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Molekulargenetik über Endoph��notyp - Lexikon der Argumente

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Endophänotyp/Molekulargenetik/Munafò: Das Konzept des Endophänotyps wurde vor mehr als dreißig Jahren von Gottesman and Shields (1973)(1) in die Psychiatrie eingeführt. Seine Popularität ist jedoch jüngerer Natur. Es finden sich acht PubMed-Einträge vor dem Jahr 2000. Demgegenüber stehen 150 im aktuellen Jahrhundert. Gottesman and Shields (1973)(1) übernahmen den Begriff von einer Arbeit aus dem Jahr 1966, in der die geografische Verteilung der Heuschrecken dem "Endophänotyp" der Insekten zugeschrieben wurde (John und Lewis 1966)(2), einem Neologismus, der auf einen Phänotyp anspielt, der mikroskopisch und intern war und daher für die beiläufige Beobachtung unklar war.
Def Endophänotyp/Gottesman: Gottesmans Definition eines Endophänotyps ist, dass er vererbbar sein sollte, mit einer psychiatrischen Krankheit ko-segmentiert, aber auch vorhanden sein sollte, selbst wenn die Krankheit nicht (d.h. staatlich unabhängig) zum Vorschein kommt. Außerdem sollte er in nicht betroffenen Familienmitgliedern mit einer höheren Rate als in der Bevölkerung gefunden werden (Gottesman und Gould 2003)(3).
Das Kriterium der Zustandsunabhängigkeit wurde modifiziert, um die Bedeutung epigenetischer und entwicklungsbedingter Faktoren zu berücksichtigen, so dass der Endophänotyp erst in einem bestimmten Alter und/oder nach einer Herausforderung manifestiert werden kann (in der gleichen Weise, wie eine Glukose-Herausforderung für einen Glukosetoleranztest verwendet wird) (Hasler, Drevets, Gould et al. 2006)(4).
Andere haben Kriterien hinzugefügt, die verlangen, dass Endophänotypen Teil des kausalen Prozesses sind, durch den die Krankheit entsteht (Lavori, Krause-Steinrauf, Brophy et al. 2002)(5), oder zumindest an einem biologisch plausiblen Mechanismus der Pathogenese beteiligt sind (Castellanos und Tannock 2002(6); Tsuang, Faraone und Lyons 1993)(7). Almasy und Blangero (2001)(8) verlangen außerdem, dass ein Endophänotyp "kontinuierlich quantifizierbar sein sollte, eine Störung probabilistisch vorhersagen sollte und näher an der Stelle des primären Erregers (ob genetisch oder ökologisch) liegen sollte als an diagnostischen Kategorien". Es wurde auch vorgeschlagen, dass "Endophänotypen, die auf neurowissenschaftlichen Grundlagen beruhen oder in den Neurowissenschaften verankert sind" (Doyle, Faraone, Seidman et al. 2005)(9), Priorität eingeräumt werden sollte.




1. Gottesman, I. I. and Shields, J. 1973. Genetic theorizing and schizophrenia, British Journal of Psychiatry 122: 15–30
2. John, B. and Lewis, K. R. 1966. Chromosome variability and geographic distribution in insects, Science 152: 711–21
3. Gottesman, I. I. and Gould, T. D. 2003. The endophenotype concept in psychiatry: etymology and strategic intentions, American Journal of Psychiatry 160: 636–45
4. Hasler, G., Drevets, W. C., Gould, T. D., Gottesman, I. I. and Manji, H. K. 2006. Toward constructing an endophenotype strategy for bipolar disorders, Biological Psychiatry 60: 93–105
5. Lavori, P. W., Krause-Steinrauf, H., Brophy, M., Buxbaum, J., Cockroft, J., Cox, D. R., et al. 2002. Principles, organization, and operation of a DNA bank for clinical trials: a Department of Veterans Affairs cooperative study, Controlled Clinical Trials 23: 222–39
6. Castellanos, F. X. and Tannock, R. 2002. Neuroscience of attention-deficit/hyperactivity disorder: the search for endophenotypes, Nature Neuroscience 3: 617–28
7. Tsuang, M. T., Faraone, S. V. and Lyons, M. J. 1993. Identification of the phenotype in psychiatric genetics, European Archichives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 243: 131–42
8. Almasy, L. and Blangero, J. 2001. Endophenotypes as quantitative risk factors for psychiatric disease: rationale and study design, American Journal of Medical Genetics 105: 42–44
9. Doyle, A. E., Faraone, S. V., Seidman, L. J., Willcutt, E. G., Nigg, J. T., Waldman, I. D. et al. 2005: Are endophenotypes based on measures of executive functions useful for molecular genetic studies of ADHD?, Journal of Child Psychology and Psychiatry 46: 774-803



Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Molekulargenetik

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018

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