch bestehen, wenn wir die Einheit der Vielheit gesichert haben. Es könnte immer noch nichts geben.
I 76
Angenommen, die Dinge müssen existieren, so muss man darüber hinaus den Grund angeben können, warum sie so existieren müssen und nicht anders.
Holz I 91
Existenz/Leibniz: "Warum gibt es etwas und nicht vielmehr nichts?"
1. Der Grund, warum etwas existiert liegt in der Natur: die Folge des obersten Prinzips, dass nichts ohne Grund geschieht.
2. Der Grund muss in einem wirklichen Seienden oder in einer Ursache liegen.
3. Dieses Seiende muss aber notwendig sein, sonst müsste nach einer weiteren Ursache gesucht werden.
4. Also gibt es eine Ursache!
I 92
5. Diese erste Ursache bewirkt aber auch, dass alles Mögliche ein Streben zur Existenz hat, da kein universeller Grund der Beschränkung auf nur gewisse Mögliche gefunden werden kann.
6. Daher kann gesagt werden, dass alles Mögliche auf seine zukünftige Existenz angelegt sei. (Weil Möglichkeit Streben ist).
7. Daraus folgt aber nicht, dass alles, was möglich ist, auch existiere. Das würde nur folgen, wenn alles miteinander zusammen möglich wäre.
8. Einige Möglichkeiten sind aber mit anderen unvereinbar.
9. So erwächst die Reihe von Dingen, die durch die größte Reihe aller Möglichkeiten existiert.
10. Wie Flüssigkeiten Kugelform (größter Inhalt) annehmen, so existiert in der Natur des Universums eine Reihe mit dem größten Inhalt.
11. Also existiert das Vollkommenste denn Vollkommenheit ist nichts anderes als die Quantität an Sachhaltigkeit. (>Beste aller Welten, beste Welt).
12. Vollkommenheit ist jedoch nicht allein in der Materie anzusiedeln, sondern in der Form oder Mannigfaltigkeit.
I 93
13. Daraus folgt, dass die Materie nicht überall gleichartig ist, sondern durch die Formen sich selbst ungleichartig gemacht wird.
(Es folgen weitere 12 Thesen zur bewusstseinstheoretischen Ebene).
Holz I 120
Welt/Existenz/Leibniz: ist als Ganzes kontingent. Es ist kein Grund einzusehen, warum diese Welt sein muss. Wir können aber einsehen, dass sie als Totalität alles Wirklichen und Möglichen ist.
D.h. das Prinzip der Deduktion scheitert an der ersten Substanz, die nicht mehr intelligibel zu machen ist, bzw. nicht mehr selbst herleitbar ist.
I 12
Frage: warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
Wenn wir auch nicht einsehen können, warum diese Welt ist, so können wir doch einsehen, dass diese Welt möglich ist! Und viele mögliche neben ihr auch.
Dann können wir die Frage umformulieren:
Warum existiert diese Welt und nicht eine andere?

Lei II
G. W. Leibniz
Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998

Lei I
H. H. Holz
Leibniz Frankfurt 1992

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 24.05.2017