Philosophie Lexikon der Argumente

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Opazität, Philosophie: Auch Undurchsichtigkeit der Referenz. Ein Problem bei Propositionen (auf eine Sprecherin bezogene Bedeutungen von geäußerten Sätzen) ist, dass man nicht sicher sein kann, dass man weiß, worauf sich eine Äußerung bezieht. Bsp In einem leeren Raum steht eine Tafel mit der Aufschrift „Ich bin hungrig“. Siehe auch Intensionen, Propositionen, propositionale Einstellungen, Referenz, Unerforschlichkeit, Zitat.
 
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Opazität/Beschreibungsabhängigkeit/Boer: 1. Hier geht es meist um verborgene Parameter, zusätzliche Argumentstellen in der logischen Form, die in der alltagssprachlichen Form nicht zutage treten.
Die verborgenen Parameter wären von der Art der Repräsentationen, über die in (D5) quantifiziert wird:

(D5) R ist eine begriffs-abängige Relation = für jedes Objekt x und y, dass x die Relation R zu y hat, beinhaltet (entails) für eine Repräsentation z und eine
verhaltens-bestimmende Relation Q:
a) a hat Q zu z und
b) entweder
(i) z bildet y auf x (d.h. z ist oder enthält etwas, das y für x repräsentiert) oder
(ii) z drückt y aus (d.h. z ist eine Repräsentation mit einer Erfüllungsbedingung die sie von y ) und
c) für jede Repräsentation r die y abbildet oder ausdrückt, ob x Q zu r hat, hängt davon hab, ob r eine oder mehrere intrinsische Eigenschaften eines gewissen Bereichs hat (d.h. es gibt eine Menge F von intrinsischen Merkmalen von x’ Repräsentationen so dass , für jede Repräsentation r die y für x abbildet hat x Q zu r gdw. r ein Merkmal aus F exemplifiziert).

Oder irgendwelche Entitäten, die aus solchen Repräsentationen gewonnen werden könnten.
Das erklärt, warum der angebliche Verstoß gegen (T2)

(T2) Für beliebige Objekte x, y, z und jede zweistellige Relation R: wenn y = z und x hat R zu y, dann hat x R zu z.

nur ein scheinbarer ist: denn die Tatsache dass b = c und dass R(a,b,r) braucht nicht R(a,c,r’) zu beinhalten, Wenn das nicht explizit gemacht wird, schein es sich um eine zwei-stellige Relation zu handeln, die (T2) verletzt.
2. Andere Möglichkeit: dass R selbst kontext-abhängig ist: dass "b = c" und "R(a,b)" logisch kompatibel wäre mit "~R(a,c)" wenn die Kontexte nur verschieden genug sind. Bsp „R“ könnte analysiert werden als das komplexe binäre Prädikat „[λxy(Er)Gyrx]“ wobei der Bereich des fraglichen Quantors eine kontextuell beschränkte Menge vermittelnder Repräsentationen ist,
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die sich in den Anwendungsfällen "b = c", "R(a,b)" und "~R(a,c)" unterscheiden.
3. Strategie: These die angeblichen Relata von R seien nicht die wirklichen Relata. Es ist nicht garantiert, dass "b" in den verschiedenen Verwendungen hier immer für dasselbe Objekt steht.
Bsp wenn ein Name in einem Satz sowohl innerhalb als auch außerhalb von Anführungszeichen vorkommt, ist es natürlich anzunehmen, dass er einmal auf den Träger, das andere Mal aber auch einen Worttyp referiert. So könnte man auch in unserem Fall verschiedene Referenten von "b" annehmen.
4. "über": kann auch mehrdeutig sein! Das kann dazu führen, dass Identität beim Glauben über etwas fehlschlägt.
a) in einem Sinn ist ein Glauben über den Abendstern gleichzeitig auch ein Glauben über den Morgenstern
b) in einem anderen Sinn ist er es nicht. ((s) de re/de dicto).
schwächer/Boer: "Für ein G, A glaubt dass N G ist."
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"von"/de re/Boer/(s): ist stärker und beinhaltet zusammen mit der Identität von Morgenstern und Abendstern, dass der Glaube "vom" Morgensternstern gleich dem Glauben vom Abendstern ist.

Boer I
Steven E. Boer
Thought-Contents: On the Ontology of Belief and the Semantics of Belief Attribution (Philosophical Studies Series) New York 2010

Boer II
Steven E. Boer
Knowing Who Cambridge 1986

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 26.05.2017