Philosophie Lexikon der Argumente

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Verursachung, Philosophie: Das Problem der Verursachung bezieht sich auf Schwierigkeiten der Lokalisierung von Einflüssen in konkreten physikalischen Prozessen. Hintergrund des Problems ist die von den meisten philosophischen Autoren akzeptierte Skepsis in Bezug auf die Beobachtbarkeit von Kausalität. (Vgl. D. Hume, An enquiry concerning human understanding, Oxford, 2000 und D. Hume, A treatise of human nature, Oxford 2007). Siehe auch Einzelfallverursachung, Kausalität, Ursache, Kausalerklärung, Beste Erklärung, Erklärung, Bedingungen, Hinreichendes, Notwendigkeit, Kausale Abhängigkeit, Kontrafaktische Abhängigkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I 276
Verursachung/Bigelow/Pargetter: sollten wir als Relation zwischen Ereignissen (im weiten Sinn) verstehen.
Rede von Verursachung/Kausalität/Davidson/Bigelow/Pargetter. wir übernehmen von Davidson(1980):
Problem: singuläre Kausalaussagen. Bsp
Der Kurzschluss verursachte das Feuer
Wahrheitsbedingungen: die Aussagen kann wahr sein, weil die Relation besteht, auch wenn klar ist, dass Kurzschlüsse weder hinreichende noch notwendige Bedingungen für Feuer sind.
Verallgemeinerung: kann wahr sein, aber nur, wenn wir den Satz umformulieren.
Kausalrelation/Davidson/Bigelow/Pargetter: besteht, gdw. es eine Weise der Beschreibung der Ereignisse gibt, so dass sie unter ein allgemeines Kausalgesetz gebracht werden können.
BigelowVsDavidson: (s.o.) die Kausalrelation ist vielmehr lokal statt global.
BigelowVsDavidson: die Natur der Kausalrelation leitet sich nicht von der Existenz eines zugrunde liegenden Gesetzes ab.
I 277
Bigelow/Pargetter pro Davidson: allerdings erfordern die Wahrheitsbedingungen einer singulären Kausalaussage die Existenz einer Relation (aber nicht unter einer Beschreibung).
Kausalaussagen/Bigelow/Pargetter: einige müssen umgeschrieben werden: Bsp
Der Stein verursachte das Zerbrechen der Fensterscheibe
muss umgeschrieben werden zu
Dass der Stein die Fensterscheibe berührte, verursachte das Zerbrechen der Fensterscheibe
Bsp
Beckers leichter Sieg über Lendl überraschte die Kommentatoren
Muss umgeschrieben werden:
Beckers Sieg überraschte…und wenn er nicht leicht gewesen wäre, hätte er nicht überrascht.
Bigelow pro Davidson: Soweit ist seine Theorie überzeugend.
Kausalität/Kausalaussagen/Bigelow/Pargetter: manchmal müssen wir aber auch allgemeine Kausalaussagen treffen:
Hierzu brauchen wir Arten von Ereignissen oder Eigenschaften von Ereignissen.
Kausalaussagen: müssen dann KoKo sein: Bsp
Wenn Lendls Niederlage nicht so klar gewesen wäre, wäre sie nicht überraschend gewesen
Bsp
Das Gegengift verlangsamte den Tod von Protheros.
Das scheint Kausalrelationen zwischen Eigenschaften von Ereignissen (Bsp Leichtheit, Verlangsamung) zu verlangen.
I 278
Universalien: werden hier manchmal gebraucht. Manchmal geht es eben um einmalige Ereignisse, manchmal um Eigenschaften von Ereignissen.
Problem: warum sollten die Relationen zwischen derart verschiedenen Entitäten zusammengefasst werden? Warum sollten sie alle kausal sein?
Lösung/Bigelow/Pargetter: wir müssen annehmen, dass sie alle auf einer grundlegenden Kausalrelation supervenieren. Diese kann aber nicht in modalen Begriffen angegeben werden.
Kausalrelation/Bigelow/Pargetter: ist uns weitgehend unbekannt. Man erkennt sie am besten, wenn man ihr begegnet.
I 279
Unsere Aufgabe ist nun herauszufinden, was sie eigentlich ist. Das ist eine metaphysische, keine semantische Aufgabe.
I 288
Verursachung/Erklärung/Bigelow/Pargetter: nehmen wir also an, dass wir die Lücke zwischen alltäglich auftretenden Kräften und den fundamentalen Kräften schließen können.
I 289
Kräfte/Bigelow/Pargetter: wie sollen wir rechtfertigen, dass wir Kräfte zur Erklärung gewählt haben?
Erklärung/David Fair/FairVsBigelow/Bigelow/Pargetter: (Fair 1979): dieser wählt statt Kräften Energiefluß ((s) Energieübertragung > Gerhard Vollmer).
Kräfte/Bigelow/Pargetter: nehmen wir, weil sie in Newtons 3. Gesetz vorkommen. Für uns gibt es dann zwei Instanzen von Verursachung, weil es zwei Kräfte gibt.
Fair: für ihn ist es eine Instanz von Energiefluss und damit eine Verursachung.
BigelowVsFair: seine Theorie liefert nicht die richtigen Relationen höherer Stufe zwischen Universalien, die wir brauchen.

Energiefluss/Energieübertragung/Fair/Bigelow/Pargetter: dieser Begriff erfordert die Identifikation von Einheiten (packages) von Energie in der Zeit.
Energie/Ursache/Wirkung/Fair/Bigelow/Pargetter: die Energie, die in der Wirkung präsent ist, ist numerisch identisch mit der Energie, die in der Ursache verlorengegangen ist.
Problem/BigelowVsFair: es gibt aber auch Verursachung, wo keine Energie übertragen wird, sondern nur Impuls! Daher braucht er einen geteilten Zugang. Dann ist die Verursachung auch kaum noch ein vereinheitlichendes Element in einer Erklärung.
Problem: außerdem: gibt es Fälle, wo sowohl Energie als auch Impuls übertragen wird, und wie sollte man sich dann entscheiden? Die Verursachung kann nicht mit beidem identifiziert werden. ((s) auch BigelowVsVollmer).
I 290
BigelowVsFair: außerdem supervenieren Energieübertragung und Impulsübertragung auf Eigenschaften und Relationen. Daher kann es nach Fair keine Humesche Welt geben, die mit einer kausalen Möwe in allen Eigenschaften 1. Stufe übereinstimmt. Das sollte aber möglich sein (s.o. Kapitel 5) : Eine Theorie die das zulässt, muss auch Verursachung als eine Relation höherer Stufe anerkennen. Das kann Fair nicht.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990

> Gegenargumente gegen Bigelow



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 21.07.2017