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Johann Gustav Droysen über Freiheit – Lexikon der Argumente

Gadamer I 218
Freiheit/Notwendigkeit/Geschichte/Droysen/Gadamer: Das einzelne Individuum in der Zufälligkeit seiner partikularen Regungen und Zwecke ist kein Moment der Geschichte, sondern nur sofern es sich zu den sittlichen Gemeinsamkeiten erhebt und an ihnen teilhat. In der Bewegung dieser sittlichen Mächte, die durch die gemeinsame Arbeit der Menschen bewirkt wird, besteht der Gang der Dinge. Es ist völlig wahr, dass das, was möglich ist, dadurch eingeschränkt wird. Aber es hieße, sich aus der eigenen geschichtlichen Endlichkeit herausreflektieren, wenn man deshalb von einem Antagonismus der Freiheit und der Notwendigkeit redete. Der handelnde Mensch steht ständig unter dem Postulat der Freiheit.
Der Gang der Dinge ist nicht eine von außen kommende Schranke seiner Freiheit, denn er beruht nicht auf starrer Notwenigkeit, sondern auf der Bewegung der sittlichen Mächte, zu denen man sich immer schon verhält. Er stellt die Aufgabe, an der sich die sittliche Energie des Handelnden bewährt(1). Droysen bestimmt daher das Verhältnis von Notwendigkeit und Freiheit, das in der Geschichte waltet, weit angemessener, indem er es ganz vom geschichtlich handelnden Menschen aus bestimmt. Er ordnet der Notwendigkeit das unbedingte Sollen, der Freiheit das unbedingte Wollen zu, beides Äußerungen der sittlichen Kraft, mit der der einzelne der sittlichen Sphäre zugehört(2).
Die vermittelnde sittliche Welt bewegt sich derart, dass jeder an ihr teilhat, aber doch in verschiedener Weise. Die einen, indem sie die bestehenden Zustände durch Fortübung des Gewohnten tragen, die anderen, indem sie neue Gedanken ahnen und aussprechen. In solcher ständigen Überwindung dessen, was ist, durch die Kritik von dem her, wie es sein sollte, besteht die Kontinuität des geschichtlichen Prozesses (§ 77f.)(1).
Droysen würde also nicht von bloßen „Szenen der Freiheit“ reden. Freiheit ist der Grundpuls des
geschichtlichen Lebens, und nicht nur im Ausnahmefall wirklich. Die
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großen Persönlichkeiten der Geschichte sind nur ein Moment in der Fortbewegung der sittlichen Welt, die als ganze und in jedem einzelnen eine Welt der Freiheit ist. Gegen den historischen Apriorismus stimmt er mit Ranke überein, dass wir nicht das Ziel, sondern nur die Richtung der Bewegung erkennen können. Der Zweck der Zwecke, auf den die rastlose Arbeit der geschichtlichen Menschheit bezogen ist, ist nicht durch historische Erkenntnis auszumachen (§§ 80-86)(1).
Er ist nur Gegenstand unseres Ahnens und Glaubens. Diesem Bild der Geschichte entspricht nun die Stellung des historischen Erkennens. >Erkenntnis/Droysen.

1.J.G. Droysen, Grundriß der Historik, 1868


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Droys I
J. G. Droysen
Grundriss der Historik Paderborn 2011

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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