Philosophie Lexikon der Argumente

 
Referenz, Philosophie: Mit Referenz wird a) die Relation zwischen einem Ausdruck und einem oder mehreren Gegenständen also die Bezugnahme oder b) der Gegenstand (Bezugsgegenstand) selbst gemeint. Terminologische Verwirrung entsteht leicht dadurch, dass der Autor, auf den dieser Begriff letztlich zurückgeht - G. Frege - von Bedeutung sprach (im Sinn von „auf etwas deuten“). Man nennt Referenz daher manchmal auch Fregesche Bedeutung im Gegensatz zu Fregeschem Sinn, der das bezeichnet, was wir heute Bedeutung nennen. Siehe auch Bedeutung, Sinn, Intension, Extension.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
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I XIV
Def mMntale Referenz/Terminologie/Boer: Denken an: sei ein mentales Analogon zu Sprecherreferenz.
Sprecherreferenz/einige Autoren: These: besteht niemals in Isolation, sondern ist nur Teilaspekt eines Sprechakts (Äußerung).
I XV
Mentale Referenz: sollte dann auch nur ein Teilaspekt des Etwas-Denkens sein. Dazu kommt wahrscheinlich noch Prädikation.
Def mentale Referenz/Boer: in einem Gedankenzustand sein mit einem Gedankeninhalt, der eine Erfüllungsbedingung festlegt, von dem das Objekt eine Konstituente ist.
Problem: nichtexistente Objekte.
I 20
Mentale Referenz/Boer: es ist kaum umstritten anzunehmen, dass sie eine Partizipations-unabhängige Relation ist, d.h. schwach metaphysisch intentional.
Es ist umstritten, ob mentale Referenz auch stark metaphysisch intentional ist.
Glaubenszuschreibung: im Alltag zählen wir Bsp „Einige Leute glauben, dass Atlantis im Meer versank“ als wahr.
Problem: man mag davor zurückschrecken, diesen Leute eine intentionale Relation zu etwas Nichtexistierendem zuzuschreiben.
mentale Referenz/Boer: These nachdem wir die Unterscheidung „es gibt“/existiert“ anerkannt haben, können wir mentale Referenz als Existenz-unabhängige Relation betrachten.
dagegen:
Glauben/Boer: (statt mentaler Referenz): hier ist es nicht so klar, ob das eine Existenz-unabhängige Relation ist, allein aufgrund der Tatsache, dass wir die seiend/existierend-Unterscheidung haben.
Gedankeninhalt: Problem: wir wissen ja noch gar nicht, was GI sind.
Platonismus/Pointe: wenn wir annähmen, dass GI mit Propositionen, Zuständen, oder Eigenschaften gleichgesetzt werden könnten und sie platonistisch als existierend angenommen würden, ohne in der Welt partizipieren zu müssen, dann müssten wir die Glaubensrelation gerade nicht als Existenz-unabhängig annehmen! Aber dazu brauchen wir eine richtige Theorie der Natur von GI und Einstellungsrelationen zu ihnen.

I 21
Mentale Referenz/Begriffsabhängigkeit/Boer: ist sie auch begriffsabhängig?
Begriffsabhängigkeit/logische Form/Boer: nach (D5): wäre es hinreichend, dass mentale Referenz (Denken über) impliziert, dass für eine Repräsentation z, ein intrinsisches Merkmal von z und eine verhaltens-bestimmende Relation Q:
a) x hat Q z z
b) z enthält etwas, das y für x ausdrückt oder abbildet
c) ob x die Relation Q zu einer Repräsentation von y hat hängt davon ab, ob die Repräsentation eins oder mehrer aus einem Bereich intrinsischer Merkmale hat. Das setzt aber schon Glauben als begriffs-abhängige Relation voraus.
Glauben/Frage: ob Glauben also eine Relation ist, die durch Repräsentationen vermittelt ist.
Also
b) z hat eine Erfüllungsbedingung, die durch y bestimmt ist und
c) wie oben.

Glauben/Repräsentation/Boer: um zu klären, ob Glauben eine repräsentational vermittelte Relation ist, dazu brauchen wir eine Theorie der propositionale Einstellungen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Boer I
Steven E. Boer
Thought-Contents: On the Ontology of Belief and the Semantics of Belief Attribution (Philosophical Studies Series) New York 2010

Boer II
Steven E. Boer
Knowing Who Cambridge 1986

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 22.09.2017