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Baruch Spinoza über Freiheit – Lexikon der Argumente

Höffe I 233
Freiheit/Spinoza/Höffe: [mit Hobbes teilt Spinoza] die Ansicht, der Staat sei nicht bloß für die genuin weltlichen Angelegenheiten, sondern auch für Religionsdinge entscheidungsbefugt.
SpinozaVsHobbes: 1) Zum einen sucht [Spinoza] noch konsequenter eine naturalistische, von allen normativen Restbeständen freie Staatstheorie, die in provokanter Weise Recht und Macht gleichsetzt.
2) Liberalismus/SpinozaVsHobbes: Zum anderen nimmt er eine kompromisslos liberale Wende vor. [So] heißt es im Theologisch-politischen Traktat(1): «Der Zweck des Staates ist in Wahrheit die Freiheit. »
Der Politische Traktat(2) (...) baut auf jenem Gedanken auf, der laut Spinoza den Wohlstand eines Landes begründet, dadurch im Inneren den sozialen Frieden fördert und außenpolitisch ein Machtfaktor gegenüber anderen Staaten ist: auf eine kompromisslose religiöse und politische Freiheit, die eine vollständige Handels- und Gewerbefreiheit erlaubt.
3) SpinozaVsHobbes: Im Namen der Freiheit der Bürger lehnt Spinoza Hobbes' Unterwerfungsvertrag ab und spricht dem weltlichen Souverän jede Zuständigkeit für Religionsfragen ab. Erneut tritt er für eine Beschränkung der öffentlichen Macht ein: In einem freien Staat ist jedem erlaubt zu denken, was er will, und zu sagen, was er denkt. Institutionstheoretisch plädiert Spinoza für ein sich wechselseitig kontrollierendes Geflecht von Gremien, in das möglichst viele Individuen einzubinden sind.
Höffe I 235
Weil (...) Theologie bzw. Glaube und Philosophie sich sowohl klar unterscheiden als auch problemlos ergänzen, kann «die Freiheit zu philosophieren», wie schon der erweiterte Buchtitel des Traktat(1) erklärt, ohne Beeinträchtigung des Glaubens zugelassen werden.
Höffe I 236
Mit der Überwindung der theologischen und politischen Vorurteile verfolgt Spinoza zwei Ziele. Er will den damals lebensgefährlichen Vorwurf des Atheismus abwehren, vor allem aber «die Freiheit zu philosophieren» gegen die beiden damals mächtigsten Instanzen, die Religionsgemeinschaft und den Staat, verteidigen. >Vorurteile/Spinoza.
Spinoza: (...) Freiheit «kann nicht nur ohne Schaden für die Frömmigkeit und den Frieden im Staat zugestanden werden, sondern kann auch nicht aufgehoben werden, ohne zugleich den Frieden im Staat und die Frömmigkeit aufzuheben».(3)
Höffe: Man könnte fortfahren: Die Philosophiefreiheit erlaubt sogar, sich offen zu einem Atheismus
zu bekennen. Zu dieser Fortsetzung war die damalige Zeit aber ohne Frage nicht reif.
Unterscheidung Handlungsfreiheit/Philosophiefreiheit: Dem Souverän kommt zwar das Recht zu, über alle Handlungen zu beschließen, denn im Gehorsam der Vernunft habe jeder «ein für allemal
beschlossen, das Recht gemäß eigenem Urteil zu leben, dem Souverän übertragen».(1) Nach eigenem Gutdünken anders zu handeln, gilt als ruchlos; ein Widerstandsrecht sieht Spinoza nicht vor. Hingegen habe man Sich nicht verpflichtet, auch «so zu urteilen und zu denken» (ebd.).


1. Spinoza, Tractatus theologico-politicus, Kap 20
2. Spinoza, Tractatus politicus
3. Tractatus theologico-politicus


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Spinoza I
B. Spinoza
Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

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