Philosophie Lexikon der Argumente

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Kompositionalität, Linguistik, Sprachphilosophie: die These (ursprünglich von G. Frege), dass die Bedeutung zusammengesetzter Ausdrücke - z.B. Sätze - sich aus den Bedeutungen der Teile ergibt. Daraus folgt, dass eine Änderung von Teilen - z.B. Ersetzung eines einzelnen Worts durch ein anderes - die Bedeutung des ganzen zusammengesetzten Gebildes ändern kann. Siehe auch Frege-Prinzip.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

 
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Peter Gärdenfors
I 241
Kompositionalität/Conceptual Space/Linguistik/Gärdenfors: wie können Conceptual Spaces (Begriffsräume) die Mechanismen beschreiben, die bei der Bildung zusammengesetzter Bedeutungen wirken? (Zu Kompositionalität Szabo 2004).
Kompositionalität/GärdenforsVsFrege: These: da der kommunikative Kontext die Bedeutung der beteiligten Ausdrücke ändert, ist der linguistische Ausdruck in seiner Bedeutung unterbestimmt.
Kommunikation/Transformation/Gärdenfors: These: die Zusammenstellung von Bedeutungen transformiert häufig diese Bedeutungen.
I 242
Direkte Komposition/Gärdenfors: (nicht-Fregesch): direkte Kompositionen sind Abbildungen zwischen semantischen Bereichen (Holyoak & Thagard, 1996; Fauconnier & Turner, 1998; Gärdenfors, 2000).
Kombination Adjektiv-Substantiv: Bsp Blaues Rechteck: seine Bedeutung ist definiert als das Kartesische Produkt der blauen Region des Farbraums und der Rechteck-Region des Formenraums.
Ein Produkt von kompakten und konvexen Mengen wird wiederum kompakt und konvex sein. Die Abbildungsfunktionen sind stetig. Das Funktionenprodukt ist ebenfalls stetig.
Pointe: damit bleiben bei der Komposition die Fixpunkt-Eigenschaften erhalten. (Siehe Fixpunkt/Gärdenfors (I 97): Gewissheit über den gemeinsamen Fokus auf einen Gegenstand.
Bedeutung/GärdenforsVsFrege: die Bedeutung des zusammengesetzten Gebildes wird jetzt nicht mehr durch die Bedeutung der Komponenten, sondern durch die Bereiche und Funktionen gebildet. Diese können als Regionen im Produktraum (z.B. von Farbe und Größe) lokalisiert werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass die involvierten Bereiche separierbar sind. Aber in der Praxis sind sie nicht völlig getrennt: es muss eine gewisse Vorverarbeitung stattfinden, bevor die Bereiche kombiniert werden können.
I 244
Kopf/Modifikation/Gärdenfors: die Analyse mit Kopf und Modifikator wird meist nicht funktionieren, weil unser Wissen über die jeweiligen Bereiche die Repräsentation des Modifikators ändern wird: Bsp Weißwein ist nicht weiß, Bsp ein großes Eichhörnchen ist kein großes Tier. ((s) > Synkategorematische Ausdrücke in der Analytischen Philosophie).
Lösung/Gärdenfors: wir brauchen Kontrastklassen. Bsp Adjektive wie „groß“ brauchen Kontrastklassen, die noch eine weitere Eigenschaft einführen.
Dann können wir für Kopf und Modifikator kompakte konvexe Regionen metrischer Räume annehmen und dazu eine radiale (stetige) Projektion zwischen den Räumen. (C. Berge, Topological Spaces, Mineola, NY, 1997).
Problem: Bsp Löwe > Steinerner Löwe: hier können nicht alle Bereiche gleichermaßen zugeschrieben werden, z.B. Habitat, Verhalten usw.
I 246
Metaphorische Komposition: selbst wenn Kopf und Modifikator keine gemeinsamen Dimensionen haben, kann man eine Abbildung zwischen beiden herbeiführen, indem man Konvexität und Kompaktheit ausnutzt. Bsp eine holperige Straße und eine holperige Beziehung teilen die geometrische Beschaffenheit einer Dimension: a) der Länge b) der Zeit.
I 247
Dimension: ihre Verschiedenheit wird manchmal als Hindernis gesehen: vgl. Lakoff & Johnson (1980). >Metaphern/Gärdenfors.
I 249
Substantiv-Verb-Kombination/Gärdenfors: in meiner Analyse kann ein Kraftmuster auf verschiedene Situationen angewendet werden. Bsp der Motor läuft – die Uhr läuft.
I 250
These über Substantiv-Verb-Kombinationen: die Bedeutung des Verbs wird durch das Patiens (patient) modifiziert, nicht aber durch das Agens (agent). Bsp (Aus Keenan, 1984, p. 20):
a)
Oskar schnitt den Rasen.
Die Maschine schnitt den Rasen.
b)
Oskar schnitt das Kleid.
Der scharfe Stein schnitt das Kleid.

Gärdenfors: die Bedeutung von „scheiden“ ändert sich stark zwischen den Paaren, aber nicht so stark innerhalb der Paare. Das zeigt, dass die Bedeutung nicht durch den Handelnden modifiziert wird.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Gä I
P. Gärdenfors
The Geometry of Meaning Cambridge 2014

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 22.10.2017