Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 396
Gut/Das Gute/Güte/Gutsein/Goodness/Gerechtigkeit/Rawls: wir müssen zwei Theorien des Guten unterscheiden, da in der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness der Begriff des Rechts dem des Guten vorgeordnet ist. Anders als in teleologischen Theorie ist etwas nur dann gut, wenn es in die bereits existierenden Prinzipien integriert werden kann. Andererseits braucht man wiederum einen Begriff des Guten, um die Prinzipien zu etablieren, weil man die Motive der Beteiligten berücksichtigen muss. Um den Vorrang des Rechtsbegriffs nicht zu gefährden, kann der Begriff des Guten hier nur auf das wesentlichste reduziert werden. Das nenne ich die „Dünne Theorie“ des Guten.
I 397
Rationalität: erfordert nicht die Verfügung über alles Wissen. Ich nehme an, dass rationale Beteiligte sich eher für mehr als für weniger Anteil an primären öffentlichen Gütern entscheiden. (Siehe Öffentliches Gut/Rawls). In der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft nehmen die Beteiligten an, dass ihre Vorstellungen vom Guten eine bestimmte Struktur haben.
Der Begriff des Guten wird später noch gebraucht im Zusammenhang des moralischen Werts von Personen.
I 398
In einem wohlgeordneten annähernd gerechten Gesellschaft wird es sich herausstellen, dass es ein gut in sich ist, eine gute Person zu sein. Dazu brauchen wir aber eine Theorie des Guten, die die Prinzipien der Gerechtigkeit voraussetzt. Wenn der Gerechtigkeitssinn selbst ein Gut ist, dann nur im Sinne der Dünnen Theorie.
I 399
In diesem Fall trägt der Gerechtigkeitssinn zur Stabilität einer geordneten Gesellschaft bei. Diese Übereinstimmung von Güte und Gerechtigkeit nenne ich Kongruenz.
Def Gut/Das Gute/Rawls: für eine Definition gehe ich von folgendem aus.
1. Ein Ding A ist ein gutes X wenn es eine bestimmte Eigenschaft in stärkerem Maße als etwas anderes, durchschnittliches hat. (Siehe W.D. Ross, The Right and the Good (Oxford 1930), p. 67.)
2. A ist ein gutes X für eine Person K genau dann, wenn A die Eigenschaften hat, die es für K rational machen, X anzustreben
3. K’s Lebensplan muss im Ganzen rational sein.
I 400
Siehe hierzu: Aristoteles, Nicomachean Ethics, bks. I, vk. III, chs. 1-63; Kant The Fundamental Principles oft he Metaphysics of Morals, Acadmy Edition, vol IV, pp.425-419; The Critique of Practical Reason, Ch. II, bk. I of pt. I; siehe H. J. Paton on Kant in: In Defense of Reason (London, 1951), pp. 157-177; H. Sidgwick, Methods of Ethics, 7rh. Ed.(London, 1907), bk. I ch. IX and bk. III ch. XIV. F. H. Bradley, Ethical Studies, 2nd. Ed. (Oxford, 1926), ch. II; Joshua Royce The Philosophy of Loyalty (New York, 1908), lext II; H. J. Paton, The Good Will (London, 1927)bks II and III, esp. chs. VIII and IX. W.D. Lamont, The Value Judgment (Edingurgh, 1955); J. N. Findlay, Values and Intentions (London, 1961) ch. V, secs I, and III, and ch. VI. – Naturalistische Werttheorie: John Dewey, Human Nature and Conduct (New York, 1922), pt. III; R. B: Perry, General Theory of Value (New York, 1926), chs. XX-XXII; C. I. Lewis, An Analysis of Knowledge and Valuation (Lasalle Ill. 1946), bk. III. – Rawls: mein eigener Ansatz basiert auf: J. O. Urmson „On Grading“, MInd, vol 59 (1950; Paul Ziff, Semantic Analysis (Ithaca, NY, 1960), ch. VI; Philippa Foot, „Goodness and Choice“, Proceedings of the Aristotelian Society, supp. Vol. 35 (1961).
I 423
Gutsein/Gutheit als Rationalität/Rawls: (Siehe Planung/Rawls): Man könnte meinen, dass es ein ständiges Raisonnieren des Individuums erfordert, zu erforschen, ob seine Pläne rational sind. Das ist ein Missverständnis. Es geht letztlich darum, ein Kriterium für den Wert einer Person herauszufinden. Dieses ist hauptsächlich durch Bezug auf einen rationalen (hypothetischen) Plan definiert.
I 424
Aus der Definition eines rationalen Plans können wir allerdings nicht auf die Inhalte von Zielen schließen. Es gibt allgemein menschliche Bedürfnisse, Pläne müssen die menschlichen Fähigkeiten und soziale Abhängigkeiten berücksichtigen usw.
I 426
Def Aristotelisches Prinzip/Terminologie/Rawls: so nenne ich folgendes Prinzip: ceteris paribus genießen Menschen die Ausübung ihrer Fähigkeiten und zwar in umso höherem Maße, je stärker diese Fähigkeiten realisiert werden und je anspruchsvoller (komplexer) sie sind. (Vgl. Aristoteles, Nicomachean Ethics, bk. VIII, chs. 11-14, bk X. chs 1-5; Siehe W.F.R. Hardie, Aristote’s Ethical Theory, (Oxford, 1968), ch. XIV; G.C. Field, Moral Theory (London, 1932), pp.76-78; R. W. White, „Ego and Reality in Psychoanalytic Theory“,Psychological Issues, vol. III (1963), ch. III and pp. 173-175, 180f.)
I 429
Rawls: Das Prinzip formuliert eine Tendenz und zeigt kein Muster auf, wie eine Wahl zu treffen wäre.
I 431
VsRawls: Warum sollte das Aristotelische Prinzip wahr sein – RawlsVsVs: wir beobachten es an Kindern und höheren Tieren. Es scheint auch evolutionstheoretisch erklärbar zu sein. Die Selektion wird diejenigen Individuen ausgewählt haben, für die es gilt. (Siehe B. G. Campbell, Human Evolution (Chicago, 1966), pp. 49-53; W. H. Thorpe, Science, Man and Morals, (London, 1965), pp. 87-92; I. Eibl-Eibesfeldt, Ethology (New York, 1970), pp. 217-248.)
I 435
Um die Dünne Theorie zu einer vollwertigen zu machen, bei der es um den Wert einer Person gehen soll, fragen wir, wie Mitbürger über andere Mitbürger urteilen, die in derselben Position sind. Dabei geht es um durchschnittliche Fähigkeiten in einer durchschnittlichen Position und in verschiedenen Rollen, insbesondere solchen Rollen, die für wichtiger erachtet werden. Außerdem nehmen wir breitgefächerte Eigenschaften an, die normalerweise von rationalen Personen angestrebt werden. (Der Hinweis auf breitgefächerte Eigenschaften stammt von T. M. Scanlon).
I 437
Def Gute Person/Def Moralischer Wert/Rawls: eine Person von moralischem Wert ist dann ein Individuum, das ein überdurchschnittliches Maß an breitgefächerten moralischen Eigenschaften hat, sodass es für Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft rational ist, dies auch für sich und für einander anzustreben. Pointe: dabei werden keine zusätzlichen ethischen Begriffe eingeführt.
Person/HareVsRawls: einige Autoren haben eingewendet, dass eine Person qua Person keine definierte Rolle oder Funktion hat, sollte sie nicht als Instrument oder Objekt behandelt werden, daher müsste auch diese Definition von Gutsein bzw. Rationalität fehlschlagen. (Siehe R. M. Hare, Geach on Good an Evil“, Analysis 17 (5), pp. 109ff.)
I 438
RawlsVsHare/RawlsVsVs: wir müssen gar nicht annehmen, dass Menschen eine bestimmte Rolle haben und noch weniger, dass sie als Mittel höheren Zwecken dienen sollten. Wir berufen uns nur auf die Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft.
I 446
Gut/Das Gute/Das Richtige/Richtigkeit/Rawls: wie unterscheidet sich das Gute vom Richtigen? 1. Die Prinzipien der Gerechtigkeit, die für die Bestimmung des Guten gebraucht werden, sind Prinzipien, die in der Anfangssituation einer zu errichtende Gesellschaft gewählt werden. Dagegen werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung und der Rationalität, die für die Bestimmung des Richtigen gebraucht werden, nicht gewählt.
I 447
Ein weiterer Unterschied ist, dass Menschen differieren in Bezug darauf, was als gut anzusehen ist, nicht so jedoch im Fall der Bestimmung des Richtigen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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> Gegenargumente gegen Rawls

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