Philosophie Lexikon der Argumente

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Kunstwerke: Menschliche Hervorbringungen, die nicht direkt auf die Aufrechterhaltung von Lebensfunktionen gerichtet sind sondern die Möglichkeit einer Erkenntnis eröffnen sollen, die von lebensweltlichen Zwängen und Zwecken befreit ist. Zugleich sollen Kunstwerke damit einen Blick auf diese Zwänge ermöglichen. In der Moderne entziehen sich Kunstwerke der direkten Verständlichkeit in dem Maße, in dem Verstehen selbst immer mehr zu einem Erfordernis der Alltagswelt wurde. Siehe auch Ästhetik, Kunst, Kritik, Gesellschaft, Geschichte, Aufklärung, Erkennen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Gadamer I 57
Kunstwerk/Kant/Gadamer: Unterschied zur Natur: Im Hinblick auf die Idee einer intelligiblen Bestimmung der Menschheit gewinnt die Natur als schöne Natur eine Sprache, die sie zu uns führt.(1)
Natürlich beruht auch die Bedeutsamkeit der Kunst darauf, dass sie uns anspricht, daß sie dem Menschen ihn selbst in seiner moralisch bestimmten Existenz vorstellt. Aber die Kunstprodukte sind nur, um uns so anzusprechen - Naturobjekte dagegen sind nicht, um uns so anzusprechen. Gerade darin liegt das bedeutsame Interesse des Naturschönen, daß es uns dennoch unsere moralische Bestimmung bewusst zu machen vermag. >Interesse/Kant.
Kunst kann uns dieses Sichfinden des Menschen in absichtsloser Wirklichkeit nicht vermitteln. Dass der Mensch sich in der Kunst selbst begegnet, ist ihm nicht die Bestätigung von einem anderen seiner selbst her.
GadamerVsKant: (...) [Kant] stellt das Phänomen der Kunst nicht unter den ihm angemessenen Maßstab. Man kann die Gegenrechnung aufmachen. Der Vorzug des Naturschönen vor dem Kunstschönen ist nur die Kehrseite des Mangels des Naturschönen an bestimmter Aussage. So kann man umgekehrt den Vorzug der Kunst vor dem Naturschönen darin sehen, daß die Sprache der Kunst anspruchsvolle Sprache ist, die sich nicht der stimmungshaften Ausdeutung frei und unbestimmt darbietet, sondern uns bedeutungshaft bestimmt anspricht. Und es ist das Wunderbare und Geheimnisvolle der Kunst, dass dieser bestimmte Anspruch dennoch keine
Fessel für unser Gemüt ist, sondern den Spielraum der Freiheit im Spiele unserer Erkenntnisvermögen gerade recht öffnet.
KantVsVs: Kant wird dem durchaus gerecht, wenn er sagt(2) die Kunst müsse „als Natur anzusehen“ sein, d. h. gefallen, ohne den Zwang von Regeln zu verraten.
Kant/Gadamer: Wir beachten nicht die absichtsvolle Übereinstimmung des Dargestellten mit bekannter Wirklichkeit. Nicht darauf sehen wir es an, wem es ähnlich ist. Wir messen nicht seinen Anspruchssinn an einem uns schon wohlbekannten Maß, sondern im Gegenteil wird dieses Maß, der auf unbegrenzte Art „ästhetisch erweitert“.(3)

Gadamer I 99
Kunstwerk/Kant/Gadamer: Wenn man [der] Kritik an der Lehre von der unbewussten Produktivität
des Genies Rechnung tragen will (>Künstler/Gadamer), sieht man sich aufs neue vor das Problem
gestellt, das Kant durch die transzendentale Funktion, die er dem Geniebegriff zuwies, gelöst hatte. (>Genie/Kant, >Genie/Gadamer).
Was ist ein Kunstwerk, und wie unterscheidet es sich von einem handwerklichen Produkt oder gar von einem „Machwerk“, d. h. von etwas ästhetisch Minderwertigem? Für Kant und den Idealismus
definierte sich das Kunstwerk als das Werk des Genies. Seine Auszeichnung, das vollendet Gelungene und Musterhafte zu sein, bewährte sich darin, dass es dem Genuss und der Betrachtung einen unausschöpfbaren Gegenstand des Verweilens und Deutens bot. Dass der Genialität des Schaffens eine Genialität des Genießens entspricht, lag schon in Kants Lehre von Geschmack und und Genie, und ausdrücklicher noch lehrten das K. Ph. Moritz und Goethe. >Geschmack/Kant, >Geschmack/Gadamer.


1. I.Kant, Kritik der Urteilskraft, 1799, § 42
2. Ebenda, S. 179f.
3. Ebenda.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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> Gegenargumente gegen Kant

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