Philosophie Lexikon der Argumente

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Schönheit: Dass etwas schön sei, drückt die positive Wertung einer Sinneserfahrung aus. Als schön empfunden werden z.B. Natur, Düfte, Klänge und menschliche Hervorbringungen. Dass im Bereich der Kunst Urteile darüber, was als schön anzusehen sei, stärkeren Schwankungen bzw. geschichtlichen Entwicklungen unterworfen sind als im Bereich der Naturwahrnehmung, muss nicht als Beweis für subjektive Beliebigkeit gewertet werden. Vielmehr wandeln sich Urteile mit zunehmendem Wissensbestand. Siehe auch Ästhetik, Kunst, Kunstwerke, Wahrnehmung, Urteile.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Gadamer I 50
Schönheit/Kant/Gadamer: die Lehre Kants von der freien und anhängenden Schönheit(1) [ist] merkwürdig und vielumstritten. Kant diskutiert hier den Unterschied des „reinen“ und des „intellektuierten“ Geschmacksurteils, der dem Gegensatz der "freien" und der (einem Begriffe) „anhängenden“ Schönheit entspricht.
Reine Schönheit des reinen Geschmacksurteils/Kant: Bsp die freie Naturschönheit und - im Bereich der Kunst - das Ornament.
„Anhängende“ (begrifflich bestimmte) Schönheit/Kant: Bsp Mensch, Tier, Gebäude.
Gadamer I 51
Gadamer: (...) so ist damit indirekt umschrieben, was alles ein „Objekt unter einem bestimmten Begriffe« vorstellt und deshalb zur bedingten, unfreien Schönheit zu zählen ist: das ganze
Reich der Poesie, der bildenden Kunst und der Baukunst, ebenso wie alle Naturdinge, die wir nicht derart auf ihre Schönheit allein hin ansehen wie die Zierblume. >Kunstwerk/Kant, >Naturschönes/Hegel.
Gadamer I 52
Begriffliche Schönheit/Kant/Gadamer: (...) gewiss ist nicht dort von Schönheit die Rede, wo ein bestimmter Begriff des Verstandes durch die Einbildungskraft schematisch versinnlicht wird, sondern nur da, wo die Einbildungskraft mit dem Verstande in freier Übereinstimmung ist, d. h.
wo sie produktiv sein kann. Aber dies produktive Bilden der Einbildungskraft ist am reichsten nicht dort, wo sie schlechthin frei ist, (...) sondern dort, wo sie in einem Spielraum lebt, den das Einheitsstreben des Verstandes ihr nicht so sehr als Schranke aufrichtet, wie zur Anregung ihres Spieles vorzeichnet.
Ideal der Schönheit/Kant: Ein Ideal der Schönheit gibt es (...) nur von der menschlichen Gestalt: in dem ‚Ausdruck des Sittlichen‘ „ohne welches der Gegenstand nicht allgemein gefallen würde«. Beurteilung nach einem Ideale der Schönheit ist dann freilich, wie Kant sagt, kein bloßes Urteil des Geschmacks.
Gadamer I 53
Nur von der menschlichen Gestalt, gerade weil sie allein einer durch einen Zweckbegriff fixierten Schönheit fähig ist, gibt es ein Ideal der Schönheit! Diese von Winckelmann und Lessing(2) aufgestellte Lehre gewinnt in Kants Grundlegung der Ästhetik eine Art Schlüsselstellung.
Denn gerade an dieser These zeigt sich, wie wenig eine formale Geschmacksästhetik (Arabeskenästhetik) dem kantischen Gedanken entspricht.
Normalidee/Kant: Die Lehre vom Ideal der Schönheit gründet sich auf die Unterscheidung von Normalidee und Vernunftidee Oder Ideal der Schönheit. Die ästhetische Normalidee findet sich bei allen Gattungen der Natur. Wie ein schönes Tier (...) auszusehen hat, das ist ein Richtmaß der Beurteilung des einzelnen Exemplars. Diese Normalidee ist also eine einzelne Anschauung der Einbildungskraft als das »zwischen allen einzelnen Individuen schwebende Bild der Gattung«. Aber die Darstellung solcher Normalidee gefällt nicht durch Schönheit, sondern bloß, »weil sie keiner Bedingung, unter welcher allein ein Ding dieser Gattung schön sein kann, widerspricht«. Sie ist nicht das Urbild der Schönheit, sondern bloß der Richtigkeit.
Menschliche Gestalt: Das gilt auch von der Normalidee der menschlichen Gestalt. Aber an der
menschlichen Gestalt gibt es ein wirkliches Ideal der Schönheit in dem „Ausdruck des Sittlichen“. (...) man nehme das zusammen mit der späteren Lehre von den ästhetischen Ideen und der Schönheit als Symbol der Sittlichkeit. Dann erkennt man, daß mit der Lehre vom Ideal der Schönheit auch der Ort für das Wesen der Kunst vorbereitet ist.
Gadamer I 54
Gadamer: Was Kant sagen will, ist offenbar dies, daß bei der Darstellung der menschlichen Gestalt der dargestellte Gegenstand und das, was als künstlerischer Gehalt in dieser Darstellung zu uns spricht, eines sind. Es kann keinen anderen Gehalt dieser Darstellung geben, als schon in Gestalt und Erscheinung des Dargestellten zum Ausdruck kommt.
Gadamer I 55
Ideale/Kant/Gadamer: Gerade mit jener klassizistischen Unterscheidung von Normalidee und Ideal der Schönheit vernichtet Kant die Grundlage, von der aus die Vollkommenheitsästhetik in der vollendeten Sinnfälligkeit jegliches Seienden seine unvergleichbar einzigartige Schönheit findet. Jetzt erst vermag „die Kunst“ zu einer autonomen Erscheinung zu werden. >Kunst/Kant, >Kunst/Hegel.


1. Kant, Kritik der Urteilskraft, § 16ff.
2. Lessing, Entwürfe zum Laokoon Nr. 20 b; in Lessings Sämtl. Schriften ed. Lachmann, 1886ff., Bd. 14, S. 415.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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