Philosophie Lexikon der Argumente

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Intentionalität: Die Fähigkeit von Menschen und höheren Tieren, sich auf Gegebenheiten wie Dinge und Zustände zu beziehen und darauf zu reagieren. Begriffe, Wörter und Sätze beziehen sich auch auf etwas, haben aber keine Intentionalität. Dieses sprachliche Sichbeziehen nennt man stattdessen Referenz.
 
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Fodor IV 14
Intentionalität/Holismus/Fodor/Lepore: Bsp "wenn dich jemand nach einer Farbe fragt, wirst du zuerst an Rot denken".
Solche Verallgemeinerungen funktionieren, weil es Gedanken über Farben und Gedanken über Rot gibt. (de dicto!).
Problem: wenn der Intentionalitätsholismus wahr ist, und wir natürlich viele verschiedene Glaubensinhalte wegen unserer unterschiedlichen Biographien haben, dann könnte sich herausstellen, dass keiner Ihrer Gedanken die Eigenschaft T* hat in Bezug auf meine.
Daraus würde folgen, dass nur einer von uns Gedanken über Farben oder Gedanken über Rot haben könnte.
IV 15
Weiteres Problem: Meinungsänderung und Änderung von Glaubenseinstellungen könnten nicht erklärt werden.
Wenn die Eigenschaft T* holistisch ist, dann gibt es keine robusten intentionalen Verallgemeinerungen geben kann, die von mehr als einem Individuum zu einer Zeit geteilt werden können. das glauben auch viele Philosophen:
Konsequenz: es gibt keine intentionalen Gesetze: Quine, Dennett, Davidson, die Churchlands, Stich.
Fodor IV 16
Intentionalität/Wissenschaft/Holismus/Fodor/Lepore: wenn der Bedeutungsholismus zutrifft, sieht es auf den ersten Blick schlecht aus für Psychologie, Kognitionswissenschaften, Ökonomie, Linguistik usw.
Aber man kann die Sache aus anders lesen:
wenn die "konstitutiven Prinzipien" der intentionalen Theorie holistisch sind (vielleicht auch normativ oder holistisch weil normativ) in einer Weise, in der es z.B. Biowissenschaften oder Physik nicht sind, dann sind vielleicht intentionale Erklärungen immun gegen jeden Reduktionismus, durch den sie von Physik und Biologie bedroht sind.
Wenn man die Alltagspsychologie des Glaubens dadurch zu verteidigen versucht, dass sie wohl weniger artikuliert, aber doch nicht prinzipiell verschieden von unproblematischen empirischen Wissenschaften wie Meteorologie oder Geologie seien, dann könnte sich herausstellen, dass sie empirisch komplett falsch sind.
So könnte sich herausstellen, dass unsere Glaubenspsychologie empirisch völlig falsch ist und nicht mit dem Rest unserer Wissenschaften verträglich. (Quine und die Churchlands denken, dass so etwas praktisch gerade im Gange ist).

Churla I
Paul M. Churchland
Matter and Consciousness Cambridge 2013

Churli I
Patricia S. Churchland
Touching a Nerve: Our Brains, Our Brains New York 2014

F/L
J. Fodor/E. Lepore
Holism Cambridge USA Oxford UK 1992

> Gegenargumente gegen Churchland
> Gegenargumente zu Intentionalität



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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 27.05.2017