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Dialethismus: Eine parakonsistente Logik, die auf G. Priest (G. Priest, What is so Bad about Contradictions? Journal of philosophy, 95, pp. 410-26) zurückgeht. Dabei geht es darum, dass widersprüchliche Aussagen unter Umständen gleichzeitig behauptbar sind. Siehe auch Parakonsistente Logik, Wahrheitswertballungen, Wahrheitswertlücken, Paradoxien.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Sainsbury V 203
Aussage/Satz/Sainsbury: These: etwas auszusagen ist eine Handlung. Wenn sie wahrhaftig ist, drückt sie einen mentalen Zustand der Akzeptanz aus. Ebenso ist das Verneinen eine Handlung.

Drei Dualitäten: wahr/falsch
aussagen/verneinen
akzeptieren/ablehnen.

Widerspruch/Akzeptieren/Priest: es gibt zwei Möglichkeiten, wenn man [die Aussage] A nicht akzeptiert.

a) die Aussage verwerfen, sich weigern sie zu akzeptieren
b) bezüglich A agnostisch sein, weder akzeptieren, noch sich weigern sie zu akzeptieren.

V 204
Wahrheit/Priest: These: Wahrheit und Falschheit schließen einander nicht aus. Eine Proposition kann zu einer Zeit sowohl wahr als auch falsch sein.
Frage: lassen sich a) und b) zugleich vertreten?
Problem:

F Was falsch ist, sollte abgelehnt werden.

Nun sollten alle Widersprüche abgelehnt werden. F verlangt nach Modifikation. Es ist nicht vernünftig abzulehnen, was de facto falsch ist, wenn alle verfügbaren Anhaltspunkte darauf hindeuten, daß es wahr ist. (z.B. bis zu späteren wissenschaftlichen Entdeckungen).

Wahrheit/Priest: ist unentwirrbar mit Falschheit verquickt. Man kann nicht alle Wahrheiten akzeptieren und alle Falschheiten ablehnen.
V 205
Was man tun sollte, ist, alle Falschheiten ablehnen, die nicht zugleich auch Wahrheiten sind. Das ist eine Verhaltensregel, über die Anti Dialethisten nicht streiten können, sie läuft auf F hinaus.

Priest: die meisten von uns glauben irgendwann Widersprüche. Das scheint zu Schwierigkeiten zu führen:
Wenn wir von einem A, A akzeptieren und auch nicht A akzeptieren, dann könnten wir nicht A wahrhaftig aussagen.
Also könnten wir A wahrhaftig verneinen. Also lehnen wir A ab.
Also gibt es eine Proposition, die wir sowohl akzeptieren als auch ablehnen.
PriestVs: dieser Gedankengang gestattet nicht, dass aus der Prämisse, dass nicht A akzeptiert werden soll, geschlossen werden kann, dass A abgelehnt werden muss.

Sainsbury: es ist ausgeschlossen, sich gleichzeitig im Zustand der Akzeptanz und der Ablehnung zu befinden.
Das verbietet aber offenbar nicht, dass die Vernunft gebietet, eine Proposition zu einer Zeit sowohl zu akzeptieren, als auch abzulehnen.
„Sollte“ impliziert nicht „könnte“.
Lösung:
Dialethismus/Sainsbury: die Idee ist, dass wenn wir zu einer Dialetheia kommen, dann können wir sie akzeptieren und müssen deshalb den Gedankengang nicht kritisieren, der zu ihr geführt hat.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001

Sai I
R.M. Sainsbury
Paradoxien Stuttgart 1993

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