Philosophie Lexikon der Argumente

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Logos: Der Ausdruck Logos kann sowohl die Rede als auch ihren Gehalt oder allgemein Vernunft bezeichnen. In Verlauf der Philosophiegeschichte wandelte sich die Bedeutung von Logos von „Erklärung“ über „Definition“ oder Gesamtzusammenhang. Siehe auch Sprache, Definition, Vernunft, Universum.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Platon über Logos - Lexikon der Argumente

Gadamer I 416
Logos/Platon/Gadamer: [Der Logos ist der] Gebrauch der Worte, d. h. (...) die Rede mit [ihrem] Wahr- und Falschseinkönnen (...).Der Name, das Wort, scheint insofern wahr oder falsch zu sein, als es wahr oder falsch gebraucht wird, d. h. dem Seienden richtig oder unrichtig zugeordnet wird. Solche Zuordnung ist aber gar nicht mehr die des Wortes, sondern ist bereits Logos und kann in einem solchen Logos ihren angemessenen Ausdruck finden. Z. B. jemanden“Sokrates“ nennen, unterstellt, dass dieser Mensch Sokrates heißt.
Die Zuordnung, die Logos ist, ist also viel mehr als bloße Entsprechung von Wörtern und Sachen - wie sie letzten Endes der eleatischen Seinslehre entsprechen würde und in der Abbildungstheorie vorausgesetzt ist. Gerade weil die im Logos gelegene Wahrheit nicht die des bloßen Vernehmens,
(noein), ist, kein bloßes Erscheinenlassen von Sein, sondern immer Sein in eine Hinsicht stellt, ihm etwas zuerkennt und zuspricht, ist nicht das Wort (onoma), sondern der Logos der Träger der Wahrheit (und freilich auch der Unwahrheit). Daraus folgt dann mit Notwendigkeit, daß diesem Beziehungsgefüge, in das der Logos die Sachen aufgliedert und eben damit auslegt, die Ausgesagtheit und damit die Sprachgebundenheit ganz sekundär ist.
Wort/Zahl/Zeichen/Platon/Gadamer: man begreift, dass nicht das Wort, sondern die Zahl das eigentliche Paradigma des Noetischen ist, die Zahl, deren Benennung ersichtlich reine
Konvention ist und deren „Genauigkeit“ eben darin besteht, dass jede Zahl durch ihre Stellung in der Reihe definiert ist, also ein reines Gebilde der Intelligibilität, ein ens rationis ist, nicht im abschwächenden Sinne seiner Seinsgeltung, sondern im Sinne seiner perfekten Vernünftigkeit. Dies ist das eigentliche Resultat, auf das der „Kratylos“ bezogen ist, und dieses Resultat
hat eine höchst folgenreiche Konsequenz, die in Wahrheit alles weitere Denken über Sprache beeinflusst.
Zeichen/Platon: Stellt der Bereich des Logos den Bereich des Noetischen in der Vielheit seiner Zuordnungen dar, so wird nämlich das Wort ganz wie die Zahl zum bloßen Zeichen eines wohldefinierten und damit vorgewussten Seins. Damit ist im Prinzip die Fragestellung umgekehrt. Jetzt wird nicht mehr von der Sache aus nach dem Sein und Mittelsein des Wortes gefragt, sondern vom Mittel des Wortes aus auf das hin gefragt, was und wie es etwas vermittelt, nämlich dem, der es gebraucht. Im Wesen des Zeichens liegt, dass es in seiner Verwendungsfunktion sein Sein hat, und das so, dass seine Eignung allein
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darin liegt, verweisend zu sein. Es muss sich daher in dieser seiner Funktion von der Umgebung, in der es angetroffen und als Zeichen genommen werden soll, abheben, um eben damit sein eigenes Dingsein aufzuheben und in seiner Bedeutung aufzugehen (zu verschwinden). Es ist die Abstraktion
des Verweisens selbst. >Zeichen/Platon.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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> Gegenargumente gegen Platon

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