Philosophie Lexikon der Argumente

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Vorstellung, Philosophie: Vorstellungen sind mentale Repräsentationen von nicht gegenwärtigen Situationen, Ereignissen, Zuständen, Sinneswahrnehmungen, Erlebnissen mit bestimmten Eigenschaften, Tönen, Tonfolgen, Klängen, Geräuschen, Stimmen, Gerüchen, Wärme, Kälte usw. Die Vorstellung von etwas unbestimmten ist nicht möglich. Das Verstehen eines Satzes kann eine Vorstellung der entsprechenden Situation oder eines Bildes hervorrufen. Siehe auch Repräsentation, Vergangenheit, Zukunft, Mentale Zustände,

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Vil��m Flusser über Vorstellung – Lexikon der Argumente

I 114
Bild/Imagination/Flusser: Reduktion der Dimension ist vom Willen nach Veränderung der Welt und infolgedessen von der Tendenz zur Schönheit motiviert. Eine solche Beschreibung macht allerdings eine neue Definition von Imagination" erforderlich: Rückschluss von zwei auf vier Dimensionen. I 114
Bsp Piktogramm. Strichmännchen im Rahmen: suggeriert eine vierdimensionale Szene.
Dagegen:
I 115
Ideogramm: H – O – H (Darstellung der Molekülzusammensetzung statt des Symbols H2O.
Def Imagination: ist dann nicht nur Fähigkeit, Ähnlichkeiten herzustellen, sondern Fähigkeit, sich die Verhältnisse zwischen Gegenständen der Welt vorzustellen, und zwar als Verhältnisse von Symbolen auf der Fläche.
Def Imagination: Das Vorschlagen und Annehmen einer Übereinkunft. Man macht also Bilder nicht um eine bekannte Lage zu imitieren, sondern eine unbekannte vorstellbar zu machen.
I 116
Die Übereinkunft lautet: Die "Wirklichkeit" ist so gestaltet, dass sie flach wird, wenn man die Tiefe und stillsteht, wenn man die Zeit aus ihr abstrahiert.
I 117
Wegen der Übereinkunft ist Imagination keine in der Einsamkeit ausgeübte Tätigkeit.
Imagination/Flusser: Wir sind uns nicht bewusst, dass die imaginären Verhältnisse "oben" und "rechts" welche die Symbole im Bild anordnen, ebenso konventionell sind, wie die Verhältnisse im Morsealphabet. Wir sind programmiert, an Bilder zu "glauben", also eben nicht in ihnen Mediationen, sondern Abbilder zu sehen.
I 123
Imagination II: Bilder werden entworfen, um die unkenntlich gewordene Welt zu erkennen: Landkarten.
Dann beginnt die Welt, als Bild erlebt zu werden, d.h. die Kategorien des Bildes zu spiegeln.
Darin wird das Leben entsetzlich, ab jetzt müssen die Bilder einer Strategie dienen, dem Entsetzlichen zu entgehen, und als magische Werkzeuge funktionieren.
Erst wenn später die Bilder beginnen, ihre "magische Dimension" als Vermittlung zwischen Welt und dem Menschen zu verlieren, und sie opak werden, ist das Zeitalter der Imagination abgeschlossen. Die Bilder bilden einen Wall der die Menschen von der Welt der Erlebnisse abschließt.
Die Welt wird "phantomartig" "phantastisch". Diese Entwicklung vom imaginären ins Phantastische kann man an den Azteken, oder, individuell an Paranoikern erkennen. Hier muss das Aufkommen des linearen Texts wohl als Erlösung empfunden worden sein.
I 161
Begriff/Vorstellung/Flusser: Wir versuchen ständig, uns Begriffe vorzustellen, diese Vorstellung zu begreifen, und diesen Begriff dann wieder vorstellbar zu machen.
Dieses Überbieten der Imagination durch Konzeption und umgekehrt, bei der Bilder konzeptuell werden (concept art) und Texte "imaginär" (science fiction) ist ein wichtiger Aspekt der heutigen "Krise der Kunst"


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Fl I
V. Flusser
Kommunikologie Mannheim 1996

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