Philosophie Lexikon der Argumente

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Werte, Philosophie: Im Gegensatz zum Begriff des wirtschaftlichen Werts geht es beim philosophisch verstandenem Wertbegriff um die Zuschreibung von Eigenschaften und die Charakterisierung von konkreten oder idealisierten Situationen im Hinblick darauf, ob ihre Verwirklichung anzustreben ist, weil ein Wert im Zusammenhang mit diesen Situationen identifiziert werden kann. Siehe auch Normen, Prinzipien, Ethik, Moral, Nutzen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Peter Singer über Werte – Lexikon der Argumente

I 87
Werte/Tod/Töten/Utilitarismus/P. Singer: Angenommen, wir könnten Schmerz und Vergnügen als objektive Werte festlegen, dann haben wir ein anderes Problem: es gibt zwei Möglichkeiten, z.B. das Vergnügen in der Welt zu vermindern:
a) Das Vergnügen aus dem Leben eines Wesens zu eliminieren
b) Das Leben dieses Wesens zu beenden.
Damit können wir nicht automatisch von der höheren Bewertung eines angenehmen Lebens gegenüber einem weniger angenehmen Leben übergehen zu einer Höherwertung eines angenehmen Leben gegenüber der Alternative, das da kein Leben ist. Begründung: wenn wir tot sind, vermissen wir das Angenehme nicht.
I 88
Utilitarismus: wenn es um die Vermehrung des Angenehmen in der Welt geht, warum sollten wir nicht immer mehr Kinder bekommen und immer mehr Tiere züchten, die ein angenehmes Leben haben? Das nenne ich die „Gesamtsicht“ („total“ view).
Vs: dagegen könnte man einwenden, dass das Leben der jetzt existierenden Wesen dafür eingeschränkt würde. Und die noch nicht geborenen Wesen existieren eben nicht und können daher nicht leiden oder etwas entbehren.
VsVs: dagegen könnte man von den zukünftigen Wesen eine „Vorexistenz“ („prior existence“) annehmen. Damit ist gemeint, dass unsere jetzigen Entscheidungen sich auf Wesen beziehen, die jetzt noch nicht existieren.
I 89
Problem: in diesem Fall muss man mit einer Asymmetrie umgehen, wenn es z.B. darum geht zu entscheiden, ob ein Kind, das voraussichtlich extrem leiden und bald sterben wird, zur Welt gebracht werden sollte.
Problem: beide Sichtweisen, die „Gesamtsicht“ wie die „Vorexistenz“-Sicht führen zu kontraintuitiven Konsequenzen.
I 245
Werte/Bewusstsein/Wissen/Tiere/Singer, P.: gibt es Werte jenseits des Bereichs, der für wissende Lebewesen erreichbar ist?
I 246
Intrinsischer Wert: ist ein Wert, der in sich selbst erstrebenswert ist im Gegensatz zu einem Wert, den etwas als Mittel zu etwas anderem erhält. Bsp Glück ist ein intrinsischer Wert, Geld ist es nicht.
Umweltzerstörung/Singer, P.: wenn nun ein Tal durch einen Dammbau zerstört wird, muss man nicht nur das Schicksal der wissenden Lebewesen, sondern auch die Schicksale der anderen Arten beachten, von denen die meisten sterben werden.
I 247
Utilitarismus: wird in diesem Fall einbeziehen, dass die Tiere, die dort gelebt hätten, dies für weitere hunderte von Jahren getan hätten.
Ethik/Singer, P.: wie weit kann sie ausgedehnt werden über den Bereich der wissenden Lebewesen hinaus? Die ethische Position, die ich in diesem Buch (P. Singer, Practical Ethics, Cambridge, 2011) entwickelt habe, beschränkt sich auf wissende Lebewesen.
I 248
Die Ausdehnung der Ethik über diesen Bereich hinaus ist schwierig.
Problem: der Begriff des Interesses fehlt, wenn es darum geht, eine Abwägung zu machen.
Weiteres Problem: ohne den Begriff des Wissens ist die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur schwieriger zu verteidigen.
I 249
Lösung/Albert Schweitzer/Singer, P.:
Leben/Recht/Bewusstsein/Schweitzer: die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins ist: Ich bin Leben, das leben will und ich existieren inmitten des Lebens das leben will…und das erstreckt sich auf alles Leben in meiner Umwelt, auch wenn es sich nicht selbst ausdrücken kann. (A. Schweitzer, Civilization and Ethics (Part II, The Philosophy of Civilization, London, 1929, pp. 246-7.).
I 250
P. SingerVsSchweitzer: seine Sprache ist irreführend, wenn er von ausnahmslos allen Lebensformen spricht und ihnen Sehnsucht, Verlangen, Begeisterung, Vergnügen und Terror zuspricht. Pflanzen können nichts davon empfinden.
Holmes RolstonVsSinger, P.: Wenn die natürliche Selektion einem Organismus die Züge verliehen hat, die dieser braucht, um sein Überleben anzustreben, dann ist dieser Organismus in der Lage, etwas auf Basis dieser Züge zu bewerten. (H. Rolston, Respect for Life: Counting waht Singer Finds of no Account“, in: Dale Jamieson (ed.), Singer and Critics, (Oxford, 1999) pp. 247-268.)
P. SingerVsRolston: er erklärt dann aber nicht, warum natürliche Selektion die Bewertung von Organismen ermöglicht, nicht aber menschliches Design und Kreation. Sollten wir etwa sagen, dass Solarzellen, die sich automatisch nach der Sonne richten, der Sonne Wert verleihen?
Leben ohne Bewusstsein/Singer, P.: es gibt keinen Grund, den physikalischen Prozessen, die belebte Dinge beherrschen größeren Respekt zu zollen als den physikalischen Prozessen, die unbelebte Dinge beherrschen. Wenn das so ist, ist es zumindest nicht offensichtlich, warum wir mehr Respekt vor einem Baum als vor einem Stalaktiten haben sollten.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015

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