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Psychologische Theorien über Milgram-Experiment - Lexikon der Argumente

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Milgram Experiment/Psychologische Theorien: A. VsMilgram: Für seine Kritiker (von denen es viele gab; zur jüngsten Diskussion siehe Brannigan, Nicholson und Cherry, 2015)(1) ließ Milgram sich unter dem Vorwand, Unmenschlichkeit zu studieren (>Experiment/Milgram), selbst unmenschliche Handlungen verüben. In einem einflussreichen Kommentar, der in der American Psychologist erschien, warf Diana Baumrind (1964)(2) Milgram vor, seine Teilnehmer nicht mit dem verdienten Respekt zu behandeln und ihr Selbstwertgefühl und ihre Würde zu untergraben. Kurz nachdem die Studie erstmals in der New York Times vom 26. Oktober 1963 veröffentlicht wurde, beschrieb ein Leitartikel in der St. Louis Post-Dispatch Milgrams Arbeit als "Folter mit offenen Augen" (zitiert in Blass, 2004(3): 121).
MilgramVsVsVs: Milgram (1964)(4) antwortete auf diese Kritik mit der Behauptung, dass "niemand, der an der Gehorsamkeitsstudie teilnahm, Schaden erlitten hat. Zudem fanden die meisten Probanden die Erfahrung lehrreich und bereichernd" (Blass, 2004(3): 124). Er untermauerte seine Behauptungen mit Beweisen aus post-experimentellen Fragebögen. Diese zeigten, dass von den 656 Personen, die an den Studien teilgenommen haben, 83,7% "froh" oder "sehr froh" waren, teilgenommen zu haben, 15,1% waren neutral, und 1,3% waren es "leid" oder "sehr leid", dass sie teilgenommen haben.
Reicher/Haslam: Um dieses erhebliche Hindernis zu überwinden, haben die Forscher jedoch eine Reihe von Strategien entwickelt. Die eine ist, alternative und weniger schädliche Verhaltensweisen zu verwenden, um den Gehorsam zu untersuchen. Vgl. >Gehorsam/Milgram.
Dazu gehören das Geben von negativem Feedback an Bewerber, um sie nervöser zu machen (Meeus and Raaijmakers, 1986(5), 1995(6)), das Zerschlagen von Käfern (Martens et al., 2007(7)), das Durchführen einer analogen Online-Funktion, bei der negative Labels auf immer positivere Gruppen angewendet werden (Haslam, Reicher and Birney, 2014(8)), oder einfach das Beharren auf einer langen und mühsamen Aufgabe (Navarick, 2009)(9).
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B. Eine zweite Strategie war es, die eigenen Studien von Milgram zu überprüfen und erneut zu analysieren, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. (...) Steven Gilbert (1981)(10) zeigt die Bedeutung der allmählichen Zunahme der Schockintensität, die den Teilnehmern einen qualitativen Haltepunkt vorenthält, der es ihnen ermöglichen würde, das Abbrechen und Ungehorsam zu rechtfertigen. Dominic Packer (2008)(11) hingegen zeigt, wie die Reaktionen des Lernenden eine solche Rechtfertigung liefern können. Dies bezieht sich auf die Tatsache (siehe oben), dass der Punkt, an dem die meisten Menschen abbrechen, 150 Volt beträgt, wo der Lernende zuerst darum bittet, aus der Studie entlassen zu werden.
Acht relevante Faktoren: (Haslam, Loughnan und Perry, 2014)(12):
1) die Direktivität des Experimentators,
2) Legitimität
3) Konsistenz;
4) Gruppenzwang, nicht zu gehorchen;
5) die Indirektheit,
6) Nähe,
7) Intimität der Beziehung zwischen Lehrer und Lernenden
8) Abstand zwischen dem Lehrer und dem Experimentator.
C. Andere Autoren haben historische Beispiele für Gehorsam und Ungehorsam aus einer psychologischen Perspektive untersucht: Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist François Rochats und Andre Modiglianis (1995)(13) Analyse des Widerstands gegen die offizielle Unterdrückung von Minderheiten durch die Dorfbewohner von Le Chambon in Südfrankreich während des Zweiten Weltkriegs (siehe auch Rochat und Modigliani, 2000)(14). >Gehorsam/Psychologische Theorien.



1. Brannigan, A., Nicholson, I. and Cherry, F. (2015) ‘Unplugging the Milgram machine’,
Theory and Psychology (Special Issue), 25: 551—696.
2. Baumrind, D. (1964) ‘Some thoughts on ethics of research: After reading Milgram’s “Behavioral study of obedience”’, American Psychologist, 19:421—3.
3. Blass, T. (2004) The Man who Shocked the World: The Life and Legacy of Stanley Milgram. New York: Basic Books.
4. Milgram, S. (1964) 1lssues in the study of obedience: A reply to Baumrind’, American Psychologist, 19: 848—5 2.
5. Meeus, W.H.J. and Raaijmakers, Q.A. (1986) obedience: Carrying out
orders to use psychological-administrative violence &, European Journal of Social Psychology, 16:311—24.
6. Meeus, W.H.J. and Raaijmakers, Q.A. (1995) ‘Obedience in modem society: The Utrecht studies’, Journal of Social Issues, 5 1: 155—75.
7. Martens, A., Kosloff, S., Greenberg, J., Landau, M.J. and Schmader, T. (2007) ‘Killing begets killing: Evidence from a bug-killing paradigm that initial killing fuels subsequent killing’, Personality and Social Psychology Bulletin, 33: 1251—64.
8. Haslam, S.A., Reicher, S.D. and Birney, M. (2014) ‘Nothing by mere authority: Evidence that in an experimental analogue of the Milgram paradigm participants are motivated not by orders but by appeals to science’, Journal of Social Issues, 70:473—88.
9. Navarick, D.J. (2009) ‘Reviving the Milgram obedience paradigm in the era of informed consent The Psychological Record, 59: 155—70.
10. Gilbert, S.J. (1981) ‘Another look at the Milgram obedience studies: The role of a graduated series of shocks’, Personality and Social Psychology Bulletin, 7: 690—5.
11. Packer, D.J. (2008) ‘Identifying systematic disobedience in Milgram’s obedience experiments: A meta-analytic review’, Perspectives on Psychological Science, 3: 301—4.
12. Haslam, N., Loughnan, S. and Perry, G. (2014) 4Meta-Milgram: An empirical synthesis of the obedience experiments’, PLoS ONE, 9(4): e93927.
13. Rochat, F. and Modigliani, A. (1995) 4The ordinary quality of resistance: From Milgram’s laboratory to the village of Le Chambon’, Journal of Social Issues, 51: 195—210.
14. Rochat, F. and Modigliani, A. (2000) ‘Captain Paul Grueninger: The Chief of Police who saved Jewish refugees by refusing to do his duty’, in T. Blass (ed.), Obedience to Authority: Current Perspectives on the Milgram Paradigm. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum. pp.91—110.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Psychologische Theorien

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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