Philosophie Lexikon der Argumente

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Parmenides von Elea: Mit Zenon Hauptvertreter der Eleaten. Setzt sich von Homer und Hesiod dadurch ab, dass er nicht die Muse, sondern die Göttin des Rechts zur Schutzherrin wählt. Der Dualismus mit der Trennung von Aletheia (Wahrheit) und Doxa (Meinung) geht auf Parmenides zurück. Philosophie kann sich nur auf Seiendes richten, das allerdings nur dem Denken, nicht der Wahrnehmung zugänglich ist. Da Nichtseiendes nicht gedacht werden kann, kann auch Werden nicht gedacht werden. (Vgl. Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, München 1979).

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.
 
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Bubner I 66
Parmenides/Hegel/Bubner: Hegel schreibt Parmenides einen geradezu spinozistischen Pantheismus zu. Alles sei eins und die Unterschiede nichtig. Hegel: das rühre aus der Leugnung des Negativen, die er durch die Zweiteilung der Sphären in Wahrheit und Meinungen des Menschen vorgenommen habe. Dann gehört alles Negative zu den irrigen Meinungen.
Diese irrigen Meinungen schwanken ständig zwischen Sein und Nichts hin und her.
ParmenidesVs: "Welche Form das Negative auch annehmen kann, es ist gar nicht".
Hegel: dieses Beiseiteschaffen des Negativen lässt nur eine einzige Wahrheit übrig, nämlich, dass das Sein ist.

Sein/Parmenides/Hegel: "Das Denken produziert sich, was produziert wird, ist der Gedanke, also ist das Denken mit seinem Sein identisch, denn es ist nichts außer dem Sein, dieser großen Affirmation".
Das ist aber eine Abstraktion von jeglicher Bestimmtheit, die dem Reiche der Doxa zugeschlagen wird (irrige Meinungen).
Es mache nun keinen Sinn, von noch einem anderen Sein zu sprechen als dem, das vom Denken hervorgebracht wird.

Denken/Sein/Hegel/Bubner: das Merkwürdige der Produktionsthese, in die Hegel die Einheit von Sein und Denken (bei Parmenides) auflöst, wird in anderen Übersetzungen in Frage gestellt, hier kann man umgekehrt primär die Identität des Seins mit sich als Grund für die Existenz von Denkinhalten erkennen, während Hegel das Sein auf das hervorbringende Denken selber zurückführte.
Sein/Parmenides/Hegel: Anfang der Logik: zweite Parmenides Exegese:
I 69
Def Sein/Parmenides/Hegel: Sein ist das Unbestimmte Unmittelbare. Bubner: das fällt nun nicht einfach vom Himmel, sondern die Abwesenheit jeglicher Qualität (Bestimmtheit) wird durch radikale Abstraktion von allem Bestimmten erzeugt, die eine Leugnung aller Vermittlung bedeutet.
Damit ist das Unmittelbar zu Anfang das absolut Leere. Damit fällt es mit dem Nichts zusammen. Da es nichts gibt, auf das sich dauernd verweisen ließe, um das Sein in seiner Eigenart zu kennzeichnen, ist die Grenze zum Nichts immer schon verwischt.
Allerdings würde eine Reflexion auf die Herkunft zeigen, dass die Unbestimmtheit erst durch das Wegrücken von aller Bestimmtheit entstanden ist,
In Wirklichkeit ist daher der Anfang gar nicht in jener Ununterschiedenheit von Sein und Nichts, sondern in der "Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des Einen im anderen..
Ende/Anfang/Parmenides/Hegel: der statische entwicklungsunfähige Anfang wäre zugleich das Ende. Man muss daher über die Position des Absoluten fortgehen und eine solcher Fortgang stellt selbst einen "zweiten neuen Anfang" dar.
Endlich/unendlich/Idealismus/Hegel/Bubner: der Übergang vom Unendlichen zum Endlichen muss (in der frühidealistischen Konstruktion) dann so geschafft werden, dass das Unendliche dabei nicht hinterrücks verendlicht wird.

I 72
Es darf keine Grenze zwischen die beiden gelegt werden, weil dann das Unendliche nicht mehr es selbst wäre, sondern begrenzt.
Das läuft auf den Grundsatz hinaus: das nirgends im Himmel und auf Erden etwas gebe, das nicht beides, Sein und Nichts in sich enthalte".
Endlich/unendlich/Grenze/Hegel/Bubner: es ist immer schon übergegangen worden! So ist die Fixierung einer Position gegenüber einer anderen, die den Übergang erst nötig machte, schon fehlerhaft.
Die Abstraktion kommt stets zu spät, der Prozess des Übergehens ist stets schon im Gange. Das sei der Triumph des "tiefsinnigen Heraklit" über den Eleatismus.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 27.06.2017