Philosophie Lexikon der Argumente

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Ästhetik: Ästhetik ist in der philosophischen Tradition allgemein die Lehre von der Wahrnehmung. Im engeren Sinn ist es die Untersuchung der Frage, warum wir gewisse Dinge schön bzw. hässlich finden. Hier werden geschichtliche Wandlungen ebenso berücksichtigt wie kulturelle Unterschiede. In der Moderne kommt die Fragestellung nach der aufklärerischen Wirkung und der gesellschaftlichen Gestaltungsmacht von Kunstwerken hinzu. Siehe auch Kunst, Kunstwerke, Schönheit, Wahrnehmung, Gesellschaft, Autonomie, Erkennen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Immanuel Kant über Ästhetik – Lexikon der Argumente

Gadamer I 47
Ästhetik/Urteilskraft/Kant/Gadamer: Was Kant seinerseits durch seine Kritik der ästhetischen Urteilskraft legitimierte und legitimieren wollte, war die subjektive Allgemeinheit des ästhetischen Geschmacks, in der keine Erkenntnis des Gegenstandes mehr liegt, und im Bereich der „schönen Künste“ die Überlegenheit des Genies über alle Regelästhetik. So findet die romantische Hermeneutik und die Historik für ihr Selbstverständnis lediglich in dem Geniebegriff, der durch die kantische Ästhetik zur Geltung gekommen ist, einen Anknüpfungspunkt. >Urteilskraft/Kant.
Das eben war die andere Seite der kantischen Wirkung. Die transzendentale Rechtfertigung der ästhetischen Urteilskraft begründete die Autonomie des ästhetischen Bewusstseins, aus der auch das historische Bewusstsein seine Legitimation ableiten sollte.
Die radikale Subjektivierung, die Kants Neubegründung der Ästhetik einschloss, hat so wahrhaft Epoche gemacht. Indem sie jede andere theoretische Erkenntnis als die der Naturwissenschaft diskreditierte, hat sie die Selbstbesinnung der Geisteswissenschaften in die Anlehnung an die Methodenlehre der Naturwissenschaften gedrängt. Sie hat ihr aber zugleich diese Anlehnung erleichtert, indem sie als subsidiäre Leistung das „künstlerische Moment“, das „Gefühl“ und die „Einstellung“ bereitstellte. Vgl. >Methode/Helmholtz, >Geisteswissenschaften/Gadamer.
Wahrheit/Erkenntnis/Kunst/Kant/GadamerVsKant: Die transzendentale Funktion, die Kant der ästhetischen Urteilskraft zuweist, vermag der Abgrenzung gegen die begriffliche Erkenntnis
und insofern der Bestimmung der Phänomene des Schönen und der Kunst zu genügen. Aber geht es an, den Begriff der Wahrheit der begrifflichen Erkenntnis vorzubehalten? Muss man nicht auch anerkennen, daß das Kunstwerk Wahrheit habe? Wir werden noch sehen, dass eine Anerkennung dieser Seite der Sache nicht nur das Phänomen der Kunst, sondern auch das der Geschichte in ein neues Licht rückt. >Wahrheit der Kunst/Gadamer.
Gadamer I 48
Erkenntnis/Geschmack/Kant/Gadamer: man wird anerkennen können, dass Kants Begründung der Ästhetik auf das Geschmacksurteil
Gadamer I 49
den beiden Seiten des Phänomens gerecht wird, seiner empirischen Nicht-Allgemeinheit und seinem apriorischen Anspruch auf Allgemeinheit. Aber der Preis, den er für diese Rechtfertigung der Kritik im Felde des Geschmacks zahlt, besteht darin, daß er dem Geschmack jede Erkenntnisbedeutung abspricht. Es ist ein subjektives Prinzip, auf das er den Gemeinsinn reduziert. In ihm wird nichts von den Gegenständen erkannt, die als schön beurteilt werden, sondern es wird nur behauptet, daß ihnen a priori ein Gefühl der Lust im Subjekt entspricht.
Zweckmäßigkeit/Kant: Bekanntlich wird dieses Gefühl von Kant auf die Zweckmäßigkeit gegründet (...). Das ist das Prinzip, das Kant in der ästhetischen Urteilskraft entdeckt. Sie ist hier sich selbst Gesetz. Insofern handelt es sich um eine apriorische Wirkung des Schönen, die zwischen einer bloß sinnlich-empirischen Übereinstimmung in Geschmacksdingen und einer rationalistischen Regelallgemeinheit in der Mitte steht. Der Geschmack ist „Reflexionsgeschmack“.
Inhalt/Geschmack/Kant/Gadamer: (...) die Kultur des moralischen Gefühls [wird] als der Weg bezeichnet, wie der echte Geschmack eine bestimmte unveränderliche Form annehmen
kann(1). Die inhaltliche Bestimmtheit des Geschmacks fällt also aus dem Bereich seiner transzendentalen Funktion heraus. Nur soweit es ein eigenes Prinzip der ästhetischen Urteilskraft gibt, interessiert sich Kant, und deshalb kommt es ihm auf das reine Geschmacksurteil allein an. >Schönheit/Kant.


1.Kant, Kritik der Urteilskraft, S. 264.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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> Gegenargumente gegen Kant

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