Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Platon über Wahrheit - Lexikon der Argumente

Gadamer I 415
Wahrheit/Sprache/Wort/Richtigkeit/Platon/Gadamer: Problem: PlatonVsSophisten: Im Verkennen [der] eigentlichen Wahrheitsmöglichkeit der Rede (der wesensmäßig Falschheit, pseudos, als Gegenmöglichkeit zugehört) entspringt (...) ihr sophistischer Missbrauch. Wenn der Logos als Darstellung einer Sache (deloma) verstanden wird, als ihre Offenlegung, ohne dass diese Wahrheitsfunktion der Rede von dem Bedeutungscharakter der Wörter grundsätzlich unterschieden wird, wird eine der Sprache eigene Verwirrungsmöglichkeit eröffnet. Man kann dann meinen, im Wort die Sache zu haben.
Gadamer I 416
Lösung/Platon: (...) die Wahrheit der Sachen [liegt] in der Rede, d. h. aber zuletzt, im Meinen einer einheitlichen Meinung über die Sachen und nicht in den einzelnen Worten - auch nicht im ganzen Wortbestand einer Sprache (...). >Wort/Platon, >Sprache/Platon, >Richtigkeit/Platon.
Diese Verkennung ist es, die es Sokrates ermöglicht, die für die Wahrheit des Wortes, d, h. ihre Bedeutungshaftigkeit, so treffenden Einwände des Kratylos zu widerlegen. Er spielt den Gebrauch der Worte, d. h. aber die Rede, den Logos mit seinem Wahr- und Falschseinkönnen, gegen ihn aus. Der Name, das Wort, scheint insofern wahr oder falsch zu sein, als es wahr oder falsch gebraucht wird, d. h. dem Seienden richtig oder unrichtig zugeordnet wird. Solche Zuordnung ist aber gar nicht mehr die des Wortes, sondern ist bereits Logos und kann in einem solchen Logos ihren angemessenen Ausdruck finden. Z. B. jemanden“Sokrates“ nennen, unterstellt, dass dieser Mensch Sokrates heißt. >Logos/Platon.

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Bubner I 28
Wahrheit/Platon: Reflexion über das Verhältnis von Reden und Schreiben: Vermittlung: Wahrheit kann niemals mit den Mitteln ihrer Darstellung zusammenfallen.
Wahrheit beständige Aufgabe des Suchens niemals gesicherter Besitz.(VsSophisten).
Bubner: die Dialoge sind daraufhin zu lesen, was unausgesprochen bleibt und sich hinter Ironie, Mythos, Traum, Gleichnis, verbirgt.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992

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