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Korrektheit: ist eine Eigenschaft von Systemen bzw. Kalkülen, nicht von Schlussfolgerungen. Ein System ist korrekt, wenn alle in ihm beweisbaren Aussagen wahr sind. Vollständig ist das System, wenn alle gütigen Aussagen in ihm auch beweisbar sind. Vollständigkeit und Korrektheit sind komplementär, sie ergänzen sich zur Adäquatheit. (R. Stuhlmann-Laeisz, Philosophische Logik, Paderborn, 2002).

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Platon über Korrektheit - Lexikon der Argumente

Gadamer I 350
Korrektheit/Wahrheit/Formalismus/Sophistik/Platon/Gadamer: [Platon hat] klar gesehen (...), dass es kein argumentativ zureichendes Kriterium gibt, durch das sich wahrhaft philosophischer Gebrauch der Rede von sophistischem unterscheiden ließe. Insbesondere zeigt er im 7. Brief, dass die formale Widerlegbarkeit einer These nicht unbedingt ihre Wahrheit ausschließt.(1) Vgl. >Reflexion/Gadamer, >Reflexion/Hegel, >Sophisten/Platon.
Gadamer I 412
Richtigkeit/Wort/Sprache/Denken/Platon/Gadamer: Sieht man (...) den Streit um die „Richtigkeit der Namen“ wie ihn der „Kratylos“ (2-4) schlichtet, so gewinnen die dort zur Diskussion stehenden Theorien >Wort/Platon, >Namen/Platon, >Sprache/Platon) plötzlich ein über Plato und dessen eigene Absicht hinausgehendes Interesse. Denn beide Theorien, die der platonische Sokrates zum Scheitern bringt, werden nicht in ihrem vollen Wahrheitsgewicht gewogen.
A. Die konventionalistische Theorie führt die der Worte auf ein Namengeben zurück, gleichsam auf ein Taufen der Dinge aufeinen Namen. ((s) Vgl. Die heutige >Kausaltheorien der Namen.)
Für diese Theorie liegt im Namen offenbar keinerlei Anspruch auf sachliche Erkenntnis - und nun überführt Sokrates den Verfechter dieser nüchternen Ansicht dadurch, dass er sich vom Unterschied des wahren und des falschen Logos aus auch die Bestandteile des Logos, die Worte (onomata) als wahr oder falsch zugeben lässt und ebenso das Nennen als einen Teil des Sprechens auf die im Sprechen geschehende Aufdeckung des Seins (ousia)
Gadamer I 413
bezieht.(4) Das ist eine mit der konventionalistischen These so unvereinbare Behauptung, dass es leicht ist, von da aus umgekehrt eine für den wahren Namen und die richtige Namengebung maßgebende zu deduzieren. Dass das so erzielte Verständnis von der Namen zu einem
etymologischen Rausch und zu den absurdesten Konsequenzen führt, wird von Sokrates selbst eingestanden (...).
B. Ähnlichkeitstheorie: (...) ihre Erörterung [hält sich] ganz innerhalb der Voraussetzungen der „Natur-Theorie“ nämlich an das Ähnlichkeitsprinzip, und löst dasselbe nur durch schrittweise Einschränkung auf. Wenn nämlich die „Richtigkeit“ der Namen wirklich auf der richtigen, d. h, den Sachen angemessenen Namenfindung beruhen sollte, so gibt es selbst dann noch, wie bei
jeder solchen Anmessung, Grade und Abstufungen der Richtigkeit.
Nun mag, wenn nur das ein wenig Richtige noch den Umriss (typos) der Sache in sich abbildet, es schon gut genug sein, um brauchbar zu sein.(6) Aber man muss noch weitherziger sein. Es kann ein Wort auch dann verstanden werden, offenbar aus Gewöhnung und Vereinbarung, wenn es Laute enthält, die gar nichts Ähnliches mit der Sache haben - so dass das ganze Prinzip der Ähnlichkeit ins Wanken kommt und an Beispielen wie den Wörtern für Zahlen widerlegt wird. Dort kann schon deshalb gar keine Ähnlichkeit statthaben, weil Zahlen nicht der sichtbaren und bewegten Welt angehörig sind, so dass für sie das Prinzip der Übereinkunft offenkundig allein gilt.
Lösung/Platon: Die Konvention, die sich im praktischen Sprachgebrauch darstellt und die Richtigkeit der Worte allein ausmacht, mag sich nach Möglichkeit des Ähnlichkeitprinzips bedienen, aber sie ist nicht an es gebunden.(7)
Erkenntnis/Sprache/Worte/Platon: Das ist ein sehr gemäßigter Standpunkt, der aber die grundsätzliche Voraussetzung einschließt, dass die Worte keine wirkliche Erkenntnisbedeutung besitzen - ein Ergebnis, das über die ganze Sphäre der Worte und die Frage ihrer Richtigkeit hinausweist auf die Erkenntnis der Sache.
Gadamer: Das ist es offenbar, worauf es Plato allein ankommt.
Gadamer I 414
Der Umgang mit der Sache, um den es hier geht, ist das Offenbarmachen der gemeinten Sache. Das Wort ist dann richtig, wenn es die Sache zur Darstellung bringt, also wenn es eine Darstellung (mimesis) ist. Nun handelt es sich gewiss nicht um nachahmende Darstellung im Sinne einer unmittelbaren Abbildung, so dass die lautliche oder sichtbare Erscheinung abgebildet würde, sondern es ist das Sein (ousia), das, was der Bezeichnung, zu sein (einai), gewürdigt wird, das durch das Wort offenbar gemacht werden soll.
Gadamer: Es fragt sich aber, ob dafür die in dem Gespräch gebrauchten Begriffe, die Begriffe des mimema bzw. des als mimema verstandenen deloma richtig sind. Im Wesen des mimema liegt gewiss, dass in ihm auch noch etwas anderes, als es selbst darstellt, zur Darstellung kommt. Bloße Nachahmung, „Sein wie“enthält also immer schon die Ansatzmöglichkeit für die Reflexion auf den
Seinsabstand zwischen Nachahmung und Vorbild.
Weder wahr noch falsch/Kratylos: [Kratylos] hat ganz recht wenn er sagt, soweit ein Wort Wort sei, müsse es „richtiges“, richtig „liegendes“ sein. Ist es das nicht, de h. hat es keine Bedeutung, dann sei es ein bloßes tönendes Erz.(8) Es hat wirklich keinen Sinn, in solchem Falle von „falsch“ zu sprechen. ((s) Vgl. >Wahrheitwertlücke).


1. Das ist der Sinn der schwierigen Darlegung von 343 c d, für die die Leugner der Echtheit des 7. Briefes einen zweiten, namenlosen Plato annehmen müssen. (Vgl. Meine ausführliche Darlegung „Dialektik und Sophistik“ im VII. platonischen Brief (Bd. 6 der Ges. Werke, S. 90—115).
2. Krat. 384 d.
3. Krat. 388 c.
4. Krat. 438 d-439 b.
5. Krat. 385 b, 387 c.
6. Krat. 432 a ff.
7. Krat. 434 e.
8. Krat. 429 loc, 430 a.



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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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