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Symbol: im weiteren Sinn gleichbedeutend mit Zeichen. Der besondere Gebrauch des Begriffs bei verschiedenen Autoren unterscheidet sich zum Teil erheblich, u. a. in Bezug darauf, welche Rolle Konventionen bei der Herausbildung von Symbolen spielen und ob Symbole ein System bilden. Siehe auch Zeichen, Icon, Konvention, Bedeutung, Referenz, Abbildtheorie, Darstellung, Repräsentation, Stellvertreter.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Sigmund Freud über Symbole – Lexikon der Argumente

Ricoeur I 109
Symbol/Freud/Ricoeur: Wenn das Symbol der Sinn des Sinns ist, müsste die gesamte Freudsche Hermeneutik eine Hermeneutik des Symbols als einer Sprache des Wunsches sein. Freud jedoch gibt dem Symbol eine weit geringere Ausdehnung.
FN: Studien über Hysterie/Freud: seit dieser Schrift (S. Freud, GW I) bezeichnet die symbolische Beziehung den verborgenen Zusammenhang zwischen auslösender Ursache und hysterischem Symptom; symbolische Beziehung steht somit in Gegensatz zu manifester Beziehung. Der gleiche Text zieht zum ersten Mal eine Parallele zwischen dieser symbolischen Beziehung und dem Traumvorgang. Zunächst auf den hysterischen Schmerz beschränkt, dehnt sich diese Beziehung allmählich auf alle hysterischen Symptome aus, und zwar mit Hilfe des sich langsam herausschälenden Verhältnisses zwischen Symbol und Erinnerung; das Symbol gewinnt nun den Wert einer Schmerzreminiszenz, und Freud gebraucht den Ausdruck »Erinnerungssymbol« (ebenda, 146).
Das Symbol ist damit ein Äquivalent des Gedächtnisses für die traumatisierende Szene, an die keine Erinnerung mehr besteht. Wenn es stimmt, wie es schon in der »Vorläufigen Mitteilung« heißt, dass der Hysteriker vor allem an Reminiszenzen leide (GW l, 86)(1), dann ist das Erinnerungssymbol das Mittel, wodurch sich das Trauma im Symptom fortsetzt. Das Erinnerungssymbol ist, im Unterschied zu den (treuen) »Erinnerungsresten«, entstellt, konvertiert, im Sinne der hysterischen Konversion. Die Symbolisierung umfasst also das gesamte Feld der mit der Verdrängung verbundenen Entstellung (wobei die Verdrängung selbst zu jener Zeit mit der Abwehr identifiziert wird).
Dieser erste Freudsche Gebrauch des Wortes Symbol ist also umfassender als der in der Traumdeutung, da er alles einschließt, was hier Entstellung genannt wird.
Ricoeur I 110
Chiffriermethode/FreudVsTradition: Bei seinem Überblick über die früheren Traumtheorien begegnet [Freud] unter den populären Interpretationen auch der symbolischen Deutung, welcher er als wesentlich verschieden die »Chiffriermethode« entgegenstellt:
A. »Das erste dieser Verfahren fasst den Trauminhalt als Ganzes ins Auge und sucht denselben durch einen anderen, verständlichen und in gewissen Hinsichten analogen Inhalt zu ersetzen.
Dies ist die symbolische Traumdeutung; sie scheitert natürlich von vornherein an jenen Träumen, welche nicht bloß unverständlich, sondern auch verworren erscheinen.«(2) Nach diesem Verfahren erklärte Joseph die Träume des Pharao und gab der Dichter Jensen, der Autor jener Gradiva, die Freud einige Jahre später kommentierte, dem Helden seiner Novelle künstliche, aber leicht zu deutende 'Träume.
B. Die zweite Methode, die Chiffriermethode, »behandelt den Traum wie eine Art Geheimschrift, in der jedes Zeichen nach einem feststehenden Schlüssel in ein anderes Zeichen von bekannter Bedeutung übersetzt wird«.(3) Diese mechanische, Wort-für-Wort-Übersetzung weiß also absolut nichts von Verschiebung und Verdichtung; gleichwohl steht die Chiffriermethode der analytischen Methode näher als die symbolische Deutung, denn sie ist bereits eine Deutung »en détail« und nicht »en masse«(4); wie diese fasst auch die Analyse den Traum als etwas »Zusammengesetztes«, als ein »Konglomerat« von »psychischen Bildungen« auf(5). Durch die Methode der freien Assoziation nähert sich die Analyse also dem »Chiffrierverfahren« und entfernt sich von der symbolischen Methode.
Ricoeur I 112
Traumarbeit/Probleme der Darstellung: die »typischen Träume« (Träume der Nacktheit, Träume vom Tod geliebter Personen etc.) haben Freuds Aufmerksamkeit auf den besonderen Sinn der Symbolik gelenkt; sehr früh bemerkt er, daß es sich hier um Träume handelt, denen mit der Deutungsmethode am wenigsten beizukommen ist; nach und nach kommt er zu dem Schluss, dass die Symbolisierung ein spezifisches Problem stellt, wenngleich es keine eigentlich symbolische Funktion gibt, die wert wäre, zu den Verfahren der Traumarbeit gezählt zu werden. »Alles leitet zum gleichen Schluss, dass man keine besondere symbolisierende Tätigkeit der Seele bei der Traumarbeit anzunehmen braucht, sondern daß der Traum sich solcher Symbolisierungen, welche im bewussten Denken bereits fertig enthalten sind, bedient, weil sie wegen ihrer Darstellbarkeit,
zumeist auch wegen ihrer Zensurfreiheit, den Anforderungen der Traumbildung besser genügen.«(6). >Darstellung/Freud.
Ricoeur I 113
Verhüllung/Freud: überall, wo die Neurose sich [der] Verhüllung bedient, wandelt sie die Wege, die einst in alten Kulturperioden die ganze Menschheit begangen hat, und von deren Existenz unter leichter Verschüttung heute noch
Sprachgebrauch, Aberglaube und Sitte Zeugnis ablegen.«(7)
Aus diesem Grunde muss die analytische Deutung hier von einer genetischen Deutung abgelöst werden: das Symbol hat eine besondere Überdeterminierung, die nicht Ergebnis der Traumarbeit, sondern eine vorgängige Kulturtatsache ist: so ist es oft nur der Rest einer begrifflichen und sprachlichen Identität von einst.
Deutung/Traumdeutung/Freud/Ricoeur: der eigentliche Weg der Deutung sind die Einfälle des Träumers und nicht die vorgegebenen Verbindungen im Symbol selbst. Letztlich bleiben symbolische Deutung und analytische Deutung zwei verschiedene Techniken, wobei die erste der zweiten »als Hilfsmittel« untergeordnet ist.(8)


1. S. Freud, Studien über Hysterie, GW I
2. S. Freud, GW II/III 101
3. Ebenda, 103
4. Ebenda, 104
5. Ebenda.
6. S. Freud GW II/III, 354.
7. Ebenda, 532.
8. Ebenda, 365.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Freud I
S. Freud
Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse Hamburg 2011

Ricoeur I
Paul Ricoeur
Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999

Ricoeur II
Paul Ricoeur
Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976

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