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Spracherwerb, Philosophie: Hier geht es um die Erforschung der Bedingungen und Vorgänge des Lernens von Sprache und die mögliche Entwicklung von Theorien über diesen Bereich. Siehe auch Sprachentstehung, Sprache, Sprachregeln, Transformationsgrammatik, Tiefenstrukturen, Oberflächenstrukturen, Grammatik, Universalgrammatik, Syntax, Semantik, Lernen, Gedächtnis.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Terrence W. Deacon über Spracherwerb – Lexikon der Argumente

I 39
Spracherwerb/Evolution/Sprachentstehung/Komplexität/Einfachheit/Deacon: es gibt zwei Paradigmen: a) Evolution größerer Intelligenz
b) Evolution eines speziellen Sprachorgans.
Beide haben gemeinsam, dass das Problem das Lernen einer sehr großen Menge komplexer Regeln sei und dass die Komplexität einfach zu groß sei für andere Spezies als den Menschen.
DeaconVs: die Komplexität ist nur ein Problem und nicht das entscheidende.
I 53
Spracherwerb/Deacon: hängt entscheidend von nichtlinguistischer Kommunikation ab. Vieles davon ist in Tieren bereits angeboren. Auch wir gebrauchen in alltäglicher Rede viel Nichtsprachliches wie Tonfall, Gesten usw.
I 125
Sprachlernen/Deacon: dass Kinder Sprache am besten in einem gewissen Alter lernen, scheint für angeborene Strukturen im Gehirn zu sprechen. Eine bessere Erklärung scheint mir aber einfach die Unreife von Kindern bzw. jungen Schimpansen wie Kanzi zu sein. Wir brauchen keinen essentialistischen Standpunkt anzunehmen, wenn wir uns auf diesen Aspekt konzentrieren.
I 126
In dieser Zeit der Unreife haben Kinder wenig Gedächtnisleistung für Details. Der junge Bonobo Kanzi konnte sich stark auf den richtigen Symbolgebrauch konzentrieren, während ältere Schimpansen lernen mussten, worauf sie sich konzentrieren sollten.
I 127
Wenn das stimmt, muss es sich um eine Eigenschaft der Kindheit handeln, die unabhängig von Sprache ist.
GoldVsChomsky/Deacon: Gold(1) brachte einen logischen Beweis, dass Regeln eines logischen Systems mit der strukturellen Komplexität einer natürlichen Grammatik nicht induktiv ohne explizite Fehlerkorrektur entdeckt werden können, selbst nicht theoretisch. Dabei ist nicht ihre Komplexität entscheidend, sondern die Tatsache, dass die Regeln nicht auf der Oberfläche der Satzform abgebildet sind. Statt dessen sind sie in weit verteilten Wortrelationen verkörpert und werden rekursiv (wiederholt) angewendet. Dadurch werden die Möglichkeiten, wie eine Regel tatsächlich beschaffen sein könnte, geometrisch multipliziert. Das macht es eine Kind oder anderen Sprachlernen unmöglich, die richtigen Regeln aus der Beschaffenheit der Sprache abzuleiten. Das hat viele Autoren dazu gebracht, angeborene Fähigkeiten anzunehmen. Siehe Induktion/Deacon.
I 128
Spracherwerb/Newport/Deacon: Frage: warum können Kinder die Grammatik leichter lernen als andere Dinge, die viel einfacher sind?(2)(3)
I 129
Bsp Je jünger ein Kind ist, desto schwieriger ist es für es, neue Assoziationen bewusst zu verarbeiten. Das hat mit dem Kurzzeitgedächtnis und der Aufmerksamkeitsspanne zu tun. Könnte es sein, dass diese Einschränkungen den Spracherwerb begünstigen? Die Lösung scheint darin zu bestehen, „klein und einfach“ anzufangen, „weniger ist mehr“. Siehe auch Neuronale Netze/Deacon.
I 137
Spracherwerb/Elissa Newport/Deacon: Newport war eine der ersten, die vorschlug, kindliches Sprachlernen nicht als Funktion eines besonderen Sprachlern-Systems aufzufassen, sondern umgekehrt, solche Sprachstrukturen vererben sich am besten von Generation zu Generation, die den kindlichen Lernneigungen (learning biases) am ehesten entsprechen.
I 339
Spracherwerb/Adaption/Gehirn/Evolution/Deacon: neben den konstanten sensomotorischen Gegebenheiten des Sprachgebrauchs gibt es auch Invarianzen der Sprachevolution, die den Kontext des Sprachlernens betreffen. Es gibt drei Arten von Sprachadaption: a) angeborene, b) gelernte, c) solche, die sich im Zusammenwirken zwischen Angeborenem und Erlebtem entwickeln. Universalität ist dabei kein sicherer Indikator dafür, dass etwas von der Evolution in unsere Gehirne eingebaut wurde.


(1) Gold, E. (1967), Language identification in the limit. Information and Control 16, 447-474.
(2) Newport, E. (1991), Maturational consteraints on language learning, Cognitive Science 14, 11-28.
(3) Newport, E. (1991), Contrasting conceptions oft he critical period for language. In: S. Carey und R. Gelma (Hrsg.) Epigenesis of Mind: Essys on Biology and Cognition, NJ.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013

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