Philosophie Lexikon der Argumente

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Kunst: Nach der traditionellen Auffassung ein gesellschaftlicher Bereich, der nicht direkt auf die Aufrechterhaltung von Lebensfunktionen gerichtet ist und daher eine gewisse Freiheit und Möglichkeit der Erkenntnis eröffnet. In der Moderne wurde der Gedanke des Sichentziehens der Kunst angesichts einer sich ausbreitenden Durchorganisierung von immer mehr Lebensbereichen weiter entwickelt. Diese Entwicklung kann bis zu einer immer stärker verwehrten Verständlichkeit (Hermetik) gehen. Siehe auch Ästhetik, Kunstwerke, Kritik, Gesellschaft, Geschichte, Aufklärung, Erkennen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Vil��m Flusser über Kunst – Lexikon der Argumente

Rötzer I 58
Kunst/Flusser: Beim Kunst-machen geht es darum etwas herzustellen, was noch nie da war und daher von keinem gegebenen Programm vorausgesehen werden konnte.
Rötzer I 59
Rom ist der Samen, der vom auctor Romulus in ein weites Feld, Latium eingesetzt wurde. Der Mann (vir) grub mit seinem Stock (aratrum) ein Loch ins Feldlager. seine männliche Tat (actio), also die Vergewaltigung des Feldes führt zur Möglichkeit (virtualitas) des Samens (semen), sich zur Wirklichkeit Rom zu entfalten (augere).....usw.
Die Übertragung dieses Mythos auf die Kunst brachte eine Menge Dinge wie Genies, Inspiration, Einzigartigkeit. Künstler als lauter Romulusse.
Rötzer I 64
Kunst/Flusser: Ghettos: Museen, Akademien. Je untheoretischer, empirischer und mehr auf gut Glück diese Leute vorgehen, desto besser sind sie.
Gegenwärtig ist die Handwerkerrevolution an ihr Ende gekommen. Spaltung in Kapitalisten und Arbeiter tritt zurück. Sinn des Lebens nicht mehr Arbeit sondern Konsum. Muße dient, anders als im Mittelalter nicht mehr dem Erwerb von Weisheit, sie ist sinnlos, und daher ist das ganze Leben absurd.
Wir erwarten von Kunst (die wir als Herstellerin von Erlebnismodellen verstehen) dass sie unserer Muße Sinn gibt, aber diese Aufgabe kann von theorielosen Autoren nicht geleistet werden.
Rötzer I 65
Solange die Kunst nicht ernst zu nehmen war, konnte man die Autoren nicht nur dulden, ihr Unsinn kam auch gelegen. Aber jetzt, wo die Kunst wie beim Fernsehen ernst genommen werden muss, und weil die Muße immer mehr als Ziel und Hauptbestandteil des Lebens erkannt wird, werden die Autoren gemeingefährlich.
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Flusser I 11
Kunst/Flusser: Für einen Christen ist alles Kunst (nämlich Gottes Werk).
Für einen aufgeklärten Philosophen des 18. Jahrhundert ist alles Natur (nämlich im Prinzip erklärlich).
I 11ff
Kunst/Flusser: Trennung von Kunst und Technik ist Folge des Buchdrucks. Bilder werden Kunstwerke, sobald sie aufhören, der dominante Code zu sein. Sie werden nur "schön" weil sie nicht mehr "gut", "wahr" sein können.
Dadurch werden sie opak.
Selbst wenn sie an Wänden hängen, sind sie aber auch mehr als nur "schön". Sie sind Modelle der verschiedenen Arten, die Welt zu erleben.
Man muss nicht die romantische Ideologie von Kunst als "Enthüllung der Wirklichkeit" annehmen, um zu sehen, dass wir beim Anblick eines Goya einen anderen Blick auf die Welt gewinnen als bei Matisse. Es handelt sich um verschiedene Lebensweisen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Fl I
V. Flusser
Kommunikologie Mannheim 1996

Rötz I
F. Rötzer
Kunst machen? München 1991

Fl I
V. Flusser
Kommunikologie Mannheim 1996

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