Philosophie Lexikon der Argumente

Suche  
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten

 
Bücher bei Amazon
II 172ff
Text/Foucault:
Analyse der Aussage: zieht eine Wirkung der Seltenheit in Betracht.
Analyse des Diskurs: unter dem doppelten Zeichen der Totalität und der Überfülle.
Def Text/Foucault: an die Stelle der Verschiedenheit der gesagten Dinge setzen wir eine Art großen uniformen Tex t, der noch nie artikuliert worden ist und zum ersten Mal das ans Licht bringt, was die Menschen nicht nur in ihren Worten und Texten, ihren Diskursen und Schriften, sondern in den Institutionen, Praktiken, Techniken und hergestellten Objekten haben »sagen wollen«.
Überfülle: die Aussagen erscheinen als in Überfülle vorhanden, weil sie alle auf den »Text« allein verweisen und weil er allein ihre Wahrheit bildet.
Diskurs: da dieser erste und letzte Sinn (Text) hindurchquillt, das Erscheinende spaltet, barg in jeder Diskurs die Kraft in sich, etwas anders zu sagen, als er sagte. Pluralität von Sinn. Reichtum, Fülle.
Analyse der Aussagen und der diskursiven Formationen: eröffnet eine völlig entgegengesetzte Richtung: das Prinzip, gemäß dem nur die signifikanten Gesamtheiten erscheinen konnten, die Aussagen. Gesetz der Seltenheit.
Gesetz der Seltenheit: Prinzip, das nie alles gesagt worden ist! Im Vergleich zu den Möglichkeiten ist überhaupt nur verschwindend wenig gesagt worden. Prinzip der Leere im Feld der Sprache.
Diskursive Formation: keine in Entwicklung begriffene Totalität, sondern eine Verteilung von Lücken.
Text/Aussagen: es gibt keinen Text unterhalb der Aussagen. Man analysiert Aussagen nicht als etwas, das an die Stelle anderer Aussagen getreten wäre. Daher auch keine Überfülle.
Wert der Aussagen: nicht durch die Wahrheit, nicht durch die Präsenz eines geheimen Inhalts definiert, sondern er charakterisiert ihren Platz, ihre Tauschfähigkeit, ihre Transformationsmöglichkeit.
Es stellt sich die Frage nach der Macht. Der Diskurs ist jetzt kein unerheblicher Schatz mehr, sondern ein endliches, begrenztes, wünschenswertes, nützliches Gut. Gegenstand eines Kampfes.
Subjektivität: entfaltet zurückgezogen von der Geschichte, unterhalb der Ereignisse eine andere, eigene Geschichte, die unaufhörlich diese vorwegnehmend und unbegrenzt die Vergangenheit aufnimmt. Evolution der Mentalitäten.
Analyse der Aussagen: versucht, sich von diesem Thema zu befreien. Sie will die Aussagen in einer Äußerlichkeit analysieren, die reine Verstreuung wiederherstellen.
Das setzt voraus, dass das Feld der Aussagen nicht als eine Übersetzung von Operationen oder Prozessen beschrieben wird, die sich anderswo (im Denken oder im Unbewussten) abwickeln. Nicht als Resultat oder Spur von etwas anderen, sondern als autonomes praktisches Gebiet.
Das setzt weiter voraus, dass das Feld nicht auf ein individuelles Subjekt bezogen ist.
Analyse der Aussagen: vollzieht sich also ohne Bezug auf ein Cogito. Die Aussagen werden in der Persistenz betrachtet, die ihnen eigen ist.
Additivität: die mathematischen Texte addieren sich nicht wie religiöse Texte oder die Akte der Jurisprudenz. Die heutigen ärztlichen Beobachtungen bilden ein Corpus, dass nicht denselben Kompositionsgesetzen gehorcht wie die Sammlung der Fälle im 18. Jahrhundert. Die moderne Mathematik häuft ihre Aussagen nicht nach dem gleichen Modell auf wie die Euklidische Geometrie.
Positivität/Foucault: bezeichnet durchaus ein Knäuel, es bedeutet nicht, eine Rationalität oder eine Teleologie festzustellen!

Fouc I
M. Foucault
The Order of Things: An Archaeology of Human Sciences 1994

Fouc II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981

> Gegenargumente gegen Foucault



> Eigenen Beitrag vorschlagen | > Haben Sie einen Fehler entdeckt? | > Export als BibTeX Datei
 
Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 28.05.2017