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Wort: ein durch Leerräume von anderen Wörtern getrenntes Gebilde innerhalb einer Sprache. Allgemein werden Wörter durch ein oder mehrere Zeichen gebildet, die aneinandergehängt werden. Ganze Wörter können wiederum als Zeichen aufgefasst werden. In menschlichen Sprachen sind die Elemente der Wörter Buchstaben, in Computersprachen werden auch andere Symbole innerhalb von Worten verwendet. Siehe auch Begriffe, Sprache, Zeichen, Symbole, Subsententiales, Bedeutung.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Platon über Wörter - Lexikon der Argumente

Gadamer I 410
Wort/Platon/Gadamer: Zwei in Platos „Kratylos“ diskutierte Theorien versuchen, auf verschiedenen Wegen das Verhältnis von Wort und Sache zu bestimmen.
A. Konventionalismus: Die konventionalistische Theorie sieht in der Eindeutigkeit des Sprachgebrauches, wie sie durch Übereinkunft und Übung erreicht wird, die einzige Quelle der Wortbedeutungen,
B. Ähnlichkeitstheorie: Die ihr entgegenstehende Theorie vertritt eine natürliche Übereinstimmung von Wort und Sache, die eben mit dem Begriff der Richtigkeit (orthotés) bezeichnet ist.
Konventionalismus/Gadamer: Die Grenze des Konventionalismus ist: man kann nicht willkürlich umändern, was die Worte bedeuten, wenn Sprache sein soll, Das Problem der „Sondersprachen“ zeigt die Bedingungen, unter denen solche Umtaufungen stehen.
Namen/Kratylos: Hermogenes im „Kratylos“ gibt selbst ein Beispiel: die Umtaufung eines Bediensteten.(1) Die innere Unselbständigkeit der Lebenswelt des Dieners, der Zusammenfall seiner Person mit seiner Funktion macht das möglich, was sonst an dem Anspruch der Person
auf ihr Fürsichsein, an der Wahrung ihrer Ehre, scheitert. Ebenso haben Kinder und Liebende Sprache, durch die sie Sich in der nur ihnen eigenen Welt verständigen, aber selbst dies nicht so sehr durch willkürliche Festsetzung als durch Herausbildung einer Sprachgewohnheit. Immer ist die
Gemeinsamkeit einer Welt - auch wenn es nur eine gespielte ist - die Voraussetzung für „Sprache“.
Ähnlichkeitstheorie: [ihre] Grenze ist ebenfalls deutlich: Man kann nicht im Blick auf die gemeinten Sachen in dem Sinne an der Sprache Kritik üben, dass die Worte die Sachen nicht richtig wiedergeben. Die Sprache ist überhaupt nicht da wie ein bloßes Werkzeug, zu dem wir greifen, das wir uns errichten, um mit ihm mitzuteilen und zu unterscheiden.(2)
Gadamer: Beide Interpretationen der Worte gehen von ihrem Dasein und Zuhandensein aus und
lassen die Sachen als vorhergewusste für sich sein. Sie setzen eben deshalb von vornherein zu spät an.
Platon/Gadamer: So muss man sich fragen, ob Plato, der die innere Unhaltbarkeit der beiden extremen Positionen aufweist, damit eine ihnen
Gadamer I 411
gemeinsame Voraussetzung in Frage stellen will.
Platon These: Plato will mit dieser Diskussion der zeitgenössischen Sprachtheorien zeigen, dass in der Sprache, in dem Anspruch auf Sprachrichtigkeit (orthotes tön onomaton) keine sachliche Wahrheit (aletheia tön onton) erreichbar ist und dass man ohne die Worte (aneu ton onomaton) das Seiende erkennen müsse rein aus Sich selbst (auta ex heauton)(3).
Gadamer: Das ist eine radikale Verschiebung des Problems auf eine neue Ebene. Die Dialektik, auf
die dies zielt, beansprucht offenbar, das Denken so auf sich selbst zu stellen und seinen wahren Gegenständen, den „Ideen“ zu öffnen, dass damit die Macht der Worte (dynamis ton onomaton) und ihre dämonische Technisierung in der sophistischen Argumentierkunst überwunden wird.
Erkenntnis/Wahrheit: Die Übersteigerung des Bereichs der Worte (onomata) durch die Dialektik soll natürlich nicht heißen, dass es wirklich ein wortfreies Erkennen gäbe, sondern nur, dass nicht das Wort den Zugang zur Wahrheit öffnet, sondern umgekehrt: dass die „Angemessenheit“ des Wortes erst von der Erkenntnis der Sachen aus zu beurteilen wäre. >Sprache/Platon.
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Das Element der wahren Reden bleibt das Wort (onoma und rhema) - das gleiche Wort, in dem sich Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit und vollkommenen Nichtigkeit verbirgt.(4)
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Wahrheit/Richtigkeit/Wort/Kratylos/Platon/Gadamer: [Es hat Sinn] von einer absoluten Perfektion des Wortes zu sprechen, sofern zwischen seiner sinnenfälligen Erscheinung und seiner Bedeutung überhaupt kein sinnliches Verhältnis, mithin kein Abstand besteht. Kratylos hätte daher auch keine Ursache, sich unter das Joch des Abbildschemas zurückbeugen zu lassen. Für das Abbild zwar gilt, dass es, ohne eine bloße Verdoppelung des Urbildes zu sein, dem Urbild gleicht, also als etwas, das ein anderes ist und auf das andere, das es darstellt, durch seine unvollkommene Ähnlichkeit verweist. Aber das gilt für das Verhältnis des Wortes zu seiner Bedeutung offenkundig nicht. Insofern ist es wie das Aufblitzen einer ganz verdunkelten Wahrheit, wenn Sokrates den Wörtern - im Unterschied zu den Gemälden (zöa) - nicht nur richtig, sondern auch wahr zu sein (aléthe) zuerkennt.(5) Die „Wahrheit(„des Wortes liegt freilich nicht in seiner Richtigkeit, seiner richtigen Anmessung an die Sache. Sie liegt vielmehr in seiner vollendeten Geistigkeit, d. h. dem Offenliegen des Wortsinnes im Laut. In diesem Sinne sind alle Wörter „wahr“ d. h. ihr Sein geht in ihrer Bedeutung auf, während Abbildungen nur mehr oder minder ähnlich und insofern - am Aussehen
er Sache gemessen - mehr oder minder richtig sind. >Richtigkeit/Platon, >Sophisten/Platon.
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Wort/Zahl/Zeichen/Platon/Gadamer: man begreift, dass nicht das Wort, sondern die Zahl das eigentliche Paradigma des Noetischen ist, die Zahl, deren Benennung ersichtlich reine
Konvention ist und deren „Genauigkeit“ eben darin besteht, daß jede Zahl durch ihre Stellung in der Reihe definiert ist, also ein reines Gebilde der Intelligibilität, ein ens rationis ist, nicht im abschwächenden Sinne seiner Seinsgeltung, sondern im Sinne seiner perfekten Vernünftigkeit. Dies ist das eigentliche Resultat, auf das der „Kratylos“ bezogen ist, und dieses Resultat
hat eine höchst folgenreiche Konsequenz, die in Wahrheit alles weitere Denken über Sprache beeinflusst. >Logos/Platon.
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Die berechtigte Frage, ob das Wort nichts anderes als ein „reines Zeichen“ ist oder doch etwas vom „Bild“ an sich hat, wird durch den grundsätzlich diskreditiert. >Abbild/Platon.


1. Krat. 384 d.
2. Krat. 388 c.
3. Krat. 438 d-439 b.
4. Doch vgl. zu >Mimesis sowie den bedeutungsvollen Wechsel von „Mimesis“ zu „Methexis“ den Aristoteles in seiner Metaphysik A 6, 987 b 10—13 bezeugt.
5. Krat. 430 d 5


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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