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Psychologische Theorien über Konformit��t - Lexikon der Argumente

Haslam I 77
Konformität/Psychologische Theorien: Solomon Asch (1951(1), 1955(2)) fragte, warum wir manchmal unsere fest verankerten Überzeugungen aufgeben und unsere Einstellungen und Urteile mit denen anderer Menschen in Einklang bringen, auch wenn wir wissen, dass sie falsch sind und wir Recht haben. >Konformität/Asch.
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Als weiteres Beispiel für die Macht des normativen Einflusses schufen Morton Deutsch und Harold Gerard (1955)(3) eine Situation, in der die Teilnehmer die (falschen) Antworten der Mehrheit miterleben konnten, aber ihre eigenen Antworten privat aufzeichnen durften (wodurch die Angst vor Spott und damit die Macht des normativen Einflusses beseitigt wurde). In dieser Variante ist der Konformitätsgrad gesunken (siehe auch Abrams et al., 1990(4); Insko et al., 1983(5)).
Interessanterweise wurde die Konformität jedoch nicht auf Null reduziert. Für einige Teilnehmer reichte die Kraft der Situation aus, um sie davon zu überzeugen, dass die Mehrheit der Antworten doch die richtige Antwort war. Mit anderen Worten, die Studie liefert nicht nur Beweise für normativen Einfluss (d.h. "mit anderen mitzugehen"), sondern auch für informationellen Einfluss (d.h. von anderen überzeugt zu sein).
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Alter/Konformität: In einer Studie, die ein etwas anderes Paradigma als Asch anwandte, stellten Michael Walker und Maria Andrade (Walker und Andrade 1996)(6) fest, dass die jüngeren Teilnehmer umso mehr konform waren: Die Konformitätsniveaus lagen bei 42% bei den 6- bis 8-Jährigen, 38% bei den 9- bis 11-Jährigen und 9% bei den 12- bis 14-Jährigen, jedoch gab es bei den 15- bis 17-Jährigen überhaupt keine Konformität.
Konformität/kulturelle Unterschiede: Mit Blick auf die nationalen Unterschiede in der Konformität im Asch-Paradigma führten Rod Bond und Peter Smith (1996)(7) eine statistische Analyse durch, in der sie die Konformitätsniveaus zwischen Ländern, die den Individualismus fördern (z.B. die USA) und Ländern mit einer stärker kollektivistischen Ausrichtung (z.B. Hongkong) verglichen.
Ihre Analyse von 133 Asch-Linienurteilstudien ergab, dass die Konformität in kollektivistischen Ländern höher war als in individualistischen Ländern, vermutlich weil die Konformität in den ersten Ländern höher bewertet wird als in den zweiten. Ihre Studie zeigte auch einen robusten Effekt, bei dem Frauen eher konform waren als Männer. Interessanterweise stellten die Forscher auch fest, dass die Konformitätswerte im Laufe der Jahrzehnte deutlich gesunken waren, wobei die Konformitätswerte in neueren Studien relativ niedrig waren.
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(...) Die Form der Konformität, welche in Aschs Studien beobachtetet wurde, soll so unterschiedlichen Verhaltensweisen zugrunde liegen wie der Nazi-Propaganda, Essstörungen wie Bulimie (wo die Menschen nicht in der Lage sind, dem Mehrheitszwang nach Dünnheit zu widerstehen; Crandall, 1988)(8) und Fußball-Hooliganismus und anderen Formen von Massengewalt (Le Bon, 1895)(9). >Konformität/Le Bon.
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(...) Ist es wirklich so, dass Konformität ein Spiegelbild von Schwäche und Feigheit ist? (...) es ist besonders aufschlussreich zu lesen, was die Teilnehmer sagten, wenn sie nach der Studie gefragt wurden, was es war, das ihre Antworten diktierte. (...) Viele von denen, die sich spontan anpassten, erwähnten, dass sie sich der Gruppe anschlossen, weil sie - obwohl sie nicht dachten, dass die Mehrheit Recht hatte - nicht dumm erscheinen oder der Seltsame sein wollten. Es gab aber auch andere Gründe, warum sich die Menschen anpassten. Einige erwähnten, dass sie die Studienergebnisse nicht "verderben wollten" (Asch 1955(2): S. 33).
Wieder andere glaubten, dass die erste Person, die die falsche Antwort gibt, eine Sehbehinderung haben muss. Als die Verbündeten 2 und 3 auch die falsche Antwort riefen, kamen sie einfach zu dem Schluss, dass diese Teilnehmer konform waren, möglicherweise weil sie die erste Person nicht wie einen Narren aussehen lassen wollten.



1. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
2. Asch, S.E. (1955) ‘Opinions and social pressure’, Scientific American, 193: 31–5.
3. Deutsch, M. and Gerard, H. (1955) ‘A study of normative and informational social influences upon individual judgment’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 51: 629–36.
4. Abrams, D., Wetherell, M.S., Cochrane, S., Hogg, M.A. and Turner, J.C. (1990) ‘Knowing what to think by knowing who you are: Self-categorization and the nature of norm formation, conformity, and group polarization’, British Journal of Social Psychology, 29: 97–119.
5. Insko, C.A., Drenan, S., Solomon, M.R., Smith, R. and Wade, T.J. (1983) ‘Conformity as a function of the consistency of positive self-evaluation with being liked and being right’, Journal of Experimental Social Psychology, 19: 341–58.
6. Walker, M.B. and Andrade, M.G. (1996) ‘Conformity in the Asch task as a function of age’, Journal of Social Psychology, 136: 367–72.
7. Bond, R. and Smith, P. (1996) ‘Culture and conformity: A meta-analysis of studies using Asch’s (1952b, 1956) line judgment task’, Psychological Bulletin, 119: 111–37.
8. Crandall, C.S. (1988) ‘Social contagion of binge eating’, Journal of Personality and Social Psychology, 55: 588–98.
9. Le Bon, G. (1895) La Psychologie des foules (The Crowd: A Study of the Popular Mind, 1982, Atlanta: Cherokee Publishing Company).


Matthew J. Hornsey and Jolanda Jetten, “Conformity. Revisiting Asch’s line-judgment studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Psychologische Theorien

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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